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Feuilleton

24. 4. - 4. 5. 2014 | Haus der Kulturen der Welt

KOREAN CINEMA TODAY

Ein Rückblick



Nugu-ui Ttal-do Anin Haewon – Nobody’s Daughter Haewon (2013)
Regie: Hong Sangsoo

Manchmal läuft das Leben nicht so wie man es sich vorstellt, man möchte einfach nur noch flüchten, am besten in eine andere Welt. Das will auch Haewon in Hong Sangsoos preisgekrönten Film Nobody’s Daughter Haewon von 2013, welche sich fließend zwischen echter und fiktionaler Welt zu bewegen scheint.

Haewon fühlt sich verlassen. Ihre Mutter will nach Kanada ziehen, sie soll jedoch in Korea bleiben und weiter Schauspiel studieren. Allerdings besucht sie kaum noch eine Vorlesung, da ihr die Theorie wenig gibt. Sie möchte lieber ihr Leben genießen, frei sein, Abwechslung erleben. Auch ihr Verhältnis mit ihrem Professor scheint sie mehr und mehr zu langweilen. Von ihrer Müdigkeit geplagt, schläft Haewon immer wieder ein und besucht einige Male die Orte, an denen Erinnerungen kleben. Ob nun im realen Leben oder im Traum – genau kann man es nicht wissen. Ist vielleicht sogar alles nur ein einziger Traum, ein Traum von Freiheit?

Regisseur Hong Sangsoo hat einen Film geschaffen, in dem man als Zuschauer die gesamten 90 Minuten unterhalten wird. Immer wieder zaubert einem die Hauptdarstellerin, Jung Eun-chae, durch ihre unbeholfene Art ein Lächeln auf die Lippen, manchmal erwischt man sich sogar selbst dabei, lauthals zu lachen. Sie wurde als beste neue Schauspielerin Koreas mehrfach ausgezeichnet, und dies zu Recht. Der Film hält viele unerwartete Wendungen bereit – vor allem auf emotionaler Ebene – und lässt am Ende mehr Fragen offen als Antworten, was zum Nachdenken über das Gesehene anregt, also seinen Nutzen hat. Ein großartiger, vielschichtiger Film.




Nobody's Daughter Haewon (Nugu-ui Ttal-do Anin Haewon) | Bildquelle http://www.hkw.de



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Gyeonggyeeseo-Kkumkkuneun-Jip – Dream House by the border (2013)
Regie: Kim Lyang

Die Geschichte des Staates Korea, der sich in Nord- und Südkorea aufteilt, ist hinlänglich bekannt. Doch es gibt Menschen und Schicksale, die Außenstehende so gar nicht erwarten werden. Flüchtlinge aus Nordkorea wurden in Städten genau an der Grenze zwischen dem Norden und den Süden angesiedelt und lebten lange unter unglaublichen Bedingungen. Regisseurin Kim Lyang, die selbst in einer Familie nahe der Grenze aufwuchs, bringt uns mit ihrem Film diese Schicksale näher.

Dies sind nur zwei der unzähligen Schicksale, die dem Zuschauer in dieser Dokumentation präsentiert werden: Ein Koreaner wollte seine Mutter dabei haben, damit sie bei der Entbindung seines Kindes hilft. Er lebte in einem der Flüchtlingsdörfer, sie nicht. Doch das Militär ließ die Frau nicht herein. Deswegen versuchte sie es auf eigene Faust und versuchte, durch einen Umweg hineinzugelangen, trat dabei auf eine Landmine und verstarb. Ein Ex-Soldat suchte mit einem Kollegen das Land nach Minen ab, um sie unschädlich zu machen. Sein Kollege trat auf eine der winzigen, kaum sichtbaren Minen und verlor sein Bein; Bilder, die den Ex-Soldaten ein Leben lang verfolgen sollten.

Nur wenige Bewohner dieser Dörfer fühlen sich dort vollends wohl, aber niemand möchte so wirklich weg. Oftmals stockt einem der Atem, wenn die Leute von ihrem Leben dort berichten. Durch die Authentizität der Erzählungen stellen sich bisweilen feuchte Augen ein; doch meist überwiegt der Schock. Regisseurin Kim Lyang hat mit diesem Werk etwas geschaffen, von dem die Menschheit nicht wusste, dass es fehlt, aber es fehlte. Es war an der Zeit, dass diese Menschen die Chance bekommen zu berichten, was sie erlebten. Eine mitreißende Dokumentation, die jeder, der sich mit Korea beschäftigt einfach gesehen haben muss.




Dream House by the Border (Gyeonggyeeseo-Kkumkkuneun-Jip) | Bildquelle http://www.hkw.de



Bewertung:    




Geomeun Meori – Black Hair (1964)
Regie: Lee Man-hee

Die Liebe ist immer Stärker als der Hass. Das Gute siegt am Ende immer über das Böse. Ist es so auch in Lee Manhees düsterer Gangstertragödie Black Hair? Der 60er-Jahre-Streifen verbreitete einen gewissen Krimi-Retro-Charme. Eine Gangster-Organisation in Korea sorgt für Angst und Schrecken auf den Straßen, wieder gelingt ein Coup. Doch gerade, als es gut läuft, bringt etwas Unvorhergesehenes den Gangsterboss aus der Fassung: Seine Frau Yeon-sil ging mit einem seiner opiumsüchtigen Leute fremd. Eine Sünde, die nach den eigens geschaffenen Regeln der Gangster bestraft werden muss. Das Gesicht der Frau wird entstellt, und sie wird aus dem kriminellen Kreis verbannt.

Doch danach ist der „Pate“ nicht mehr derselbe. Auch wenn er weiterhin behauptet, vom Bösen erfüllt zu sein, scheint er aus Trauer über seine Ex-Frau nachzulassen – was allerdings ebenfalls eine zu bestrafende Sünde ist. "Black Hair" Yeon-sil hat inzwischen als Prostituierte einen Taxifahrer kennengelernt, der mit ihr ein besseres Leben aufbauen will, nachdem er sie vor dem sicheren Tod bewahrt hat. Doch können sich die beiden gegen eine ganze Gangster-Organisation durchsetzen?

In seinem Klassiker Black Hair aus dem Jahr 1964 schafft Lee Manhee eine fantastische Tragödie, bei der vor allem die Besetzung ideal gewählt wurde. Ob nun der ausdrucksstarke Gangsterboss, die schöne Yeon-sil, der arrogante Taxifahrer oder die rechte Hand des Bosses mit dem eiskalten Blick – es gibt kaum einen Protagonisten, der seine Rolle nicht perfekt umsetzen konnte. Dadurch wirkt der Film von der ersten Minute an authentisch. Gefesselt will man keine der Wendungen verpassen. Wer eine Schwäche für alte Gangster-Filme hat, wird diesen hier vermutlich schon gesehen haben. Wenn nicht, dann unbedingt nachholen!




Black Hair (Geomeun Meori) | Bildquelle http://www.hkw.de



Bewertung:    



Tobias Gürtler - 7. Mai 2014
ID 7807
Unser Gastautor Tobias Gürtler studiert z.Z. Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation – MHMK, Standort Berlin, und wird von Max-Peter Heyne betreut.

Weitere Infos siehe auch: http://www.hkw.de/






 

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