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EUROPÄISCHES JUDENTUM IM FILM

Musik als

Lebenselixier



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Jascha Heifetz und Yehudi Menuhin gehörten Mitte der 1950er Jahre zu den größten Geigenvirtuosen ihrer Zeit, und es ist der gehbehinderte Itzhak Perlman, der zu den wenigen Violinisten zählt, der in die großen Schuhe der begnadeten Geiger passt. Perlman wurde 1945 in Tel Aviv geboren, ein paar Jahre bevor der Staat Israel ausgerufen wurde. Im Alter von vier Jahren erkrankte er an Kinderlähmung und kann seitdem nur noch auf Krücken kurze Strecken laufen. Eine Affinität zur klassischen Musik und zur Geige hatte Perlman schon vorher, aber in den frühen Jahren war er entweder zu jung oder körperlich zu beeinträchtigt, um ernst genommen zu werden. Doch er ließ sich nicht unterkriegen, wurde maßgeblich von seinen Eltern unterstützt und studierte mit 13 Jahren an der renommierten Juilliard School in New York. In diesem Alter erlangte er nach einem Auftritt in der legendären Ed-Sullivan-Show Berühmtheit. Der Junge war ein Ausnahmetalent, das war klar erkennbar, aber ein Behinderter als Geigensolist war noch ein wenig jenseits der Vorstellungskraft in dieser Zeit.

In der Dokumentation Itzhak Perlman – Ein Leben für die Musik erleben wir den heute über 70jährigen, den die Regisseurin Alison Chernick mit der Kamera begleitet hat. Dabei steht der Mensch im Vordergrund und nicht so sehr der Star-Musiker. Einen ganz großen Anteil an seinem Leben hat seine Ehefrau Toby. Die erzählt frank und frei, dass sie sich mit 17 Jahren entschieden hatte, Perlman zu heiraten, der zuerst noch gar nicht an Mädchen interessiert war und sich dann in eine andere verliebte. Ein hartes Jahr für Toby, die ihn nach dem Ende dieser Beziehung fragte, ob er ihr Mann werden wolle, und der junge Itzhak wollte. Nun sind sie seit rund 50 Jahren verheiratet und haben eine große Familie. Toby ist selbst Geigerin, wenn auch nach eigenen Angaben nicht so begabt wie Perlman, aber sie versteht natürlich alles, was es mit der Musik und dem Leben als Musiker auf sich hat.



Toby und Itzhak Perlman in einem Geigengeschäft | © Arsenal Filmverleih


Perlmans Eltern stammten aus Polen und sind in den 1930er Jahren nach Palästina ausgewandert. Die Shoah ist kein zentrales Thema im Film, aber sie klingt immer wieder an, wenn Perlman z.B. eine Geige begutachtet, die im Konzentrationslager gespielt wurde. Offensichtlich hat sich Perlman aber nicht durch die Shoah bestimmen lassen, denn es ist die Musik, um die sich sein Leben dreht. Doch mögen seine jüdische Abstammung und seine Behinderung zu einer Intensität von Gefühlen geführt haben, die sich in der Beseeltheit seines Geigenspiels niederschlägt. In diesem Zusammenhang erzählt er eine Anekdote über seine Musiklehrerin aus Jugendtagen, Dorothy De Lay. Er hasste sie, weil sie ihm keine Anweisungen gab, sondern ihn mehr oder weniger dazu nötigte, sich selbst kennen zu lernen und zu hinterfragen. Damals verstand er nicht, dass Technik allein noch keinen großen Musiker ausmacht, sondern dass auch Persönlichkeit und Erfahrung dazu gehören. Heute unterrichtet Perlman ähnlich wie De Lay.

Perlman mag wegen seiner Behinderung seine dunklen Stunden haben, aber er ist nicht verbittert. Wenn er mit dem elektrischen Rollstuhl durch das verschneite New York fahren muss, hadert er nicht, es ist jemand dabei, der die aufgeschütteten Schneeberge am Wegrand mit einer Schaufel bearbeitet, damit er durchkommt. Er ist mit dem Schauspieler Alan Alda befreundet, der als Kind auch an Kinderlähmung litt. Aufgrund der fortschrittlichen Behandlungsmethoden der berühmten Therapeutin Elizabeth Kenny kann Alda aber laufen. Perlman freut sich für ihn, und die beiden älteren Herren haben beim Ausprobieren von Perlmans Kochkünsten mächtigen Spaß miteinander, obwohl dessen Rollstuhl so niedrig ist, dass er gar nicht in den Topf schauen kann, um zu sehen, was er da kocht.

*

Wir konzentrieren uns in der Reihe „Europäisches Judentum im Film“ darauf, welche Strategien Menschen entwickeln, mit den Auswirkungen der Shoah umzugehen. Bei Perlman kommen mehrere Faktoren zusammen, denn er hat gleich mehrere Lebensinhalte: die Musik, eine sehr starke und resolute Frau, eine große Familie, seinen jüdischen Glauben und die Fähigkeit, sein Leben zu genießen. Und wenn er die Stradivari spielt, die vorher Menuhin gehört hatte, dann öffnen sich für die Zuhörenden Gefühlswelten, die Perlman mit der Geige in wunderbare Klänge zu verwandeln mag.
Helga Fitzner - 9. August 2018
ID 10837
Weitere Infos siehe auch: https://arsenalfilm.de/itzhak/index.htm


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