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Feuilleton


Verleihung des Deutschen Computerspielpreises bei den Berliner Gamestagen




Mehr Tiefgang für die Oberflächen

Die deutsche Computerspiel-Industrie, die derzeit rund 1,85 Milliarden Umsatz pro Jahr erwirtschaftet, sieht sich weiter im Aufwind: Eines ihrer größten Branchentreffen, die Deutschen Gamestage in Berlin (23. - 27. 4.), waren dieses Mal deutlich internationaler ausgerichtet und verzeichneten prompt mehr als doppelt so viele Teilnehmer wie 2012, nämlich 6.000. Stephan Reichart, Geschäftsführer der Firma Aruba Events, die zu den Organisatoren der Veranstaltung zählt, sieht große Potentiale: „Die hiesige Gamesbranche blickt sehr zuversichtlich in die Zukunft, denn der Wandel hin zum frei zugänglichen Online und Mobile-Game-Markt bietet allen Studios die Chance weltweit erfolgreich zu sein.“




Preisverleihung des Deutschen Computerspielpreises 2013 - v.l.n.r.: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring (Jury), Peter Tscherne (Stiftung Digitale Spielekultur), Peider Bach (Entertainment Media), Elmar Giglinger (Medienboard), Bernd Neumann (Kulturstaatsminister), Jeannine Michaelsen (Moderatorin), Dr. Maximilian Schenk (BIU), Thomas Friedmann (G.A.M.E.), Dr. Klemens Kundratitz (BIU), Michael Liebe (Deutsche Gamestage) - (C) http://www.deutscher-computerspielpreis.de



Höhepunkt war die alljährliche Verleihung des Deutschen Computerspielpreises durch eine aus Medienpolitikern, -Pädagogen und Branchenvertretern zusammengesetzte Fachjury. Bernd Neumann (CDU) hatte den Preis vor einigen Jahren gemeinsam mit den Verbänden ins Leben gerufen, um die Entwicklung von thematisch bzw. pädagogisch wertvollen Computerspielen gezielter zu würdigen und zu fördern. Eine deutliche Aufwertung versprach sich davon die Fachbranche, die in der Öffentlichkeit auch heute noch oft mit dem schmuddeligen Image der sogenannten Killer- oder Ballerspiele assoziiert wird. Tatsächlich äußerten im letzten Jahr die Feuilletons, aber auch Bernd Neumann selbst, deutliche Kritik am Plazet der Jury, die dem gewalthaltigen Game Crysis2 einen mit staatlichen Mitteln ausgestatteten Preis verlieh.

Um derartige Entscheidungen künftig so gut es geht zu vermeiden, wurde im letzten Herbst zusätzlich zum Deutschen Computerspielpreis die Stiftung „Digitale Spielekultur“ in Berlin gegründet, die das Ziel hat, die Akzeptanz und Relevanz von digitalen Spielen in der Gesellschaft zu steigern, indem Projekte aus den Bereichen Bildung, Medienkompetenz, Jugendschutz, Ausbildung oder Games-Forschung unterstützt und der Öffentlichkeit vermittelt werden. Ein fachkundiger, vierzehnköpfiger Beirat aus Politik, Erziehung und Bildung, Wissenschaft und Forschung soll möglichst unabhängig und transparent die Geschicke der Stiftung leiten.

Ein Beispiel für die Aktualität der Debatte und ein prägnanter Gegenentwurf zu Ego-Shootern à la Crysis2 ist das im letzten Jahr als Bestes Browsergame mit dem DCP-Sonderpreis prämierte Onlinegame Trauma von Krystian Majewski. Der Kölner hat fotorealistische Motive von verlassenen Orten einer Stadt in die Kunstwelt des Spiels integriert, die wie Erinnerungsfetzen der unter Gedächtnisverlust leidenden "Heldin" auftauchen, wobei der Spieler die Gedankenwelt nur bruchstückhaft zusammenfügen kann (http://www.traumagame.com).

Eine ähnlich innovative Mischung aus interaktiver Erzählung, Musiktheater und Kunstwerk bietet O.R.pheus - Eine musikalisch-theaterale Rauminstallation der Künstlerin Evelyn Hribersek (DCP: Nominierung Bestes Serious Game 2013). Das Ambiente ist gestaltet wie eine alptraumhafte, retrofuturistische Klinik, in der sich offenbar beunruhigende Ereignisse abgespielt haben.




O.R.pheus - Eine musikalisch-theaterale Rauminstallation (C) http://orpheus2012.com



Auf der Preisverleihung wie auf den Deutschen Gamestagen insgesamt wurde mehrfach auf das Missverhältnis vor allem zwischen Film- und Gamesindustrie hingewiesen, z.B. was die öffentliche Förderung betrifft. In Deutschland stehen 300 Millionen Filmförderung nur zwei Millionen staatlicher Mittel für Games gegenüber, obwohl gerade anspruchsvolle, mit einer künstlerischen Komponente versehene Spiele ohne eine Anschubfinanzierung kaum so aufwendig und attraktiv gestaltet werden können, wie es für den wirtschaftlichen Erfolg nötig ist. Darauf wiesen die Spieleentwickler des in der Kategorie Bestes Jugendspiel mit 75.000 Euro prämierten Spiels Tiny & Big: Grandpa’s Leftovers vom Black Pants Studio in Kassel hin: Hätten sie Designstudenten nicht vor zwei Jahren den Preis für das Beste Nachwuchskonzept gewonnen, hätten sie ihr Game, das in Form eines skurrilen Comics dem Nutzer Rätsel aus der Physik aufgibt, nicht vollenden können.

Doch auch in Sachen Außenwirkung klafft zwischen Games und Filmindustrie eine Schere, betonte der für Standortförderung der Berlin-Brandenburgische Medienbranche, das Medienboard, zuständige Geschäftsführer Elmar Giglinger: Während ein Film voller Gewaltexzesse wie Django Unchained aus den USA zu „Oscar“- und anderen Preisehren kommt, werde die Spielebranche oft verteufelt, obwohl inzwischen einige Games sowohl vom Design wie vom Inhalt her als Kulturgut gelten. 2008 wurde der Bundesverband der Entwickler von Computerspielen „G.A.M.E.“ in den Deutschen Kulturrat aufgenommen.

Dass Gamesdesign auch Kunst sein kann und also dass digitale Zocken künstlerische Impulse vermittelt, dafür sorgen Entwickler anspruchsvoller interaktiver Spiele für Computer oder Mobilgeräte wie Jan Müller-Michaelis von der Hamburger Firma Daedalic Entertainment, die mit ihrem äußerst fantasievollen Science-Fiction-Game Chaos auf Deponia gleich zweimal für einen Computerspielpreis nominiert waren und schließlich in der Königskategorie als Bestes Deutsches Spiel 2013 gewannen (50.000 Euro). In diesem zweiten Teil einer Spiele-Trilogie muss sich der Anti-Held Rufus i.e. der Spieler mit Schnabeltieren, brennenden Sägeblättern, Anti-Schwerkraft-Socken und Torpedo-Delfinen, vor allem aber mit dem angebeteten Mädchen Goal auseinandersetzen, die ihr Bewusstsein versehentlich in drei Teile aufgespaltet hat.

Für lehrreiche bzw. pädagogisch sinnvolle Spiele gibt es beim DCP die Kategorie Serious Game, in der diesmal das Game Menschen auf der Flucht vom katholischen Hilfswerk Missio und dem Potsdamer Unternehmen Serious Games Solutions prämiert wurde (50.000 Euro). Interaktiv werden Jugendliche über die prekäre Situation von Flüchtlingen in der Bürgerkriegsregion des Kongo informiert, die sie in Form eines selbstgewählten Avatars miterleben. Weitere Spiele, die über realistische Darstellungen zum sozialen Lernen anregen, sind auch Emergency IPad von Promotion Software, Tübingen, in dem für Notfallhelfer Katastrophenszenarien nachgespielt werden, z.B. auf Autobahnen oder Bahnübergängen (Nominierung DCP: Bestes Mobiles Spiel), und Word Wonders - The Tower of Babel von Chimera Entertainment, München, dessen spielerisches Wortbildungstraining sich vor allem auf Tablet-Oberflächen anbietet (Bestes Mobiles Spiel, 50.000 Euro).

Nominiert für das Beste Nachwuchskonzept war Urban Legend, ein an der Hochschule Mittweida bei Dresden entwickeltes, handlungsorientiertes Online-Game, das emotionale Reaktionen der Spieler direkt in den Spielvorgang einbaut. Durch die im eigenen Computer installierte Webcam wird die Mimik der Spieler erkannt und dementsprechend werden die Spielfiguren bzw. Spielabläufe beeinflusst. In diesem Szenario versuchen Spieler, sich der Allmacht einer übervorsorglichen Diktatur zu erwehren. So spiegelten die 137 Wettbewerbseinreichungen für den Deutschen Computerspielpreis die vielfältigeren und anspruchsvolleren Angebote der Gamesindustrie wieder, die auch mit der stärkeren Verbreitung der Games auf mobilen Digitalgeräten zu tun haben. Auch für die Kunst- und Medienstudenten ist es offenkundig attraktiv, die sich ihnen bietenden interaktiven Möglichkeiten und stilistischen Darstellungsformen der diversen digitalen Plattformen in Zukunft stärker zu nutzen.




Urban Legend (C) Hochschule Mittweida, Mittweida


Gabriele Leidloff & Max-Peter Heyne - 5. Mai 2013
ID 6738

Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscher-computerspielpreis.de/





 

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