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Die Agentin



Dieser Agententhriller bietet leider nix Neues, das aber sehr gekonnt. Und Diane Kruger spielt glaubwürdig, obwohl ihre Figur nun nicht gerade superauthentisch mit psychologischen Details ausstaffiert wurde. Das Drehbuch des israelischen Filmemachers Yuval Adler basiert auf dem Roman The English Teacher seines Landsmannes Yiftach Reicher Atir, insofern trifft der Vorwurf der Unoriginalität wahrscheinlich nicht Adler allein – aber dazu müsste ich das Buch erst einmal lesen. Wozu ich jetzt leider keine Lust mehr habe. Diese israelisch-amerikanisch-deutsche (Mitteldeutsche Medienförderung) Koproduktion ist gut für den Filmstandort Ostdeutschland, denn gedreht wurde viel in Leipzig. Viele Motive, die man noch nicht oder nicht sooft im Kino gesehen hat wie Locations in Berlin oder Paris, New York oder London etc. Aber die Handlung, naja, da kommt dem erfahrenen Kinobesucher und Krimigucker vieles bekannt vor.

Es geht um eine Frau mit komplizierter Familiengeschichte und halbjüdischer Abstammung, Rachel, die viele Sprachen spricht und sich Israel seit Kibbuzzeiten verbunden fühlt. Mit diesen Voraussetzungen wird man Spionin, natürlich, und scheut das Risiko, in blutige Schießereien verwickelt zu werden nicht (nicht?). Naja, natürlich ist Rachel von der Ermordung Unschuldiger angewidert (also ein bißchen wenigstens), und dass ihr unmittelbarer Vorgesetzter beim Mossad, Thomas (der edle Wilde: Martin Freeman) nicht so ein ganzer mieser, gewissenloser Killer ist wie andere Geheimdienst-Kollegen, hilft, natürlich. Er versucht, Rachel gegenüber auch freundschaftlich zu sein, wenn diese nicht gerade einen Wachmann vergiften oder mit einem iranischen Technikmanager ins Bett gehen muss. Sowas belastet, natürlich.

Ach so: ja, also Rachel soll helfen, dass der Mossad mit Rückendeckung westlicher Geheimdienste Sprachlehrerin in Teheran wird, um sich langsam, aber sicher so an den (attraktiven, natürlich) persischen Manager (Middeleast-Lover Cas Anvar) ranzumachen und schlussendlich dessen Firmengehimnisse zu übermitteln. In dem Punkt will ich mal gar nicht so sein: Das kann ich mir vorstellen, dass das so läuft, seit ich von dem Stasi-Romeos und Mossad-Mata Haris gelesen habe. Das Ganze läuft konspirativ von Leipzig aus, wo der Mossad offenbar wenig Risiken ausgesetzt ist, wenn der oder die eine mal abgemurkst werden muss.

In Teheran entwickeln sich die Dinge günstig, also halbwegs jedenfalls. Denn Rachel findet vieles zum Kotzen, aber trotz professioneller Ausbildung verliebt sie sich ein wenig in den Manager, der mehr Kosmetikartikel nutzt als sie selbst (das war mal ein witziger Dilaog!) - und ihr Geheimdienstmentor Thomas auch in sie, natürlich. Die Leute beim Mossad sehen das allerdings alles mit größter Skepsis, denn Rachel wirkt unkontrollierbar und teils laienhaft-überfordert. Aber auch in diesem Punkt will ich mal nicht so sein und das glauben, seit ich von den russischen Stümpern gelesen habe, die in England mit hochtoxischem Material Spaziergänge machen. Auch Agenten und Agentinnen sind nur Menschen.

Russen sind ausgerechnet nicht im Film! Aber Kurden, die die erstaunlich tapfere Rachel mit Kofferbomben über die iranische Grenze schmuggeln. Auf den letzten Metern kommen hier die überzeugendsten und spannensten Szenen des gesamten Films, der bis dahin das wacklige, teils klischeehafte, teils unglaubwürdige Konstrukt nur mühsam über die Runden rettete. Dank für die Rettung gilt in erster Linie Diane Krueger, unser vielseitiger Hollywood-Export, der als junge Mutter blendend strahlt - egal ob geschminkt (auf dem Festival) oder ungeschminkt (im Film). Ohne sie, die vor allem zum Ende hin in packenden Szenen in der iranischen Wüste und der Leipziger Innenstadt ihre Figur lebendig werden lässt, wäre der Film vollständig an seiner Konventionalität gescheitert. Leider hilft ihr das Drehbuch, das sich mit psychologischen Bauklötzen begenügt, wenig.

Dass Töten nicht glücklich macht, selbst wenn es um die gute Sache geht, dass die Wirklichkeit komplexer ist als die Geheimstrategen es sich (aus-)denken, dass der böse Mossad hier sein Fett weg kriegt – geschenkt. War leider alles schon mal besser zu sehen, Spielbergs München usw. usw. Kurzweilige, alltagstaugliche Unterhaltung ist es dennoch.

Bewertung:    



Die Agentin | (C) Kolja Brandt

Max-Peter Heyne - 13. Februar 2019
ID 11218
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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