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Feuilleton


Abschluss der 23. Cologne Conference 2013





Der freie Fall von Walter White (Bryan Cranston) ist beendet. Wenige Stunden nach Ausstrahlung der letzten Folge der Serie Breaking Bad in den USA wurde sie auch auf der Cologne Conference ausgestrahlt. Der Chemielehrer Walter White, der an Krebs erkrankt und anfängt die Droge Meth herzustellen, um seine Familie finanziell abzusichern, ist alles andere als ein Sympathieträger. Die Serie errang schnell Kultstatus, wurde mit zahlreichen Preisen, darunter einige Emmys, ausgezeichnet und entwickelte sich mit 62 Episoden zum Dauerbrenner. Fünf Jahre lang konnten die Fans die nicht enden wollende, quälende Abwärtsspirale des einstigen Pädagogen verfolgen, deren Abschluss nun kollektiv gefeiert werden konnte.

Eine Wiederauferstehung dagegen erlebte Dr. Hannibal Lecter in der US-Serie Hannibal, in der die Vorgeschichte des späteren Monsters aus den Kinofilmen Roter Drache und Das Schweigen der Lämmer erzählt wird. Der Psychiater Dr. Lecter wird als psychologischer Gutachter dem labilen Profiler Will Graham (Hugh Dancy) zur Seite gestellt, der das Profil eines Serienmörders von College-Studentinnen erstellen soll. Graham verfügt über eine außerordentliche Emphatie-Begabung und gerät durch den noch nicht als Psychopathen erkannten Lecter in zunehmende Verwirrung. Noch ahnt ja keiner, dass... Oder doch. Die Zuschauer sind natürlich mit der kannibalischen Natur Lecters vertraut und so kann ein gemeinsames Frühstück mit dem ahnungslosen Graham schon Gänsehaut verursachen. Mit diesem Vorwissen der Zuschauer spielt die Serie manchmal auch ganz subtil. Mads Mikkelsen als Hannibal Lecter zeigt sich als Meister des Minimalismus, mit der hervorragenden Gabe trotzdem immer wieder seine Spielfreude durchscheinen zu lassen. Auf der Cologne Conference wurde nur die erste Folge gezeigt, die ersten beiden der 13 Folgen werden am 10. Oktober 2013 um 22:15 Uhr auf SAT.1 ausgestrahlt. Der späte Sendetermin ist dem Thema und der Brutalität der Serie geschuldet.

Die Gewalt zieht sich wie ein roter Faden durch die meisten Filme des Festivals. In der britischen Serie Utopia sind Auftragskiller unterwegs, die mit immenser Kaltblütigkeit zuschlagen. Auf der Suche nach einem geheimnisvollen Comic, der angeblich Katastrophen voraussagt, hinterlassen sie eine Spur des Grauens. Hier wird Gewalt nicht motiviert oder gar psychologisiert. Sie ist da und die Gewalttäter sind völlig empathieunfähig. Im Gegenteil entwickelt einer der Folterer sogar Stolz, als er seinem Opfer seine Folterkunst erläutert und die Produktpalette seiner Instrumente vorstellt. Worin britische Filmemacher aber eine Meisterschaft besitzen, ist der schwarze Humor, die Situationskomik und das Timing.

Wenn man von der ersten Folge ausgeht, dann ist die britische Serie Broadchurch fast ein Gegenpol zu den Gewaltorgien vieler anderer Filme. Ein elfjähriger Junge wird tot aufgefunden. Außer ein paar Tropfen Blut ist nichts Gewalttätiges zu sehen. Trotzdem entsteht eine enorme Spannung, wie die Bewohner der Kleinstadt Broadchurch mit seinem Tod umgehen. Zuerst dämmert es der Mutter des Jungen, dass es sich bei der Leiche um ihren Sohn handeln könnte. Dann twittert die Presse schon seinen Namen im Internet. Innerhalb kürzester Zeit muss die Familie erfahren, dass der Junge auch noch einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Warum löscht sein bester Freund alle Handy-Anrufe und E-Mails von ihm? Wieso hat der Vater kein Alibi? Was hat es mit dem Zeitungshändler auf sich? Übrigens wussten die Schauspieler selbst bis zum Schluss nicht, wer der Täter ist. Das konnten sie selber sein oder der Kollege, mit dem sie gerade in einer Szene spielten. Das gibt dem Zusammenspiel eine unheimliche Dichte.

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Nach Aussagen der Festivaldirektorin Martina Richter verstärkt sich die Gewalt in den Produktionen immer mehr, wird aber zusehends ästhetisiert. Diese Aussage lässt sich z. B. für die herausragende Schnitttechnik und den Einsatz rückwärts gedrehter Rückblenden der Bluttaten bei Hannibal bestätigen. Das Festival habe sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit diesem Thema auseinandergesetzt, so Richter, könne aber den Markt nur wiederspiegeln und keinen Einfluss auf diese Entwicklung nehmen.

Mit dem Casting-Preis wurde Susanne Ritter ausgezeichnet für die Besetzung von Hannah Ahrendt, Die Erfindung der Liebe und Stiller Sommer. Den TV-Spielfilm-Preis erhielten Christian Kracht und Frauke Finsterwalder für den Kinofilm Finsterworld.

Beim abschließenden Werkstattgespräch erzählte Sibel Kekilli, die frischgebackene Preisträgerin des Hollywood-Reporter-Awards, von den Anfängen ihrer Karriere als Darstellerin in Gegen die Wand von Fatih Akin. Moderator Scott Roxborough vom Hollywood-Reporter-Magazin kennt Kekilli schon länger und so kam ein erfrischendes Gespräch zustande. Nachdem Kekilli sich zunächst als Filmschauspielerin etabliert hatte, dreht sie nun auch Serien. Sie ist seit 2010 im Kieler Tatort zu sehen und seit 2011 in der HBO-Fantasy-Serie Game of Thrones. Zwischen Film und Fernsehen eine Werteunterschied zu machen, davon hält sie nichts. Sibel Kekilli hat keine Schauspielschule besucht, aber einen Coach, wie sie verriet. Der achte aber darauf, dass sie nicht zu technisch werde. Sie könne sich sehr auf ihr Bauchgefühl verlassen.

Das sagte auch die französischen Leinwandikone Isabelle Huppert, die den International Actor’s Award erhielt. Allerdings nahm diese schon als vierzehnjährige Schauspielunterricht und kann auf solide Erfahrungen auf der Theaterbühne zurückblicken. Allerdings schätzt sie sich selbst als etwas faul bei der Vorbereitung auf eine Rolle ein, was ihr beim Spiel offensichtlich den Freiraum gibt, sich auf ihre Intuition zu verlassen.

Der 40-jährige Kalifornier Harmony Korine erhielt den Filmpreis Köln. Er hatte 1995 seinen Durchbruch mit dem Drehbuch zu Kids, das von Larry Clark verfilmt wurde. In dem Film geht es um Teenager, wie auch 1998 in seinem Regiedebüt Gummo und 2012 im Kinofilm Springbreakers. Korine ist wegen seiner eigenwilligen Machart umstritten. Er lässt sich nicht einordnen. Während des Werkstattgesprächs erzählte er, dass er schon früh gewusst hätte, dass da etwas in ihm schlummert, was er herauslassen will. Er wirkte keineswegs provokant, sondern voller Elan und Ausdrucksfreudigkeit und macht das, was sich für ihn richtig anfühlt. Er machte nicht den Eindruck, dass im Prinzip alles schon mal erzählt worden wäre, sondern dass da noch viel mehr in ihm schlummert, was er in der kommenden Zeit sicher zum Vorschein kommen lassen wird. Grenzen und Barrieren scheinen ihn nicht zu beeindrucken.


Helga Fitzner - 7. Oktober 2013
ID 7228

Weitere Infos siehe auch: http://www.cologne-conference.de/


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