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The Moment

Only Rebels Win




The Moment:

So genannte Mockumentarys, also wie Dokumentarfilme wirkende, tatsächlich aber gescriptete und planvoll inszenierte Filme, sind ja inzwischen keine Seltenheit mehr. Diese amerikanische Produktion von Autor und Regisseur Aidan Zamiri illustriert exemplarisch – nämlich am Beispiel der jungen Rapperin und Songwriterin Charli xcx – den Marketing-Hype, der im Musikbusiness um Rapper und Hip-Hoper aufgewendet wird, sobald diese den Durchbruch zum Star geschafft haben. Dazu gehört offenkundig neben dem wie immer üblichen Glück, zur rechten Zeit zu kommen (das Momentum im Titel), eine Portion Größenwahn und aufmerksamkeitsheischendes Drumherum. Qualität und Originalität des Musikalischen: schadet zumindest nicht. Aber da will ich einschränkend nicht ungerecht sein: Ich bin schon lange nicht mehr zur Zielgruppe dieser Musiksparte und wusste von Charli xcx bis zur Aufführung des Films nichts.

Die junge Britin mit Migrationshintergrund hat jedenfalls jede Menge Power und bedient das Badass-Bitch-Image mit den bewusst aus den männlichen Vulgär-Machismo ausgeliehenen Attributen sehr gekonnt. Dass sie außerdem in einem authentisch anmutenden Film auftritt, in dem sie über weite Strecken nicht gerade sympathisch rüberkommt, sondern abgehoben und arrogant wirkt, darf durchaus mutig genannt werden. Die satirisch überzeichneten Anteile des Films werden nämlich auch für erfahrene Doku-Zuschauer*innen erst dann spürbar, als Charli xcx das ganze obligatorische, immerhin noch halbwegs in ihrer Persönlichkeit verwurzelte Gemache und Getue abgenommen und der gut geölten PR-Maschinerie des Entertainmentkonzerns überantwortet wird.

Spätestens an dieser Stelle erkennt dann ein New Wave- Electropop-Postpunk-Grunge-Dino wie ich, dass The Moment kein reinrassiger Dokumentarfilm ist. Denn die Konzernmanagerin wird von Rosanna Arquette gespielt, und der skandinavische Musikdoku-Regisseur, den sie Charli xcx aufs Auge drückt, von Alexander Skarsgård. Er wird mit seiner treudoof lächelnden Assistentin nicht etwas zu Kollaborateuren, sondern nach und nach zu Gegenspielern des Stars, weil deren grelles Auftreten und ihre ebenso grelle Bühnenshow familientauglich verwässert werden sollen. Wie stark diese Story innerhalb des authentisch wirkenden Bilderstroms wirklich Satire ist und es Charli xcx vielleicht ein Bedürfnis war, dies einmal den Fans zu zeigen, bleibt offen. Der Film lässt sich jedenfalls auch komplett unsatirisch lesen. Was sicher nicht beabsichtigt war, ist der sich durch die hektische Inszenierung einstellende Effekt, dass der ganze Aufwand für erschreckend wenig Substantielles (oder Neues) betrieben wird.

Bewertung:    



The Moment | (C) A24


*

Only Rebels Win:

In dieser ungewöhnlichen Romeo-und-Julia-Variante finden eine reife, libanesische Witwe, dazu Mutter mehrerer erwachsener Kinder (Hiam Abbas), und ein sudanesischer Flüchtling und Tagelöhner (Amine Benrachid) zusammen. Für die beiden fühlt sich ihre zu Liebe anwachsende Zuneigung ganz natürlich an, die sie glücklich macht und ihnen außerdem neue Lebensperspektiven verschafft. Ihr Umfeld – keineswegs nur Kleingeister und Spießer – sieht in dieser Liebe vorwiegend die charakterliche Verwirrung einer alternden, einsamen Frau, die einen ihr statusmäßig unterlegenden, aber in körperlicher Hinsicht begehrenswerten Schwarzen als Sexobjekt aushält. Die Frau und ihre Freundinnen bewegen sich zwar auch in Kreisen der örtlichen Bohème, die sich in Cafés treffen, wo das Laisser-Faire praktiziert wird. Aber in der architektonisch und gesellschaftlich versehrten, ja, ruinierten Stadt Beirut, in der Jede*r in verschiedenster Weise vom Wohlwollen anderer abhängt, ist Laisser-Faire ein exaltierter Luxus, der schnell geneidet wird. Warum sollen es Verliebte besser haben als wir, nur weil sie damit Tabus brechen, aber nicht dabei helfen, dass genügend Wasser und Strom in die Haushalte gelangt? So ließe sich die Missgunst umschreiben.

Bittere Ironie der Produktion: Zwar leben viele Beiruter in prekären Verhältnissen, doch die internationale Koproduktion wollte Autorin und Regisseurin Danielle Arbid ursprünglich am Originalschauplatz drehen. Der Krieg der israelischen Armee in Gaza ließ dies als zu gefährlich erscheinen, und so wurden die Orte der Filmhandlung akribisch mit allen Details in einem Studio in Paris nachgebaut. Die teilweise als Fotowände erkennbaren Kulissen verleihen dem Kammerspiel einen eigentümlichen surrealen Hauch, der sich als sehr passend zu der Story der tabuisierten Beziehung erweist. Für mich war dies allerdings auch das Originellste am Film, der seinen sympathischen Figuren leider kein Happy-End gönnt. Das Rebellische wird gestutzt.

Bewertung:    



Only Rebels Win | (C) Easy Riders Films

Max-Peter Heyne - 14. Februar 2026
ID 15695
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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