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BERLINALE 2026

PANORAMA

Staatsschutz


Bewertung:    



Der deutsche Film Staatsschutz von Faraz Shariat (Regie) und Claudia Schaefer, Jee-Un Kim, Sun-Ju Choi (Buch) hat am vorletzten Tag der BERLINALE den Publikumspreis in der Reihe Panorama erhalten, was ich dem Team aufrichtig gönne. Damit hat der honorige, aber auch populistische Aktionismus der Filmstory um eine von rechtsradikalen Kreisen bedrohte, angehende Staatsanwältin also die beabsichtigte Wirkung erzielt. Ein unterhaltsamer, auch handwerklich durchdachter Film mit klarer Botschaft gegen Rechtsextremismus ist unterstützenswert, wenngleich ich die Botschaft nicht goutieren konnte, weil sie für mich nicht überzeugend verpackt ist.

Spätestens nach ca. 40 Minuten schrillten bei mir die inneren Glaubwürdigkeitssirenen derart laut, dass ich emotional ausgestiegen bin und nicht mehr in den Film hineingefunden habe. Zum Ende hin habe ich mich sogar mehrfach richtig geärgert, weil im Bemühen, die aufrechte Kämpferin für Gerechtigkeit als moderne Nachkomme Garibaldis zu stilisieren, ohne Hemmungen zu allen dramaturgisch verfügbaren Mitteln gegriffen wird. Am Ende schrammt der Film mit einer Szene, in der die Heldin mit aufheulendem Motor ihres Sportwagens bei ihren Widersachern Angst und Schrecken verbreitet, knapp an einer Dirty Harry-Parodie entlang, die zum vorigen realistischen Stil des Films nun gar nicht mehr passen mag.

Natürlich darf man aus berechtigter Wut darüber, dass so viele Beamte in den Behörden, bei der Polizei und der Justiz auf dem rechten Auge blind erscheinen, dramaturgisch auch schon einmal kraftmeierisch über das Ziel hinausschießen. Aber dann hätte der Film von Anfang an eher in Richtung eines emotionalen Kinos à la Sidney Lumet oder Spielberg als in Richtung Thomas Arslans oder Ken Loach gehen müssen, um nur zwei Realismus-Vertreter zu nennen. Anerkennend ist jedoch zu sagen, dass die Story für Laien aufschlussreiche Innenansichten aus einer deutschen Justizbehörde bietet.

Erzählt wird, wie die junge, noch in Ausbildung befindliche Staatsanwältin Seyo Kim (Chen Emilie Yan) Opfer eines ebenso rassistisch wie politisch motivierten Anschlags rechtsradikaler Kreise wird. Kim muss nun die Schwerfälligkeit ihrer Behörde am eigenen Leib erleben, denn sie darf als Betroffene nicht bei den Ermittlungen mitwirken, aber erkennt darüber hinaus auch, dass ihr Chef, der Oberstaatsanwalt (Arnd Klawitter), an umfassenden Recherchen zu den Hintergründen der Tat kein Interesse hat. Nur ihre Rechtsvertreterin (Julia Jentsch) stärkt ihr den Rücken, soweit dies in den engen juristischen Grenzen möglich ist. Also bittet sie Kolleginnen aus der Verwaltung, Journalisten und Betroffene früherer rechtsradikaler Anschläge um Hilfe, um diese Hintergründe – die tatsächlich das Ausmaß einer umfassenden Verschwörung haben – aufzudecken. Kim gräbt (illegal) tief in den Archiven ihrer Behörde, rollt lange abgeurteilte „Einzelfälle“ wieder auf und stellt in akribischen Recherchen ein Netzwerk aus rechter Gesinnung dar, das längst juristische Kreise erfasst hat. Hier verlässt die Handlung, so erschreckend realistisch sie auch grundiert ist, leider mehrfach den Boden des Glaubwürdigen. Denn Kims Helfer*innen setzen bewusst mehrfach ihre eigene Existenz aufs Spiel, indem sie ihr quasi unbeschränkt Zugang zu alten Akten verschaffen, die sie gleich kiloweise im privaten Auto durch die Gegend fährt. Das ist dann buchstäblich doch etwas zu viel des Guten und Gutgemeinten. Gleichwohl: Aufrüttelnde Unterhaltung mit Haltung – das nötig Respekt ab.



Staatsschutz | (C) Lotta Kilian, Jünglinge Film

Max-Peter Heyne - 21. Februar 2026 (2)
ID 15713
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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