BERLINALE SPECIAL
Sleep No More
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Bewertung:
Die Reihe Berlinale Special wurde einstmals für internationales Arthauskino mit Starbesetzung oder Massenappeal etabliert, das aus irgendwelchen Gründen nicht im Wettbewerb um die Bären platziert werden konnte. Inzwischen ist das Programm recht abenteuerlich zusammengesetzt und bot in diesem Jahr neben ungewöhnlichen Spielfilmen aus aller Welt auch viel Dokumentarisches sowie Serien. Mit der Koproduktion aus Indonesien, Singapur, Japan, Frankreich und Deutschland (der Berlinale-eigene Fördertopf fürs Weltkino) Sleep No More war sogar exaltierter Horror-Trash dabei, der das Publikum polarisierte. Der Film hätte ohne Weiteres auch in die Panorama- oder Forum-Reihe gepasst, aber das Profil der Berlinale-Nebenprogramme ist unscharf geworden.
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Der indonesische Regisseur und Drehbuchautor, der sich schlicht Edwin nennt, und seine Ko-Autor*innen Eka Kurniawan und Daishi Matsunaga orientieren sich erkennbar an Vorbildern des europäischen und US-amerikanischen B-Movies, fügen aber Aspekte südostasiatischen Aberglaubens an Dämonen und andere hartnäckige Geister hinzu, die von irdischen Seelen Besitz ergreifen. In diesem Werk trifft es gleich die ganze Belegschaft einer ziemlich heruntergerockten Fabrik, die plötzlich wie von Geisterhand zu Verrenkungen und Selbstverstümmelungen neigen. All dies ausgerechnet in den Produktionshallen einer Firma, in der Perücken und künstliche Gliedmaßen hergestellt werden – was im Handlungsverlauf Anlass für allerlei makabre Anspielungen bietet.
In der Firma arbeiten auch die Schwestern Putri (Rachel Amanda) und Ida (Lutesh) – Erstere mit dem klaren Ziel, Belege dafür zu finden, dass ihre Mutter wegen Überlastung Suizid begangen hat. Wie so vieles bleibt im Film unklar, warum Putri trotz wiederholter grausiger Vorfälle und offensichtlicher Hinweise darauf, dass Stress die Arbeiter*innen zu leichten Opfern der irrationalen Exzesse werden, dennoch immer wieder getreulich in der Firma antanzt. Ebenso bleibt rätselhaft, wieso dem Dritten im detektivischen Bunde, dem Bruder, Gliedmaßen nachwachsen, denen er sich entledigt hat. Aber wahrscheinlich sind derlei Fragen nach dramaturgischer Sorgfalt bei einem bewusst als schrilles Horror-Fantasy-Spektakel angelegten Film fehl am Platz. Da Edwin aber sozialkritische Aspekte von Ausbeutung und Arbeitsgehorsam aufgreift, darf man wohl auch einen roten Faden verlangen.
Jedenfalls bestätigt sich Putris langgehegter Verdacht, dass die Firmen-Matriarchin (Didik Nini Thowok) hinter allem steckt, die vermittels Mehrarbeit bis zur Erschöpfung Zugriff auf die mentalen Zustände ihrer Belegschaft bekommt. Mit seiner Abfolge an makabren, blutigen und bizarren Szenen ist der Film ohnehin nicht jedermanns Cup of Tea, zumal die schundigen Elemente nur begrenzten Unterhaltungscharakter haben. Mit seiner kruden Dramaturgie und den hemdsärmelig inszenierten, betont nicht speziellen Special Effects (das Monster sieht aus wie ein von unzähligen Zöpfen umrankten Mega-Wollknäuel) erinnert Sleep No More weniger an moderne Horrorklassiker wie The Thing oder David Cronenberg Body-Horror-Filme, sondern eher an die schwächeren, schnell heruntergekurbelten Gruselschmonzetten aus Roger Cormans amerikanischem Filmlabor oder der englischen Hammer Production.
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Sleep No More | (C) Palari Films 2026
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Max-Peter Heyne - 21. Februar 2026 (3) ID 15715
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de
Post an Max-Peter Heyne
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