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BERLINALE 2026

WETTBEWERB

Nina Roza


Bewertung:    



Die Filmhandlung startet vielversprechend mit einem faszinierenden Gegenwartsphänomen: wie wir unbekannten Menschen in fremden Ländern vermittels der digitalen Kanäle näherkommen, ohne wirklich zu wissen, was wir von dem Gezeigten glauben können. In Nina Roza, einem der raren Filme, die mit Beteiligung Bulgariens jemals in Berlinale-Wettbewerbsprogrammen zu sehen waren, werden ein Kunsthändler und sein Kurator im kanadischen Montreal durch YouTube-Clips auf ein vermeintliches Wunderkind aufmerksam, das in der bulgarischen Provinz abstrakte Bilder malt, als stammten sie von einem erwachsenen Genie.

Da der Kunstexperte Michael (Galin Stoev) bulgarischer Abstammung ist, schickt ihn sein Chef nach Europa, damit dieser sich mit eigenen Augen von der Authentizität der mit Kinderhand gemalten Bilder überzeugen kann. Zuvor muss Michael, der als Milhal Bulgarien vor über 20 Jahren überstürzt verlassen hat, seiner erwachsenen Tochter (Michelle Tzontchev) erklären, warum er mit seinen bulgarischen Wurzeln hadert. Dunkle Schatten der Vergangenheit lasten offenkundig auf Mihal, der die Reise gen alte Heimat dennoch antritt und in der Provinz sogleich in die freundlichen folkloristischen Aktivitäten der Dorfbewohner verwickelt wird. Uns siehe da: so fremd und unsympathisch ist Milhal das gar nicht, der offensichtlich gerne die Altlasten seines früheren Lebens mit selbstgebranntem regionalen Schnaps zu neutralisieren versucht.

„Offensichtlich“, „offenkundig“ – diese Vokabeln deuten bereits an, worin das Manko dieses überzeugend erzählten und gespielten Filmes besteht: Trotz seines Fokus auf den kanadisch-bulgarischen Culture Clash und die schwelenden psychologischen Konflikte der Hauptfigur wirkt das eine wie das andere kaum dramatisch und etwas zu schnell ausgeräumt. Die Dorfbewohner treten dem verlorenen Sohn zwar etwas distanziert, aber im Grunde gutherzig entgegen. Dass Milhal aus purem Eigennutz versucht, das medial bereits bekannte, malende Kind (gespielt von den Zwillingen Ekaterina & Sofia Stanina) kennenzulernen, wird vor allem vom Wunderkind selbst erkannt und mit rebellischer Geste beantwortet.

Anders als in der thematisch ähnlich gelagerten Komödie Local Hero von Bill Forsyth (1983) wird Milhal nicht als der willkommene, kommerziell potente Messias angesehen. Und anders als in dem schottischen Film sind viele der Entwicklungen in Nina Roza zu schnell vorauszusehen oder zu ahnen. Gleichwohl bietet die kanadische Regisseurin und Drehbuchautorin Geneviève Dulude-de Celles eine vielschichtige Geschichte mit etlichen Themen und Situationen, über die das Nachdenken lohnt.



Nina Roza | (C) Alexandre Nour Desjardins

Max-Peter Heyne - 17. Februar 2026
ID 15702
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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