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BERLINALE 2026

WETTBEWERB

Everybody Digs Bill Evans


Bewertung:    



Regisseur Grant Gee und Drehbuchautor Mark O’Halloran erzählen mit einem Fokus auf die frühen 60er Jahre aus dem Leben des begnadeten Jazzmusikers und -Komponisten Bill Evans, der in New York mit verschiedenen Ensembles, zeitweise aber auch mit Miles Davis, in Jazzclubs aufgetreten ist und erfolgreiche Live- und Studios-LPs veröffentlicht hat – unter anderem eines, dessen Name als Filmtitel übernommen wurde. Evans hatte durch seine sanfte, lyrische Art des Pianospielens dafür gesorgt, dass das Genre Jazz in weißen, bürgerlichen Kreisen zunehmend popularisiert wurde und konnte schon als junger Mann von den Plattenverkäufen seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Die Filmhandlung setzt ein, als Bill Evans (schmal und verschüchtert spielend: Anders Danielsen Lie) virtuoser Kontrabassisten in seinem erfolgreichen Jazztrio unmittelbar nach einer Reihe von Liveaufnahmen durch einen tragischen Unfalltot stirbt. Der Verlust des Seelenverwandten wirft den ohnehin labilen Evans aus der Bahn, dessen Existenz das Klischee vom sensiblen, künstlerischen Ausnahmetalent voll erfüllte: dazu zählen der zeitweise lebensbedrohliche Konsum harter Drogen, ein unstetes Leben mit nächtlichen Gigs und wenig Schlaf und eine verhängnisvolle Beziehung mit einer ebenfalls schwermütigen, drogensüchtigen Frau (Valene Kane). Zunächst versucht Harry (Barry Ward) seinem Bruder Bill zu helfen, indem er ihm quasi einen bürgerlichen Rahmen verpasst und ihn bei seiner Familie aufnimmt, die ebenfalls in New York wohnt. Doch Harrys zwiespältige Gefühle gegenüber seinem berühmten Bruder, die zwischen Neid und Mitleid schwanken, vergiften die Atmosphäre, und so schickt Harry Bill zu den Eltern, die inzwischen im heißen Florida leben.

Die meist in strengem, körnig-kontrastreichem Schwarz-Weiß gehaltene und von Halbnah-, Nah- und Großaufnahmen geprägte Kameraarbeit von Piers McGrail hellt sich mit dem Ortswechsel nur ein wenig auf. Die schweißtreibende, sonnendurchflutete Atmosphäre wird eher verbal behauptet, als dass der Zuschauer sie sehen kann. Mit dem Umzug gelingt Evans zwar eine temporäre psychische und physische Gesundung (durch kalten Entzug) und er fast neuen Lebenswillen. Aber so sehr der aktuelle Kummer in den Hintergrund rückt, ist Bill Evans im fernen Florida mit Problemen konfrontiert, die sich aus dem Alterungsprozess der Eltern ergeben, die auf verpasste Chancen und Fehler der Vergangenheit zurückblicken. Diese Szenen erlauben Bill Pullman und Laurie Metcalf als voneinander ernüchtertes Langzeit-Ehepaar eine Abfolge grandioser, schauspielerischer Kabinettstücke, die den Film über den Durchschnitt hieven.

Dabei werden auch familiäre Aspekte angesprochen, wie z.B. die frühe Prägung Bills und Harrys durch die musikalisch interessierte Mutter und deren geschwisterlicher Wettstreit in Sachen Pianospielen, der aber nur bei Bill in ein Musikstudium und schließlich zu der Inspiration durch den Jazz führt. Farbig gedrehte Vorblenden zeigen hingegen real, welche Tragödien sich in Bill Evans Leben noch ereignen werden – und wahrscheinlich auch immer wieder zu Rückfällen in Sachen Drogenkonsum führen werden bzw. im realen Leben führten.

Dennoch war Bill Evans in der Lage, ein ungemein produktives künstlerisches Leben zu führen, das viele Jazzmusiker nachhaltig inspiriert hat. Als Porträt eines musikalischen Genies wirkt der Film präzise und glaubwürdig erzählt und nicht unnötig klischeebehaftet. Die zurückhaltend-knappe Art, in der Evans mit allen Menschen kommuniziert und die das Drehbuch geradezu zelebriert, sorgt allerdings für Distanz, die eine intensive Identifikation mit der leidenden Hauptfigur unterbindet.



Everybody Digs Bill Evans | (C) Shane O’Connor, 2026 Cowtown Pictures, Hot Property

Max-Peter Heyne - 16. Februar 2026
ID 15698
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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