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70. BERLINALE

Encounters 2020

ORPHEA



Ebenfalls ein unentwegter Filmer und Autor wie Christoph Schlingensief ist Alexander Kluge, wenn auch auf intellektuell weitaus höherer Ebene. Als Regisseur von verschiedensten zumeist experimentellen Formaten arbeitet der mittlerweile 88jähige Kluge seit den frühen 1960er Jahren. 1962 war er einer der Initiatoren des Oberhausener Manifestes, einer politischen und ästhetischen Unabhängigkeitserklärung junger deutscher Filmemacher. Größere Bekanntheit erlangte er in den 1980-90er Jahren mit seinem selbstproduzierten DCTP-Kulturmagazin auf dem Privatsender RTL. Mit Orphea legt er nun bereits den zweiten Kinofilm in Zusammenarbeit mit dem philippinischem Filmemacher Khavn De La Cruz vor. Auf der BERLINALE wurde Orphea in dem vom neuen Festivalleiter Carlo Chatrian geschaffenen kleineren Nebenwettbewerb Encounters gezeigt.

Kluge und Khavn beschäftigen sich hier mit dem antiken Orpheus-Mythos des Ovid, haben aber mit der Ex-Volksbühnenschauspielerin Lilith Stangenberg einen weiblichen Hauptdarsteller engagiert. Daher auch der Filmtitel Orphea. Die Musikerin, ausgerüstet mit Leier und Gesangsstimme, ist hier analog ihrem antiken männlichen Pendant auf der Suche nach ihrem von einer Schlange gebissenen Geliebten Euridiko (Ian Madrigal) in der Unterwelt. Schauplätze der recht frei gestalteten Handlung sind Straßen, Kneipen und Bordelle in den Elendsvierteln von Manila, das hier zur Vorhölle und zum Hades wird. Zwischen diese Außenaufnahmen schneidet Kluge seine für ihn typischen Zwischentitel, die die Richtung für seine Denkansätze geben oder ein Gedicht von Khavn in philippinischer Sprache zeigen. In Greenscreentechnik wird Lilith Stangenberg in Bibliotheken, animierte Bilder und ins Meer geschnitten. Zur Klavierbegleitung von Volksbühnenmusiker Sir Henry singt sie deutsches Liedgut, brasilianische Walzermelodien, Purcells Remember Me und russische Revolutionslieder.

Der Film zeigt abendländische Kulturgeschichte zu Tod, Auferstehung und dem Wunsch nach Unsterblichkeit, von Memento-Mori-Bilder bis zu den revolutionären russischen Biokosmisten und kontrastiert das mit philippinischen Toten-Riten und wilden Straßenfesten. Nach dem Motto „Die verlorenen Utopien in der Unterwelt suchen“ reicht der assoziative Bilderbogen vom antiken Griechenland über die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und dem revolutionären Russland bis in die heutige Zeit mit dem an der Unsterblichkeit arbeitenden Silicon Valley und der Flüchtlingswelle über das Mittelmeer. Eine Rückholung der Toten, wie sie auch von Heiner Müller propagiert wurde. Stangenberg bewegt sich wie ein touristischer Fremdkörper durch das fremde Land, legt wie Frankenstein Strom an tote Schweineköpfe und verschwindet schließlich im Boot wie der antike Orpheus auf dem Fluss Lethe. Sicher kein ganz einfacher Stoff, der aber in seinen assoziativen Bildern, Farben und Sounds gepaart mit dem ironischen Witz der stark performenden Hauptdarstellerin, die hier auch eigene Urlaubserlebnisse mit eingebracht hat, über 100 Minuten trägt.



Bewertung:    



Orphea | (C) Berlinale

Stefan Bock - 1. März 2020
ID 12044
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de/


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