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ACHTUNG BERLIN | 19. - 26. April 2017

Spielfilmwettbewerb

MANDY -
DAS SOZIALDRAMA


Bewertung:    



Der Spielfilmwettbewerb auf dem ACHTUNG BERLIN new berlin film award ist in diesem Jahr wieder reich an Low- bzw. No-Budget-Filmen, in die idealistische FilmemacherInnen ihr ganzes Geld und Herzblut hineingesteckt haben. Etwa 5.000 Euro investierten Regisseur Aron Craemer und die ehemalige Volksbühnenschauspielerin Mandy Rudski (u.a. in Kean, Nord und Die (s)panische Fliege zu sehen) für ihren Film Mandy - Das Sozialdrama. Große Honorare für die Mitwirkenden kann es demzufolge nicht gegeben haben. Ebenso unklar ist auch noch der Verwertungsweg. Erstmal wollen die MacherInnen mit dem Film auf Festivaltour gehen. Dann wird man weitersehen.

Lose angelehnt an ein echtes ZDF-Sozialdrama von 2012 mit dem Titel Mandy will ans Meer versucht Regisseur Craemer eine Persiflage auf den Stil, wie links-intellektuelle Filmemacher die Realität abbilden und sie mit ihren Filmen verändern wollen. Woran er selbst nicht so recht glauben mag. Und so ist Mandy - Das Sozialdrama auch eher eine Sozialfarce, die sich neben dem Unterschichten-Milieu gleich noch selbstironisch das prekäre Milieu der unterfinanzierten, unabhängigen Filmebranche vornimmt. Dafür haben Aron Craemer, Mandy Rudski und der Kameramann Olivier Kolb eine schräge Film-im-Film-Story entwickelt.

Die Schauspielerin Mandy (Mandy Rudski) will endlich das ganz große Geld mit einem Langspielfilm verdienen. Was heutzutage zieht, ist ihrer Meinung nach ein möglichst authentisches Sozialdrama. Für diesen Film schart sie eine Crew um sich, die sich vom Schauspielensemble bis zur leidensgewohnten Regieassistentin ohne Bezahlung ausbeuten lässt. Schon das Casting ist eine wenig subtile Elendsschau der unterprivilegierten und willigen Opfer, die sich nicht ganz im Klaren sind, worauf sie sich da eingelassen haben. Nebenbei auch eine schöne Studie über die Repräsentation und Besetzungs-Praxis mit möglichst milieuechten DarstellerInnen. Der Deutsch-Russe wird als Russe besetzt und der Araber als Türke. Selbst Namensänderungen schützen da nicht vor der Ethnoschublade.

Aron Creamer hat für diesen Film ein illustres Ensemble aus Berliner Film-, Theater- und GelegenheitsschauspielerInnen um sich geschart. Dazu gehören u.a. Eva Bay als Mandys Burka tragende türkische Freundin, Nadine Dubois als willige Assistentin, Melanie Schmidli als Mandys behinderte Schwester, Anne Haug als pistolenziehende Kommissarin, Roman Kanonik als russischer Mafiaboss und Rike Schmid als verarmte Filmdiva Madame S., die ständig das Catering einsackt.

In den improvisierten und mit Handykamera gedrehten Making-off-Szenen bleibt kein unangenehmes Thema unangeschnitten und vor allem kein Auge trocken. Gemeinsam erleben alle die Höhen und Tiefen einer unterfinanzierten Filmproduktion, die in ihrem Plot von vernachlässigten Kindern, über Rappen und Frauenboxen (mit Katharina Wackernagel in einem Cameoaufritt als wüste Faustkämpferin) bis zu russischen Hütchenspielern saftig in den üblichen Ghetto-Klischees schwelgt.

Als kritisches Fazit bleibt nur zu erwähnen, dass man Klischeefallen eben nicht dadurch umschifft, dass man die ausgestellten Stereotypen konsequent veralbert. Trotzdem bleibt dieser Versuch in seiner frischen und unverschämten Art des gerade noch Darstellbaren durchaus sehenswert.




Mandy - Das Sozialdrama | (C) Birgit Naomi Glatzel

Stefan Bock - 25. April 2017 (2)
ID 9988
Mandy - Das Sozialdrama (D 2017)
Regie: Aron Craemer
Buch: Aron Craemer und Mandy Rudski
Kamera: Olivier Kolb
Schnitt: Pauline Völker und Olivier Kolb
Ton: Nic Nagel und Emad Soliman
Szenenbild: Eike Böttcher und Jelka Plate
Kostüm: Silke Bartzik und Anke Hammer
Musik: Beat Soler, Raschid Daniel Sidgi, Daniel Baumann und Aron Craemer
ProduzentInnen: Aron Craemer, Mandy Rudski und Olivier Kolb
Mit: Mandy Rudski, Nadine Dubois, Eva Bay, Volkram Zschiesche, Melanie Schmidli, Rike Schmid, Karim Cherif, Andreas Frakowiak, Anne Haug und Roman Kanonik


Weitere Infos siehe auch: https://achtungberlin.de/wettbewerb/spielfilme/mandy-das-sozialdrama/


Post an Stefan Bock

blog.theater-nachtgedanken.de



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