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ALFILM Festival | 22. - 28. April 2026

Krieg im

Schatten

Das Arabische Filmfest in Berlin bot einen Schwerpunkt zum Bürgerkriegsland Sudan




Auf dem kürzlich zu Ende gegangenen Arabischen Filmfest in Berlin waren neben aktuellen Produktionen, die einen deutschen Kinostart haben wie Cotton Queen, Palästina 36 und Do You Love Me? wieder erfreulich viele Filme aus dem großen arabischen Kulturraum zu entdecken, die hierzulande sonst kaum oder nie zu sehen sind. Lobenswerterweise haben die Organisatoren dem geschundenen Staat Sudan eine Reihe mit älteren und neueren, kurzen und abendfüllenden Produktionen gewidmet, die vom sudanesischen Produzenten und Gründer der „Sudan Film Factory“, einer in Khartum gegründeten Einrichtung für Kultur, Filmausbildung und Filmproduktion, Talal Afifi, kuratiert wurde. Afifi erklärte, dass der Themenschwerpunkt (Spotlight) vom Arab Film Project in Berlin durchgeführt wurde, der es gelang, wie kaum je zuvor eine beträchtliche Auswahl von Filmen zusammenzustellen, die im Beisein einer großen Anzahl von sudanesischen Regisseuren, Filmemachern und Schauspielern gezeigt wurden.

Das Ziel sei, so Afifi, sicherzustellen, dass der Sudan auf internationalen kulturellen Plattformen präsent bleibt, aber noch wichtiger sei, zur Erhaltung des sudanesischen Archivs durch Dokumentation beizutragen. Denn das Erbe des sudanesischen Filmerbes ist wie so viele kulturelle Güter durch den Bürgerkrieg massiv bedroht.

Im Schatten der europäischen und amerikanisch-israelisch-nahöstlichen Kriege ist im zentralafrikanischen Sudan bereits seit 2023 ein extrem blutiger Bürgerkrieg wieder aufgebrochen. Er hat die zarten Ansätze einer Befriedung des zerrütteten Landes, der 2020 zu einem Friedensabkommen zwischen dem militärisch regierten Norden und den östlich und südlich agierenden Rebellengruppen führte, zunichte gemacht. Immerhin sind nach Angaben von UN und internationalen Ärzteorganisationen mittlerweile rund 100.000 Tote zu beklagen, darunter viele Kinder, und geschätzt fast 2 Millionen Flüchtlinge, die akut vom Hungertod bedroht sind. Zwar mühen sich UN und internationale Hilfsorganisationen, die Folgen von gezielten Massakern unter Zivilisten sowie Bombardierungen von Dörfern und Städten so gut es eben geht, aufzufangen. Aber die mediale Aufmerksamkeit in Deutschland ist erst in den vergangenen Monaten wieder deutlich gestiegen. Unermüdlich über die Verbrechen schreibende Journalisten wie der ZEIT-Autor Wolfgang Bauer, der seit vielen Jahren immer wieder den Sudan besucht hat und für seine Artikel kürzlich mit dem renommierten Fetisov Journalism Award geehrt wurde, haben dazu beigetragen, dass die ungeheuren Verbrechen nicht völlig im Dunklen verschwunden waren. Berichte finden sich zwar gelegentlich in deutschen Zeitungen und in den öffentlich-rechtlichen Sendern, aber die mediale Aufmerksamkeit angesichts des Ausmaßes der Katastrophe ist eher schwach.

Ich habe meinen sudanesischen Kollegen Onor Hamad Ali Mohamed, der mit seiner Frau den Sudan verlassen musste, gebeten, das Spotlight des Arabischen Filmfests zu sichten und zu bewerten – hier seine Einschätzung:

*

Die Filme waren kraftvoll und spiegelten eine wichtige Verschiebung hin zur Digitalisierung im sudanesischen Kino wider, was einen entscheidenden Versuch der Archivierung darstellt – zu einer Zeit, in der das kulturelle, historische und künstlerische Erbe Sudans während des jüngsten Krieges bewusst angegriffen und zerstört wurde.

Während der Vorführungen und Diskussionen mit den eingeladenen Filmemachern wie Ibrahim Snoopy, Talal Afifi und Susi Mirgani spürte ich ein gemeinsames Engagement, die menschlichen, kulturellen und politischen Realitäten Sudans hervorzuheben. Dies ist besonders jetzt von entscheidender Bedeutung, da das Land mit Fragmentierung und dem Risiko des Zusammenbruchs konfrontiert ist.

Queen of Cotton zeichnete sich durch seinen kreativen Ansatz und die bedeutungsvolle Mischung von schauspielerischen Generationen aus, von der legendären Rabha Mohamed Mahmoud bis zu aufstrebenden Talenten wie Mihad Murtada. Der Film zeigt, dass das sudanesische Kino noch lebt und dass die neue Generation in der Lage ist, es weiterzuführen. Er behandelt zudem soziale und wirtschaftliche Probleme, die Gemeinschaften im gesamten Sudan betreffen.

Timeea Mohamed Ahmed verdichtete in Is It War? seine Exilerfahrung, das Trauma und die psychische Desorientierung zu einem vielschichtig gestalteten Experimentalfilm.



Is It War | (C) Timeea Mohamed Ahmed


Andere Filme stellten die psychologischen Auswirkungen auf die Jugend nach der Revolution von 2019 und dem Putsch von 2021 dar, das humanitäre Leid in den Nuba-Bergen sowie die harten Realitäten, denen Frauen in Darfur ausgesetzt sind. Der letzte Tag zeigte Dokumentarfilme, die Sudans kulturelles Gedächtnis bewahren, einige aus dem Jahr 1979, erstellt von sudanesischen Schauspielern und Kameraleuten.

Deutsche Institutionen haben eine bedeutende und langjährige Rolle bei den Bemühungen gespielt, das Archivgut des Sudan zu bewahren. Die Familie von Hussein Sharif half zusammen mit seinen Freunden, das, was als gemeinschaftsbasierte Initiative begann, in ein institutionelles Projekt zu verwandeln. Durch die Verbindung von Basisinitiativen mit institutioneller Unterstützung konnten sie ein nachhaltiges Programm entwickeln, das der Dokumentation und Bewahrung des Archivs des verstorbenen Künstlers Hussein Sharif gewidmet ist. Wir sind den deutschen Institutionen dankbar, die diese Arbeiten unterstützt haben. Ihr Beitrag hilft, die Identität Sudans zu bewahren und unterstützt unsere gemeinsame Hoffnung auf Frieden, Stabilität und eine Rückkehr zu einer besseren Zukunft für unser Land.
Onor Hamad Ali Mohamed mit Max-Peter Heyne - 7. Mai 2026
ID 15840
Weitere Infos siehe auch: https://alfilm.berlin/


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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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