Behörden-
dschungel
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© ARD Degeto Film/HR/NDR/rbb/NEUESUPER GmbH/Hubert Mican/BDA Creative
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Bewertung:
Ich hatte Riesenglück, dass ich mich am frühen Abend des 19. Dezembers 2016 nicht selbst unter den Todesopfern oder Schwerverletzten nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche befand - kurz vorher (ich hatte zufälliger Weise in der Nähe zu tun) machte ich dorthin einen kurzen Abstecher, um mir an einer der Buden etwas zu essen zu holen; und noch während ich auf dem Rückweg Richtung Bahnhof Zoo war, hörte ich diesen dumpfen Aufprall und bemerkte diese fast endlos anhaltende totale Stille in der gegenüberliegenden Richtung (ich befand mich gerade in der Hardenbergstraße rechterseits auf der baldigen Höhe vom Kino Zoopalast), und erst deutlich später setzten die entfernten Sirenen von Rettungs-, Feuerwehr- oder Polizeiwagen ein; auch vernahm ich diesen einen Schuss von irgendwoher, worauf ich und die Leute um mich her urplötzlich in Panik gerieten und wie um ihr Leben rannten - - auf den Handys ploppten nach und nach die Eilmeldungen auf...
13 Menschen starben bei dem Anschlag, 67 weitere wurden teils schwer verletzt.
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Zehn Jahre ist das her - und die ARD nahm das zum Anlass eine sechsteilige Miniserie in Auftrag zu geben, deren TV-Ausstrahlung Freitagabend im Ersten mit den letzten drei Folgen zu sehen ist:
Breitscheidplatz 19/12 heißt der Film und wurde von David Marian und David Nawrath als Drehbuch verfasst, Nawrath übernahm dann auch noch die Regie.
Es geht in erster Linie um die (fiktiv behandelten) Zusammenhänge und Querverbindungen, die das behördliche Nichtaufdecken oder sogar Nichtverhindern der terroristischen Tat eines bis dahin allenthalben als Einzeltäter vermuteten Islamisten beförderten - und in diesem seit Jahren und Jahrzehnten viel diskutierten "Behördendschungel" ist die Handlung größtenteils angesiedelt; aber auch all das, was sich in der sog. Parallelgesellschaft (dem fiktiv ausgeleuchteten islamistischen Untergrund mehrerer deutscher Städte) anschlagsvorbereitend und -begleitend zutrug oder zugetragen haben könnte, wird überaus glaubhaft filmisch nachvollzogen.
Die Filmmacher werden sich bei ihren akribischen Recherchen wahrschein auch auf unterschiedlich belegte Hinweise zur "Obersvierung im Vorfeld der Tat" gestützt haben - allein der Blick auf einen entsprechenden Wikipedia-Eintrag lässt uns/mich Außenstehende/n verstört zurück:
"Nach der Tat wurde bekannt, dass der marokkanische Geheimdienst Mudīriyyat Murāqabat at-Turāb al-Waṭanī (Direction générale de la surveillance du territoire, DGST) den deutschen Geheimdienst (Bundesnachrichtendienst, BND) und das Bundeskriminalamt (BKA) am 19. September und am 11. Oktober 2016 vor dem späteren Attentäter Anis Amri gewarnt hatte. In der Mitteilung hieß es, dass Amri Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe und bereit sei, einen Terroranschlag durchzuführen. Der Präsident des Bundeskriminalamts Holger Münch hielt dem im Januar 2017 entgegen, die Nachrichten des marokkanischen Geheimdienst seien keine Warnungen, sondern nur 'Erkenntnisanfragen' gewesen. Ein Verbindungsbeamter des BKA in Rabat sagte 2019 aus, unter rund 30 Mitteilungen über vermutete radikalislamische Aktivitäten, die die DGST 2016 übermittelt habe, seien die zum Fall Amri in keiner Weise 'außergewöhnlich' gewesen.
Der Innenminister Nordrhein-Westfalens, Ralf Jäger, erklärte, dass bei der zeitweisen Observierung Amris der Eindruck entstanden sei, dass sich dieser vom Dschihadismus und Salafismus eher wegbewege, um sich mit drogenmilieu-typischer allgemeiner Kriminalität zu beschäftigen. Deswegen habe man keine Möglichkeit gesehen, ihn in Haft zu nehmen.
Die Auswertung der Kommunikationsdaten von Mobiltelefonen des Täters ergab, dass er vor der Tat Verbindung mit einem Kontaktmann des IS hatte. Er wollte offenbar zum IS ausreisen, wurde von dem IS-Mann aber gedrängt, stattdessen den Anschlag auszuführen. Am 10. November 2016 erhielt er ein IS-Dokument mit dem Titel Die frohe Botschaft zur Rechtleitung für diejenigen, die Märtyrer-Operationen durchführen. Des Weiteren wurde über die Ortungsfunktion eines der Mobiltelefone ermittelt, dass Amri vor der Tat siebenmal auf dem Weihnachtsmarkt war."
(Quelle: Wikipedia)
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Breitscheidplatz 19/12: Der Attentäter: Anis Amri (Wael Alkhatib) telefoniert mit seiner Mutter. | © ARD Degeto Film/HR/NDR/rbb/NEUESUPER GmbH/Petro Domenigg
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Albrecht Schuch (als Staatsschutzbeamter Frank Laudin) und Bayan Layla (als seine vor paar Jahren aus dem Irak geflohene Kollegin Isra Al-Husseini) sind das figürliche Handlungszentrum der Serie. Beide ermitteln - jede/r für sich, aber vorzugsweise gemeinsam - im Fall des bevorstehenden Terroranschlags und stoßen kontinuierlich auf Granit; entweder werden ihnen die für ihre Weiterermittlung dringend nötigen Detaildaten vorenthalten, oder die über ihnen stehenden Behörden blocken aus unterschiedlich nachvollziehbaren oder halt nicht nachvollziehbaren Gründen und machen ihre Arbeit sodurch fast unmöglich.
Der dritte wichtige Handlungsträger im Bunde ist der türkischstämmige "Kleinkriminelle" Murat Cem (glaubhaft verkörpert von Tamer Trasoglu!) - der hat Kontakte ins arabische Milieu und kann sich (für Geld, was ihm der Staatsschutz hierfür zahlt) bis in den islamistischen Untergrund, wo zumeist in kleineren (Privat-)Moscheen selbsternannte Prediger (sogar ein Emir) ihr indoktrinäres Unwesen treiben, vorarbeiten; am Ende fliegt er freilich auf und kann sich nur mit Müh' und Not aus der Schusslinie retten; später findet man ihn vereinsamt und seelisch gebrochen an einem unbekannten Ort des sog. Zeugenschutzprogramms.
Zwischenmenschlich ging mir diese Filmgeschichte oft unter die Haut.
Und unbedingt erkenntnisgewinnend, das auch!
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Andre Sokolowski - 4. November 2026 ID 16130
BREITSCHEIDPLATZ 19/12
Regie: David Nawrath
Drehbuch: David Marian und David Nawrath
Kamera: Tim Kuhn
Musik: Dascha Dauenhauer
Besetzung:
Frank Laudin ... Albrecht Schuch
Isra Al-Husseini ... Bayan Layla
Murat Cem ... Tamer Trasoglu
Anis Amri ... Wael Alkhatib
Katja Seibert ... Jeanne Goursaud
Jako Friedrich ... Bernd Hölscher
André Zaworski ... Dirk Warme
Matthias Lehnert ... Jakob Geßner
Baran Soylu ... Doguhan Kabadayi
Abu Salman ... Damir Avdic
Abu Wala'a ... Ibtasamm Shah
Yussuf Kutulay ... Karam Jumaa
Klaus Dieter Wolfram ... Thomas Dehler
Karsten Heye ... Hanno Koffer
Erstausstrahlungen im Ersten am 1. und 6. November 2026
https://www.ard.de/die-ard/ard-programmdirektion/programmpresse/pressemeldungen/20260908-breitscheidplatz-pm-100.html
https://www.andre-sokolowski.de
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