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Kulturspaziergang

Neue Hotspots

von Paris

Teil 2


Les Halles in Paris | Foto (C) Helga Fitzner



Les Halles

Paris rüstet mächtig auf, um die Stadt für Touristen noch attraktiver zu machen. Im zweiten Teil über die neuen Hotspots berichten wir über den ehemaligen Großmarkt Les Halles. Der einstige „Bauch von Paris“ will das neue Herzstück werden.

*

Die erste überdachte Markthalle entstand bereits im Jahr 1183, als Tuchmacher dort ihre Waren feil hielten. Die Märkte florierten, expandierten und wurden spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Attraktion, nachdem der Architekt Victor Baltard die weltberühmten Markthallen aus Glas und Eisen entworfen hatte. Der französische Romancier Emile Zola (1840-1902) nannte Les Halles den „Bauch von Paris“, denn mittlerweile gab es dort Lebensmittel aller Art, allerdings waren die Arbeits- und hygienischen Bedingungen zu Zolas Zeit durchaus problematisch. Im Lauf des 20. Jahrhunderts waren die Hallen den Erfordernissen der Moderne nicht mehr gewachsen.

1969 zogen die Großmärkte in das 13 Kilometer entfernte Rungis um. In einer halbherzigen Lösung wurden anstelle der abgerissenen Hallen S-Bahnstationen gebaut und Kultur- und Freizeitveranstaltungen angeboten, die nicht richtig funktionierten. Der große Wurf musste her, ein städtebauliches Gesamtkonzept, das für die acht Ebenen (fünf davon sind unterirdisch), die Anwohner, Touristen und die 750.000 Passagiere des öffentlichen Nahverkehrs funktionieren würde. Drei S-Bahn- und fünf Metrolinien kreuzen sich heute hier in einem unübersichtlichen Labyrinth aus Tunneln und Umwegen. Es mussten nicht nur neue Zugänge geschaffen, sondern auch erweiterte Lösungen für den Brandschutz, die Evakuierung, allgemeine Sicherheit und weitgehend behindertengerechte Zugänge entwickelt werden. Neben einer ungeheuren Vielfalt von Geschäften sollten auch Freizeitangebote, Kulinarisches, Kultur, Bildung, Grünanlagen und Spielplätze nicht zu kurz kommen. Obendrein war man auf der Suche nach einer ansprechenden Raumästhetik mit möglichst viel natürlichem Lichteinfluss.



Die Überdachung von Les Halles ist so groß wie zwei Fußballfelder | Foto (C) Helga Fitzner


Das riesige lamellenartige Glasdach ist einem Blätterdach nachempfunden, es ist luftdurchlässig, hält aber den Regen ab. Wer sich seinen Weg aus den Tiefen der Tunnel bahnt, soll sich ins Licht geführt fühlen. Die beige Farbe des Dachs hat sich als geeignet dafür entpuppt, auch bei grauem Himmel diesen Effekt zu erzielen.

Das unterirdische Einkaufszentrum ist dreistöckig, rege besucht und teilweise noch in der Ausbauphase. Die Mischung der Geschäfte ist international. Neben den üblichen Filialen, wie sie auch in jeder größeren deutschen Stadt zu finden sind, gibt es zwischendrin auch ein paar besondere zu entdecken. Kleinere Boutiquen französischer Modedesigner sind vorgesehen, aber insgesamt setzt man auf internationalen Kommerz allein schon, weil die bisherigen Baukosten die 800 Millionen-Euro-Grenze bereits überschritten haben. Dabei sind die neuen Ein- und Ausgänge noch nicht eröffnet, und die Außenanlage, die einen Park und Spielplatz bieten soll, ist noch im Entstehen.



Auf dem Bauzaun sind die künftige Parkanlage und die Spielplätze schon aufgemalt | Foto (C) Helga Fitzner


Mit eingeplant sind ein Kulturzentrum für Gehörlose, eine Bücherei, Aufführungsräumlichkeiten, Workshops für Theater, Gesang, Musik und Tanz. Das ergänzt die Angebote des Louvre und des Kunst-und Kulturzentrums Centre Pompidou, die beide nur 10 Minuten Fußmarsch von Les Halles entfernt liegen.

Les Halles beherbergt auch La Place, eines der weltweit wichtigsten Hip-Hop-Zentren. Schon jetzt gibt es DJ-Abende und andere Aktivitäten. Auf 1400 Quadratmeter ist eine professionelle Plattform für Hip-Hop-Künstler in der Entstehung, die Amateure ansprechen will, die sich hier professionalisieren können. In acht Studios ist die Rezeption und Produktion von Musik, Tanz und Graffiti gewährleistet, es kann Musik gemischt, getanzt und gesprüht werden. Dahinter steckt auch das Konzept, Jugendliche aus wohlhabenderen Familien mit den aus den ärmeren Pariser Vororten zusammenzubringen.

Kulinarisch ist Paris auch hier ganz weit vorn. Im April 2016 eröffnete - behütet unter dem Glasdach der berühmte Sternekoch Alain Ducasse - das Restaurant Champeaux (restaurant-champeaux.com). Optisch und funktional bezieht es sich auf den Ort. Das Menü erscheint auf einer Anzeigetafel, wie wir sie von Bahnhöfen her kennen und wo es die neuesten Hinweise über die Angebote gibt. Es sind auch Steckdosen für das Aufladen von Smartphones etc. vorhanden. Allerdings gibt es bei der Speiseauswahl keine Kompromisse oder Angleichung an den geschäftigen Ort. Alles ist sorgsam mit den besten Zutaten zubereitet.



Im Restaurant Champeaux wird Wert auf Qualität gelegt | Foto (C) Helga Fitzner


Insgesamt ist den Bemühungen Erfolg zu wünschen, da die bisherigen baulichen Voraussetzungen allein den Bedürfnissen als zentraler Verkehrsknotenpunkt bei weitem nicht gerecht wurden. Auch als kleine Grünoase wird sich das „neue Herz von Paris“ sicher gut etablieren und auch von Touristen geschätzt werden.

Im Internet kann man die Fortschritte auf parisleshalles.fr verfolgen.


Helga Fitzner - 30. April 2016
ID 9284

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Neue Hotspots von Paris (Teil 1)


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