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Medienkultur

Verdeutlichte

Wirkungslosigkeit

SPIEGEL ONLINE meldete...


„Eine Schule aus dem hessischen Grünberg hat drei Schüler angezeigt. Auf der Rückfahrt von einem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald sollen sie im Reisebus antisemitische Lieder abgespielt und den Text mitgesungen haben.

Es werde wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen die 14-Jährigen ermittelt, sagte ein Polizeisprecher in Gießen am Montag. Der Kreis Gießen stellte sich in einer Mitteilung auf die Seite der Schulleitung. Da es um den Verdacht der Volksverhetzung gehe, sei die richtige Konsequenz gewählt worden.

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte: 'Hetzerische Lieder und Beleidigungen sind kein Kavaliersdelikt. Den Jugendlichen muss deutlich vor Augen geführt werden, dass wir so etwas in unserem Land nicht dulden.'

Den Angaben des Landkreises zufolge wurde die Theo-Koch-Schule mehrfach für ihre Arbeit in der Extremismusprävention ausgezeichnet. In den neunten Klassen werde seit Jahren ein viermonatiges Projekt zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus durchgeführt.

Der Vorfall verdeutliche die Wichtigkeit von Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt, heißt es in der Mitteilung des Landkreises.“


*

Eine merkwürdige Logik. Da wird „seit Jahren ein viermonatiges Projekt zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus durchgeführt“, die Absolventen dieses Projekts singen nach dem Besuch eines KZs antisemitische Lieder, und das soll „die Wichtigkeit von Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt“ verdeutlichen. Die Wahrheit ist: Der Vorfall verdeutlicht die Wirkungslosigkeit von Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt sowie von obligatorischen KZ-Besuchen.

Wann wird man endlich aufhören, nach Jahrzehnten des Schweigens in eine Hektik der Beliebigkeit zu verfallen, statt ernsthaft über die Wirkung von Erziehungsmaßnahmen nachzudenken. Das hieße: mit dem Widerspruchsgeist von Jugendlichen zu rechnen, zumal wenn sie täglich die Erfahrung machen müssen, dass sie den Medien nur bedingt vertrauen können. Eben erst hat die Öffentlichkeit ihre Hilflosigkeit unter Beweis gestellt, als sie sich über den Talkmaster Frank Plasberg empörte, weil er eine wohl antisemitische Wortmeldung zu seiner Sendung unbeantwortet ließ. Da erklärt man, mit Recht, dass der Antisemitismus in Deutschland nie ausgestorben sei, und reagiert mit Verbotsforderungen, wenn genau diese These bestätigt wird. Denkt irgendjemand über die Wirkung nach? Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die Dame, die ihrerseits die Wirkung von aufklärerischen Sendungen in Frage stellte, oder die gewiss zahlreichen Zuschauer, die ihr zustimmen, ihre Meinung geändert hätten, wenn Plasberg ihr widersprochen hätte?

Wer zum Antisemitismus prädisponiert ist, wer sich selbst als Opfer fühlt und Aggressionen gegen jene entwickelt, die einen vermeintlich zum Schuldigen machen, wie die Interventin bei Plasberg – auch dies ein psychologischer Mechanismus, mit dem man rechnen muss, wenn man nicht das Falsche unternehmen will – oder die Schüler aus Hessen, wie, nach jüngsten Umfragen, rund ein Viertel der deutschen Bevölkerung, wird sich weder durch eine Antwort des Moderators, noch durch einen Besuch im KZ umstimmen lassen. So einfach funktioniert Erziehung nicht. Es braucht dafür mehr als vier Monate in der neunten Klasse. Vielleicht gibt es auch gar keine Lösung. Pessimismus hat keine gute Presse. Aber er kommt der Wahrheit näher als die Schlussfolgerungen von SPIEGEL ONLINE.
Thomas Rothschild - 5. November 2019
ID 11789


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