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Interview

Beate Baum zu ihrem neuen Roman

Niemand kennt dich, wenn du

am Boden liegst



Frau Baum, Sie kennen sich so gut mit der Musikszene, den Songs und den Instrumenten aus. Wie kommt das? Spielen Sie selber eins?

Beate Baum:
Leider nein. Über äußerst dilettantische Versuche an Gitarre und Gesang bin ich nie hinausgekommen. Aber ich habe schon immer – also seit ich den Bay City Rollers entwachsen war – Musik außerhalb des Mainstream gehört. Und bei den Dresdner Neuesten Nachrichten, für die ich hier als Musikjournalistin unterwegs bin, wird anspruchsvolle populäre Musik sehr intensiv behandelt. Da habe ich also auch durch und mit der Arbeit noch mal einiges gelernt.


Kommt man als Musikjournalistin auch in den Backstage-Bereich?

B. B.:
Bei den kleineren Locations, wo ich auch die Veranstalter kenne, ja. Bei den größeren nicht. Also für den Backstage-Bereich der Elbnächte und der Westfalenhalle musste ich recherchieren.


Konnten Sie schon mal in der Liverpooler Hochschule für darstellende Kunst LIPA am Unterricht teilnehmen?

B. B.:
Am Unterricht nicht, aber ich war 1996 bei der Eröffnung durch Paul McCartney dabei, habe bis heute Kontakt zu einer Deutschen, die damals zum ersten Studienjahrgang gehörte, und habe meine Erinnerungen an das Innere des Gebäudes auch noch einmal an einem Tag der Offenen Tür aufgefrischt.


Woher kommen Ihre guten Kenntnisse der Drogenszene und des Drogenentzugs?

B. B.:
Tja, ich bin den 70ern und 80ern erwachsen geworden, da hat man schon so einiges selbst ausprobiert und noch mehr bei anderen mitbekommen. Aber was konkret den Heroinentzug angeht, da habe ich das Manuskript auch zwei befreundeten Ärzten zukommen lassen und sie um ihre Einschätzung gebeten.


Es ist offensichtlich, dass Sie vieles, worüber Sie schreiben, aus eigener Ansicht kennen. Wenn Sie als Reisejournalistin Städtereisen machen, haben Sie dann schon mögliche Romane im Hinterkopf?

B. B.:
Währenddessen nicht, im Nachhinein melden sich manchmal kleine Szenen. Und dann muss ich natürlich noch mal wieder an den betreffenden Ort zurückkehren.


Wie lange braucht man eigentlich, um einen Roman zu ersinnen, zu recherchieren und zu schreiben?

B. B.:
Also ich immer mindestens ein Jahr, eher zwei.


Wie geht man mit möglichen Blockaden um?

B. B.:
Rausgehen, bewegen. Sobald der Körper in Schwung ist, kommen auch die kleinen, grauen Zellen wieder in Fahrt.


Welche Möglichkeiten gibt es zur Veröffentlichung? Schicken Sie den Verlagen Ihr Skript? Oder stehen Sie vorher schon unter Vertrag?

B. B.:
Ich war ja jahrelang bei durchaus namhaften Verlagen. In der vergangenen Jahren hat sich die ganze Branche jedoch derart verändert, dass nur noch auf Verkaufszahlen gestarrt wird. Wenn Sie nicht den Artenschutz der allerhöchsten Hochkultur genießen, sondern es wie ich mit anspruchsvoller Unterhaltung versuchen, sitzen Sie da zwischen allen Stühlen. Ein Buch wie Niemand kennt dich, wenn du am Boden liegst gilt als nicht zu vermarkten, allein schon wegen der vier Schauplätze. (Die Aussage habe ich von der Lektorin eines mittelgroßen Verlags erhalten). Insofern stehe ich immer wieder vor der Frage, ob ich das schreibe, was der ominöse Markt nach Ansicht der Verlage will, oder das, was ich will, was mich umtreibt, was ich selbst gern lesen würde. Mit meinen letzten Titeln habe ich mich für Letzteres entschieden. Dass das ökonomisch gesehen Wahnsinn ist bzw. nur klappt, wenn ein Wunder geschieht, und nun auf einmal zig Tausende Leser zugreifen, muss ich vermutlich nicht extra betonen.

Erzählen Sie von Liverpool! Sie scheinen diese Stadt sehr zu mögen.

B. B.:
Hach, Liverpool! Von 1996 bis 1998 hat mein heutiger Mann dort gelebt und gearbeitet, in seinem zweiten Jahr verbrachte ich mindestens die Hälfte der Zeit dort und habe den Humor und die generelle Lebenseinstellung der „Scouser“ lieben gelernt.


Was fasziniert Sie generell so am Vereinigten Königreich?

B. B.:
Ich denke, es ist genau das, was einen auf der anderen Seite auch manchmal in den Wahnsinn treiben kann, wenn man konkrete Alltagsprobleme angehen muss: Die Höflichkeit, Freundlichkeit, aber manchmal auch eine gewisse charmante Unfähigkeit. Landschaftlich kommt hinzu, dass die nächste Küste nie sehr weit entfernt ist, und ich liebe das Meer.


Was fasziniert Sie an Krimis?

B. B.:
Für mich bedeutet Krimi immer, an einer Stelle ein Rädchen ein Stück weiterzudrehen. Alltagssituationen, die mehr oder weniger jeder kennt, zuzuspitzen. Sie werden bei mir nie irgendwelche psychopathischen Massenmörder vorfinden; meine Täter sind immer eher Menschen, denen die Dinge über den Kopf gewachsen sind und die die Kontrolle verloren haben. Ausnahme: die Sherlock-Holmes-Fälle. Da fahre ich dann eher großes Geschütz auf und widme mich den, nun ja, quasi systemimmanenten Verbrechen.


Beim Schreiben selbst ist man ja auf sich allein gestellt. Wie wichtig ist das Umfeld?

B. B.:
Ja, gerade weil das Schreiben ein sehr einsames Geschäft ist, braucht man – brauche ich zumindest - die Sicherheit meiner sozialen Kontakte. Natürlich ist mein Mann da der wichtigste Mensch für mich, aber auch Freundinnen und Freunde sind unerlässlich. Wenn mich eine Freundin dann auch noch so tatkräftig unterstützt wie Christina Holm, die das wunderbare Cover gestaltet hat, ist das natürlich erst recht fantastisch.


Vielen Dank für das Interview und eine schöne Lesereise!





[Das Interview fand am 16. April 2018 statt.]
Interviewerin: Helga Fitzner - 17. April 2018 (2)
ID 10648
http://www.beatebaum.de


Post an Helga Fitzner

Buchkritik zu
Niemand kennt dich, wenn du am Boden liegst



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