Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 2

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Etymologie

Oysgezoomt

Ein yinglishes Wort macht Furore



Yinglish ̶ Die Bezeichnung existiert seit 1951 ̶ wird gemeinhin definiert als "blend of Yiddish and English". Dass das Jiddische, eine ca. 1000 Jahre alte Sprache, stets befähigt war und ist, neue Wörter aufzunehmen, ist vielfach belegt, u.a. mit den jüngeren Prägungen oysgemutshet und oysgematert, die beide "erschöpft/ total erledigt sein" oder "abgenutzt" bedeuten.


Neubildungen

Oysgemutshet wurde bekannt durch das äußerst populäre Lied Oyfn Pripetshik (dt.: Auf dem Herd) des russisch-jüdischen Dichters und Komponisten Mark Markovich Warshavsky aus dem Jahre 1899. Darin heißt es: "az ir vet kinder dem golez shlepn, oysgemutshet zayn, vet ir fun di oysyes koyekh shepn, kukt in zey arayn" (dt.: Wenn ihr Kinder in der Verbannung lebt, geplagt werdet, werdet ihr von den Buchstaben Kraft schöpfen, schaut sie euch an). In den 1940er Jahren war das Lied die Widerstands-Hymne gegen die nationalsozialistische Unterdrückung in den Ghettos, später sangen es im Film Schindlers Liste (1993) der israelische LiRon Chor und 2007 Esther Ofarim.

Und im In Amerike betitelten 2. Teil des Buches Motl Peyse dem Khazns des Humoristen und Satirikers Scholem Alejchem (1859-1916) lesen wir über dessen älteren Bruder und einen Freund: "zey kumen ale mol oysgematert un hungerik".


Oysgezoomt

In der Corona-Zeit tauchte jüngst ein an diese Beispiele angelehntes Lexem im Internet auf: oysgezoomt (gesprochen: oisgəzu:mt, wobei das z für den stimmhaften alveolaren Reibelaut steht). Die Journalistin Rukhl Schaechter, Tochter des Linguisten Itsye Mordkhe Schaechter (1927-2007), sprach als Herausgeberin des Forward (Yiddish Forverts), der letzten jiddischen Zeitung außerhalb der chassidischen Welt, von einem "wunderbaren Neologismus".

Woher stammt das Wort und was bedeutet es? Als Zoom [zu:m] (engl. lautmalerisch für "Summgeräusch" und "schnelles Anschwellen") bezeichnet man u.a. ein fotografisches Zoomobjektiv, im Film eine szenische Technik des Näherkommens/ Entfernens sowie das Vergrößern/ Verkleinern von Grafiken, Bildern und Texten durch ein Computerprogramm. Zoom Video Communications ist z.B. ein recht bekanntes US-amerikanisches Unternehmen mit Videokonferenzdienst.


Zoomen

Das Verb zoomen wird verwendet in der Bedeutung "fokussieren, heranholen, vergrößern, verkleinern, wegrücken". Unterbegriffe sind u.a. heranzoomen, herauszoomen, hineinzoomen, wegzoomen.

Im Jahre 2020 hat sich Zoom zu einer der führenden Apps für Videokonferenzsoftware entwickelt: man kann virtuell mit anderen Menschen interagieren, wenn persönliche Besprechungen nicht möglich sind, per Video oder Audio oder auf beiden Kanälen. Ein Zoom-Meeting bezieht sich auf ein Videokonferenz-Meeting, das mit Zoom gehostet wird. Man kann an diesen Besprechungen über eine Webcam oder ein Telefon teilnehmen. Ein Zoom-Raum ist das physische Hardware-Setup, mit dem Unternehmen Zoom-Meetings von ihren Konferenzräumen aus planen und starten können.

Zurück zu oysgezoomt: Larry Yudelson schrieb dazu am 22.12.2020 im Jewish Standard, dem ältesten jüdischen Blatt in New Jersey, die in der Bay Area lebende Markenberaterin Nancy Friedman habe am 01.05.2020 auf dem Mikroblogging-Dienst Twitter eine Nachricht gepostet, in der sie einer Verwandten diese Wortschöpfung attestierte.

Seither sagt man in den USA unter jüdischen Journalisten "Ich bin azoy oysgezoomt!", wenn man restlos kaputt ist, weil man den Tag in Videokonferenzen verbracht hat ̶ ob mit den Bildbearbeitungssystemen Skype oder Zoom.

Christoph Gutknecht - 14. Januar 2021
ID 12690


Post an Prof. Dr. Christoph Gutknecht

https://www.slm.uni-hamburg.de/iaa/personen/ehemalige-emeriti/gutknecht-christoph.html

ETYMOLOGISCHES



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeige:


LITERATUR Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

AUTORENLESUNGEN

BUCHKRITIKEN

DEBATTEN

ETYMOLOGISCHES
von Professor Gutknecht

INTERVIEWS

KURZGESCHICHTEN-
WETTBEWERB
[Archiv]

LESEN IM URLAUB

PORTRÄTS
Autoren, Bibliotheken, Verlage

UNSERE NEUE GESCHICHTE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal





Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2021 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de