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Lyrik

Pralinés



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Lyrik scheint wieder gefragt zu sein. Ganz im Gegensatz zu den Aussagen des noch abwinkenden Mainstream-Buchhandels. Lyrik-Blogs entstehen, Gedichte zieren immer mehr Webseiten von (Hobby-) Poeten, und sogar einige Verlage wagen es, das Geschäft mit den Reimen. Das Wagnis wird indes geschmälert, handelt es sich bei den Buchpoeten um Wortprofis, die ihr Texthandwerk verstehen. Einer von ihnen ist der Münchener Textzüchter Jan-Eike Hornauer. Jüngst erschien im bajuwarischen Hauptstadtverlag sein Gedichtband mit dem in Aussageform gepackten Titel Das Objekt ist beschädigt. Das Buch ist ein gelungener Hingucker und -greifer, von außen und innen eine Lyrikpralinéschachtel.

Und wie es sich gehört, sind die Pralinensorten gut kategorisiert angeordnet. Auf rund 200 Seiten und sechs Kategorien verteilen sich Gedichte des studierten Germanisten, der für jeden Geschmack mit seiner poetischen Chocolatierskunst ein weites Spektrum öffnet. Thematisch paaren sich Fuß und Ball, Tierisches und Alltägliches, Philosophisches und Politisches, Menschliches und Zwischenmenschliches. Auch die Dichtung selbst erhält ihre Partnerin: die, wie könnte es anders sein, Kunst. Eröffnet wird das beschädigte Objekt mit dem Thema Liebe und Frauen. Hier zuletzt aufgeführt, weil diese Paarung den Reimereigen anführt. Warum dieser Tausch?

Gut so, möchte man sehr angetan zu der vorliegenden Textsymphonie sagen, doch ein Wermutstropfen liegt in diesem Behältnis voller Wortwohlklang und humorvoller sowie kritisch-ernster Perspektiven. Insgesamt auch thematisch superb, schränkt es leider die Zielgruppe der Lyrikkonsumenten ein: Es ist immer wieder Lyrik nur für Erwachsene vertreten, nicht nur in letztgenannter Kategorie. Eine vertane Chance "für die ganze Familie", denn es sind durchaus auch zahlreiche köstliche familientaugliche Pralinés in der "Schachtel" vorhanden.

Jedoch wird wohl das – gerade im erotischen Bereich, doch nicht nur da – immer wieder auftretende Provokante Absicht des Münchener Profipoeten sein. Und vielleicht wird gerade dies, neben dem von Tanja Martina Federl außerordentlich einnehmend gestalteten Cover, eine Verkaufsbeschleunigerin des Münchener muc Verlages werden. Man wird sehen. Und muss auch zugestehen: Aus einer so reichhaltigen Pralinenschachtel kann einem kaum jedes einzelne Stück schmecken. Hinzu kommt, die breite Palette an zweifelsohne Gelungenem ist klar dominierend, und sie ist gespickt mit wahren lyrischen Kostbarkeiten.

Übersehen kann und sollte das Objekt, das beschädigt ist, auf keinen Fall werden. Auch da genreübergreifende Dichtkunst aus einer Feder selten geworden ist. Im vorliegenden Falle vermag sie, der sich allmählich wieder erhebenden Kunst des geformten Wortes neuen Auftrieb zu verleihen und lyrischen Diskussionsraum zukunftstauglich zu machen sowie der Poesie neues Leben einzuhauchen – auch wenn dies, wie der Dichter hintersinnig meint, zumindest im Sinne des Reimgedichts, das er ja selber ausführlich nutzt, per se unmöglich ist:


"Gereimtes Leben

kann's nicht geben:
Es sind zu viele Unreimheiten."

Arnd Moritz - 25. Juli 2016
ID 9450
Jan-Eike Hornauer | Das Objekt ist beschädigt
zumeist komische Gedichte aus einer brüchigen Welt

207 Seiten
17,95 Euro
muc Verlag, München
ISBN 978-3-9815181-5-3


Weitere Infos siehe auch: http://www.muc-verlag.de/verlagsprogramm/einzeltitel-lyrik/das-objekt-ist-beschädigt/


Post an Arnd Moritz

http://www.arndmoritz.de



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