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Krimi

Regionalkrimi mit erheblichen Anlaufschwächen



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Seine ersten Jugendjahre verlebte Dominique Horwitz, 1957 geboren, in Paris, wohin die Eltern vor den Nazis geflohen waren. 1971 zog die Familie wieder nach Berlin. 19jährig stand Horwitz erstmals vor der TV-Kamera. Nach dem Leinwanddebüt in Lilienthals Film David (1979), einem Zwischen­spiel im Berliner »Cabaret des Westens« sowie Bühnen-Auftritten in Tübingen, München und Hamburg holte ihn Dieter Wedel für Der große Bellheim (1989) zurück vor die Kamera. 1993 gelang ihm mit der Hauptrolle in Vilsmaiers Anti-Kriegs-film Stalingrad der internationale Durchbruch. Auch als feinsinniger Jacques-Brel-Interpret wurde der seit 2003 in der Nähe Weimars lebende Künstler bekannt. Anfang 2012 führte er die Opernregie für Carl Maria von Webers Der Freischütz am Theater Erfurt.

Jetzt offeriert er uns einen Regional-Krimi. Im Grunde ein vielversprechendes Unternehmen, denn laut Lisa Kuppler in der FAZ (vom 14.04.2015) ist der Krimimarkt seit Anfang der 1990er Jahre mit Titeln übersät, »die regional vermarktet werden, von der Ostseeküste über die Eifel bis zum Allgäu, wo Volker Klüpfel und Michael Kobr eine Lawine lostraten«.

Der Plot von Horwitz‘ Tod in Weimar ist schlicht: Roman Kaminski, einst Darsteller, derzeit kutschierender Stadtführer, übernimmt Hausmeister-Aufgaben des Altenheims »Villa Gründgens«, in dem Ex-Schauspieler unter Aufsicht der mysteriösen Dr. Trixi Muffinger residieren. Als die Mimen in der Goethe-Stadt die Räuber proben, stirbt nach Christies "Ten-Little-Niggers"-Schema erst der Pedell, dann scheiden sukzessiv alle Mitglieder des »Schiller-Zirkels« dahin. Kaminski will die obskuren Fälle lösen, doch Kripo-Kommissar Marc Westphal mit der tauben-blauen Seidenkrawatte misstraut ihm, »denn es gibt ein paar Unstimmigkeiten mit den Totenscheinen...«

Spannung ist zweifellos da, auch die Handlungsstränge überzeugen. Gleichwohl wird Horwitz‘ zitatbefrachtetes Opus den Erfolg von Klüpfels und Kobrs »Kluftinger-Krimis« kaum erreichen, wohl auch nicht den des Kollegen Tilo Prückner, dem 2013 mit Willi Merkatz wird verlassen ein grandioses Literaturdebüt gelang. Schuld sind u.a. die überbordenden und unmotivierten Stilvarianten des Erstlingswerks. Wie bei der ARD-Serie Sturm der Liebe ständig ermüdende Landschaftsbilder die Aktionen unterbrechen, starten im Tod in Weimar alle Kapitel mit reizlosen Wetter- und Umwelt-berichten: »Die Gluthitze hatte längst alles versengt, die Weizenfelder, die Bäume, die kleinen dornigen Sträucher. Alles lechzte nach Wasser.« Völlig banal klingt das erst recht, wenn noch eine Sentenz eingestreut ist: »Bleigraue Wolken hingen am Himmel, es regnete in Strömen. Lichtenberg, Kaminskis Lieblingsapho-ristiker, hatte alles Entscheidende dazu gesagt: ›Es regnete so stark, dass alle Schweine rein und alle Menschen dreckig wurden.‹« Das wirkt doch arg zusammengebastelt, es bremst zudem den Lesefluss. »Ne quid nimis« – nichts im Übermaß! – möchte man dem sympathischen Horwitz zurufen: Beim avisierten Folgewerk bitte weniger krampfhaft-bildungsbürgerlich! »Vorsicht ist geboten, wenn Prominente Romane schreiben«, warnte völlig richtig Christoph Schröder auf ZEIT-Online (vom 08.01.2014).

*

Charmant ist Horwitz‘ mündliche Einlassung, die Literaturagentin Karin Graf habe ihn zum Schreiben animiert. Sein wenig erhellendes Rest-Gestotter [auf Youtube nachverfolgbar] wurde indes primär vom einschläfernd langweiligen Interviewer Wolfgang Herles provoziert, dem anscheinend Goethes Diktum völlig fremd ist: »Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen.«
Christoph Gutknecht - 27. März 2016
ID 9219
Dominique Horwitz | Tod in Weimar
Gebunden, m. Schutzumschlag
288 Seiten
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90
Albrecht Knaus Verlag, 2015
ISBN 978-3-8135-0663-1


Weitere Infos siehe auch: http://www.randomhouse.de/Buch/Tod-in-Weimar/Dominique-Horwitz/e468982.rhd


Post an Prof. Dr. Christoph Gutknecht

http://www.christoph-gutknecht.de



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