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nachDRUCK # 2

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Lyrik

Ein Band mit

Gedichten von

Andrea Lütkewitz

und Fotocollagen

von Dominique

Raack



Bewertung:    



Es ist ja gerade wieder die Jahreszeit für melancholische Stunden, wenn das Wetter nicht zum Rausgehen einlädt und man lieber mit einem Heißgetränkt daheim sitzt. Aber keine Bange, Als könnten wir bleiben ist kein Buch für den gepflegten Corona-Blues. Der dritte Gedichtband der Lyrikerin Andrea Lütkewitz mit den von Dominique Raack gestalteten Fotocollagen lädt zum Hinschauen und Nachdenken nicht nur über die eigene Vergänglichkeit. Die beiden Potsdamer Künstlerinnen verbinden das Nachdenken mit ihrer Liebe zur Natur, die in diesem Buch zur Metapher für alles wird, was den Menschen ausmacht. Leben, Liebe, Träume und Sehnsüchte nach etwas, wie das lyrische Verschmelzen zweier Menschen wie in dem Gedicht Fade in to you.

Das klingt nach großen Gefühlen und hohem Ton, den Andrea Lütkewitz in ihren 24 an Naturmetaphern reichen Gedichten auch nicht scheut. „ich bin ein brennender fluss,/ schwimme mit den blättern/ die dein lächeln verliert“, heißt es im ersten Gedicht Glutschatten. Es geht bei aller Melancholie aber auch einfacher und lebensnaher wie im Gedicht Sommer mit der titelgebenden Zeile „als könnten wir bleiben,/ wie großmutters kaffeekanne“, in dem ein warmer Apfelkuchen mit Zuckerkruste „die finnisage/ des lichts“ ankündigt. Das Ende gibt hier immer auch einen Neuanfang vor. Das Bild dafür ist ein Maikäfermorgen „mit grünen augen/ und nachtigallmund“.

Beispielhaft dafür auch das vielleicht schönste Gedicht des Bandes, das in Gänze wiederzugeben wir uns hier erlauben:


"Kokon

auf dein weiterleben schau ich:
falter mit verdrehten flügeln
in verdrallter schnur

seidener faden,
der uns verband,
gerissen beim ankern
in haltlosen wünschen

näht mir ein kleid
aus deinen worten,
kreuzstich für kreuzstich
in meine haut

faust die ich werde,
pulsiert im kokon,
herzschlag zu schwingen,
frage der zeit"



In den Gedichten bilden auch oft der Mond und die Brandung das Gespann von Nähe und Ferne, Verlust und Wiederkunft. Mond, Meer, Himmel - die Natur ist als Sprachbild immer gegenwärtig, und das nicht nur als bloße Naturromantik, sondern wie auch die Collagen als Überlagerung mit dem Leben. Die zumeist blauen und mit Gold- und Ockertönen durchzogenen Fotocollagen von Dominique Raack verstehen sich daher auch nicht als Illustrationen. Entstanden sind sie durch die mehrfache Überlagerung von fotografischen Naturaufnahmen am Computer. Auch hier ist vor allem der Mond das wiederkehrende Thema, mit dem sich Wolken, Vögel, Blätter und Steine zu fast abstrakten biomorphen Formen und Landschaften verbinden. Sie bilden ihr eigenes poetisches Leben und fügen sich mit den Gedichten zu einem ganz besonderen Seh- und Leseerlebnis.

„wo sich sich der faden verliert,/ mit dem wir die wolken vernähen/ zu einem kurzen tag“ ... „da gib mir deinen flügel,/ komm mit mir an land.“ (aus: Wo)

Dazu kann man sich nun von diesem mit Hilfe einer erfolgreichen Crowdfounding-Aktion verwirklichten und im Eigenverlag erschienen Gedichtband verführen lassen. Das kleine Kunstwerk ist übrigens auch als Wand-Kalender erhältlich. Die Auswahl mit Versen und Collagen aus dem Buch bietet einen schönen Einblick in die kunstvoll miteinander verwobenen Gedankenwelten der beiden Künstlerinnen, die so viel mehr als nur bebilderte Kalendersprüche zu bieten haben.



Andrea Lütkewitz (li.) und Dominique Raack (re.) | Foto: privat

Stefan Bock - 2. Februar 2022
ID 13436
Andrea Lütkewitz ist in Leer (Ostfriesland) geboren.  Sie lebt und arbeitet in Potsdam. Neben Lyrik  schreibt sie Texte für Zeitungen, Magazine, Orte und Menschen. Sie mag  die Freiheit in der Buchgestaltung und ist darum freiwillig ohne Verlag.Bisher erschienen sind die Gedichtbände Nussschalenbruch (2018) und Von Monden (2019).

Dominique Raack ist in Hoyerswerda geboren. Sie lebt und arbeitet in Potsdam. Seit 2006 Ausstellungen in Potsdam, Teilnahme beim [Kun:st] Preis 2017 in Stuttgart und bei der Nominierung zum Brandenburgischen Kunstpreis im Schloss Neuhardenberg 2020. In ihren Fotocollagen spürt die Künstlerin den Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur nach. Ihre fotobasierten Arbeiten gründen auf einem digitalen collagenhaften Prozess, bei dem mehrere Fotografien zunächst in einzelne Bildelemente zerlegt und anschließend über viele Ebenen miteinander verbunden werden.


https://andrea-luetkewitz-lyrik.jimdofree.com/

https://dominique-raack.de/


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