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„In der Stratosphäre,/Links vom Eingang, führt ein Gang/(Wenn er nicht verschüttet wäre)/Sieben Kilometer lang/Bis ins Ungefähre.“ Das schrieb Joachim Ringelnatz in die Zukunft-SF weisend. Science Fiction ist inzwischen eine beliebte Gattung, besonders seit manche Fiktion von gestern die Realität von heute geworden ist. Auch Norman Mailer hat recht, wenn er sagte: „Was man heute als Science Fiction beginnt, wird man morgen vielleicht als Reportage zu Ende schreiben müssen.“

Der Blick in die Zukunft führt häufig zu Untergangsszenarien, SF beschreibt oft Dystopien. Aber gerade Ringelnatz hätte sicher an den heiteren Universen Gefallen gefunden, die diese Sammlung von Kurzgeschichten aufsucht. Die Herausgeberin und Autorin Ellen Norten legt damit den zweiten Band ihrer erfolgreichen SF-Serie vor; etliche Storys zuvor tanzte das Alien bereits Kasatschok. Nun ist die Polka dran, volkstümlich, spritzig, lustig:

*

Sie klingt ein bisschen so wie Hergottsack (Achim Stößer), eine Erzählung, die mich als Alemannin aufgrund ihres Dialekts besonders anspricht. Da wird so ein Alien auf unseren Planeten verschlagen, weil die Bundeswehr einen ihrer seltenen Glückstreffer gelandet hat. Sein Raumschiff hat zwar den Aussichtsturm der Durlacher Burgruine erwischt, aber kein Wort darüber in der Presse. So so... Das Alien schaut sich nun um im Ländle und der vor ihm ausgebreiteten Weltpolitik. Ziemlich provinziell und steinzeitmäßig kommt sie ihm vor: „Was mached die für an Käs in dem Weschtjordanland?“ Sein Gehirn nutzt die Sprachkompetenz eines alten Bickesheimers, das vereinfacht die Kommunikation zum Erzähler. Und die Konfliktlösung. Das Alien macht ein Angebot, das weder die Israelis noch die Palästinenser ablehnen können. Und weil es so gut geklappt hat, geht’s gleich weiter nach Syrien: „Gugge me mal.“

Aliens kommen im kleineren Rahmen auch frustrierten Ehefrauen zu Hilfe. Sie verhelfen zu erotischen Begegnungen hinterm Supermarktregal und entführen die bierbäuchigen Ehemänner praktischerweise gleich auf einen anderen Planeten (Ellen Norten). Der Anachronist seiner Zeiten (Hubert Katzmarz) jedoch, ein versponnener Klein-Verleger für fantastische Literatur, hat es mit ihnen schwer. Er verheddert sich aufs Verwirrendste in den Zeitschleifen seines Oberstübchens. Die interstellare Ausstellung auf dem gesegneten Blumenerde-Planeten Botanicus 8 wird für einen schüchternen Alien aber doch noch zum Erfolg. Was ihm an Attraktivität fehlt, nämlich Humor, wird er durch einen Crash-Kurs Selbstironie dazugewinnen (Marco Wittemann). Sogar der Tod, übrigens ein gutaussehender Typ, könnte einem wegen seines blöden Jobs leidtun, wäre er nicht so ein Jammerlappen. Dessen Selbstmitleid kann nicht einmal die Lungenpest mehr hören. Und empfiehlt den Verehrer weiter – an den Virus BC7V3.1, eine junge aufstrebende Kollegin, die endlich zu einer lebensbedrohlichen Krankheit werden will (Alexia Tegen). Erschreckte Leser könnten in diesem Fall zu Tante Ellis Taubsauger (Tobias Bachmann) raten, vor dessen Turbofunktion niemand sicher ist, auch kein noch so hartnäckiger Erreger.

Interessant ist ein Blick in die Vita der Autorinnen und Autoren. Es sind viele NaturwissenschaftlerInnen darunter, ProfessorInnen, ÄrztInnen, IT- ExpertInnen, Wirtschaftsfachleute.

Naja: Science kommt wohl nicht aus ohne Fiction. Wie schön!
Petra Herrmann - 24. Juni 2019
ID 11526
Ellen Norten (Hrsg.) | Das Alien tanzt Polka
Neue SF und Fantastik aus einem heiteren Universum

AndroSF 95
EUR 12,90
p.machinery, Murnau, 2018
ISBN: 9783957651419


Link zur SF-Anthologie Das Alien tanzt Polka


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petra-herrmann-kunst.de

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Buchkritik zur SF-Anthologie
Das Alien tanzt Kasatschok



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