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Es gibt Literatur, von der hat fast jeder schon mal gehört. Sollte man sie nicht kennen, so sagt man es ungern, möchte man doch nicht als unbelesen gelten. Gemeint sind Klassiker - aber auch moderne Literatur, die von sich reden macht, die auf die Entwicklung unserer Kultur Einfluss genommen hat oder Einfluss nimmt.

Solche Klassiker sind in dem vorliegenden Buch in Kurzessays versammelt. Das sagt sich einfach. Schwieriger wird es zu entscheiden, wer zu dem illustren Kreis zählen darf. Insofern ist der Herausgeberin Laura Miller eine schwierige Aufgabe zugefallen, die sie aus meiner Sicht mit Bravour löst. Erschwerend für die Einschätzung kommt hinzu, dass die US-amerikanische Autorin und Kritikerin ist, dementsprechend zwar die modernen Industriestaaten repräsentiert, doch kulturell nicht als Europäerin durchgehen kann. Dem trägt sie Rechnung, indem die Autorinnen und Autoren der Essays der vorgestellten Werke sehr unterschiedlichen Nationen entstammen, was aus deren Kurzlebensläufen am Ende des Buches hervorgeht.

Es gab Zeiten, da existierte noch kein US-Amerika, da war Literatur noch übersichtlich, und das Gilgamesch-Epos dürfte mit seiner Entstehung um 1750 vor Christus wohl das älteste und zu seiner Zeit vielleicht sogar einzige Buch gewesen sein.

Hand aufs Herz, wer hat es gelesen? Schön bebildert kommt das Epos daher. Wir bekommen einen kurzen inhaltlichen Überblick und Informationen zur Geschichte des Werkes:


"Das Gilgamesch-Epos war bis vor 150 Jahren in der Geschichte unbekannt. Der Text ist noch immer nicht ganz vollständig und wird bis heute rekonstruiert. Es tauchen immer wieder neue Fragmente auf, die Ergänzungen zu fehlenden Textstellen enthalten und so die Aussicht erhöhen, dass das Gedicht eines Tages wieder vollständig sein wird (die oben abgebildete Tafel wurde 2011 vom Slemani-Museum in Sulaimaniya, Irak, erworben)." (S. 16 - mit Abbildung der angesprochenen Scherbe mit einem Textfragment des Epos)


Die weiteren Texte folgen einem ähnlichen, übersichtlichen Schema: Homers Odyssee, Ovids Metamorphosen oder auch Tausendundeine Nacht u.a.. Wer die Originallektüre scheut, kennt nun das Entscheidende, und vielleicht regt der jeweilige Aufsatz ja sogar zum Studium des Gesamtwerkes an.

Die stehen unter der Überschrift "Mythen und Legenden" zusammengefasst. Es ist interessant zu sehen, wie die Herausgeberin die weitere Einteilung vornimmt. Da folgt „Wissenschaft und Romantik“, was 1726 mit Gullivers Reisen von Jonathan Swift beginnt und um 1900 mit dem Zauberer von Oz von L. Frank Baum endet. Hier stoßen wir auch auf Alice im Wunderland von Lewis Carroll, Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson oder die Zeitmaschine von H.G. Wells.

Das nächste Kapitel widmet sie dem goldenen Zeitalter der Fantasy, wobei der Begriff hier nicht eng gefasst ist. J.M. Barries Peter Pan, Kafkas Schloss, Lovecrafts Cthulhu-Mythos oder Huxleys Schöne neue Welt sind hier vertreten. Erfrischend auch, dass hier die Mumins erscheinen, die liebenswerten Trolle der finnischen Autorin Tove Jansson.

Weiter geht’s mit der neuen Weltordnung; 1946 bis 1979 - darin u.a. Uhrwerk Orange von Anthony Burgess, Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez oder Douglas Adams Per Anhalter durch die Galaxis.

Das letzte Kapitel „Computerzeitalter“ reicht in die Gegenwart, was die Auswahl der Wonderlands, der fiktiven Orte, an die uns die vorgestellte Literatur führt, besonders kritisch macht. Tatsächlich findet sich mit Cornelia Funke und Tintenherz nur eine deutschsprachige Autorin in dem hier vertretenen internationalen Schriftstellerkreis. Auch hier deutet sich eine gewisse Leidenschaft der Herausgeberin für Fantasy, Science-Fiction und Phantastik an, dem sie mit Stephen Kings Der dunkle Turm oder J.K. Rowlings Harry Potter und der Stein des Weisen Rechnung trägt.

* *

In Zeiten des Internets ist ein Buch wie Wonderlands nicht dringend notwendig. Zwei Klicks, und der oder die Interessierte ist auch über Wikipedia oder andere Informationsbringer über den Inhalt von bekannten Büchern informiert. Doch dies macht zumindest mir weitaus weniger Spaß, als alternativ ein gut gestaltetes Hardcover zur Hand zu nehmen, gedankenverloren darin herumzublättern und an dem einen oder anderen Artikel hängen zu bleiben. Wonderlands ist kein Buch, das in einem Ruck durchgelesen gehört, es ist ein Buch für Mußestunden, zur Inspiration für neue Lektüre und ein Buch, das sich einfach gut im Bücherschrank präsentiert.


Ellen Norten - 10. November 2020
ID 12591
Verlagslink zu Wonderlands


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