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Politisches Sachbuch

Entsorgte

Wahrheiten





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bell hooks ist das Pseudonym von Gloria Watkins. Sie ist eine „Person of Color“ und eine Frau. (Ist es Koinzidenz oder bewusste Anspielung? Currer Bell war das Pseudonym von Charlotte Brontë.) Und gleich zur Ergänzung: auch ihre Übersetzerin Jessica Yawa Agoku erfüllt beide Bedingungen. Dies vorweg, um den voraussehbaren Einwänden gegen unbequeme Einsichten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich mache mir freilich keine Illusionen. Die bürgerlichen weißen Frauen jeden Alters, die Erbinnen von Jane Austens dünkelhafter Lady Catherine de Bourgh werden diese Einsichten, die sie nicht wahrhaben wollen, ignorieren. Sie haben von ihnen nichts zu gewinnen. Im Gegenteil: ihre Privilegien stünden auf dem Spiel, wenn sie aus ihnen die erforderlichen Konsequenzen zögen.

bell hooks’ Buch Die Bedeutung von Klasse. Warum die Verhältnisse nicht auf Rassismus und Sexismus zu reduzieren sind verbindet Autobiographie, eigene Erfahrungen und Reflexionen über den eigenen sozialen Aufstieg mit einer verallgemeinernden Analyse. bell hooks ist nicht nur „Schwarz“ (die Autorin selbst benutzt diese Bezeichnung und die Übersetzerin erläutert, warum sie groß geschrieben wird) und Frau, sie kommt auch aus der Arbeiterklasse. Sie weiß, wovon sie redet. Sie bezieht sich zwar auf die USA, aber ihre Diagnose trifft modifiziert auf alle kapitalistischen Länder zu.

Erstaunlich ist allerdings, dass bell hooks nicht klar zu sein scheint, dass es in den USA, ebenso wie in der übrigen Welt, in der Vergangenheit schon eine klassenbewusste und kämpferische Arbeiterbewegung gegeben hat, dass die Entstehung eines Klassenbewusstsein nicht ein heutiges Phänomen ist. Das mag so scheinen, nachdem die Arbeiterbewegung mitsamt ihrem Klassenbewusstsein spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg effektiv zerschlagen wurde. Der herrschenden Klasse ist es gelungen, den Massen einzureden, dass ihre Interessen, die Interessen der Herrschenden, allgemeine Interessen seien. Auch bei uns haben weder die heutigen Sozialdemokraten, noch die Grünen dieser Ideologie etwas entgegenzusetzen.

bell hooks schreibt:


„Klasse ist von Bedeutung. Race und Gender können als Projektionsflächen dienen, um von der harten Realität abzulenken, die Klassenpolitik offenbart. Es ist offensichtlich: Wann immer wir dem Thema Klasse mehr Aufmerksamkeit widmen und dabei race und Gender verwenden, um die neuen Dimensionen zu verstehen und zu erklären, ist es die Gesellschaft, ja sogar unsere Regierung, die vorschlägt, dass wir über race und Rassismus reden sollten. Es ist unmöglich, ernsthaft darüber zu sprechen, Rassismus ausmerzen zu wollen, ohne dabei über die Bedeutung von Klasse zu sprechen.“


bell hooks denkt, wiederum im Zusammenhang mit ihren Lebenserfahrungen, über die korrumpierende Macht des Geldes nach und über die „Politik der Gier“. Dabei kommen christliche Vorstellungen ins Spiel, von denen ein weiter Weg zum Klassenkampf führt.

bell hooks spricht unangenehme Wahrheiten an, die man gemeinhin verschweigt, weil man einem diskriminierten Kollektiv – hier: der Schwarzen –, dem man zumal selbst angehört, nicht in den Rücken fallen will:


„Um in dieser neuen Welt der getrennten Klassen zu überleben, der Welt, in der ich auch zum ersten Mal auf eine Schwarze bürgerliche Elite traf, die genau wie ihre weißen Gegenparts nichts als Verachtung für Arbeiter*innen übrighatten, musste ich Stellung beziehen, um mir meiner eigenen Klassenzugehörigkeit klar zu werden. Dieser Wahrheit ins Gesicht zu sehen, war am schwersten. Da man mir mein Leben lang beigebracht hatte, dass Schwarze Menschen untrennbar und solidarisch im gemeinsamen Kampf gegen Rassismus verbunden waren, wusste ich nicht, wie ich auf die elitären Schwarzen, die voller Verachtung für alle waren, die nicht ihre Klasse oder Lebensweise teilten, reagieren sollte.“


Und der Feminismus?


„Von Beginn an wussten reformistische weiße Frauen mit Klassenprivilegien sehr genau, dass die Macht und Freiheit, die sie wollten, die gleiche war, die die Männer genossen, die sie innerhalb ihrer Klasse sahen.“


Und:


„In den Neunzigerjahren war dieses Einvernehmen mit der bestehenden sozialen Struktur der Preis für die sogenannte Befreiung.“ Die Schlussfolgerung: „Die einzige echte Hoffnung auf feministische Befreiung liegt in einer Vision des sozialen Wandels, der die Art und Weise berücksichtigt, wie ineinandergreifende Systeme von Klassismus, Rassismus und Sexismus dazu beitragen, dass Frauen ausgebeutet und unterdrückt werden.“



Der letzte Satz verkündet mit einem sehr amerikanischen Optimismus:


„Die Zeit wird kommen, in der der Reichtum umverteilt wird, in der sich die Arbeiter*innen dieser Welt wieder vereinigen, – um für wirtschaftliche Gerechtigkeit einzustehen –, für eine Welt, in der alle genug haben, um ein erfülltes und gutes Leben zu leben.“


Ihr Wort in Bidens Ohr.


Thomas Rothschild – 25. April 2021
ID 12876
Verlagslink zum Buch von bell hooks


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