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Warum wird Mathematik oft abgelehnt? In der Schule ist sie bei vielen unbeliebt, und wer in Mathe fünf gestanden hat, wird damit keineswegs für dumm angesehen, sondern die schlechte Note gilt eher als Kavaliersdelikt. Manch einer fühlt sich Prominenten verbunden, die mit ihren mangelnden Mathematikkenntnissen protzen. Ja sogar dem großen Albert Einstein werden schlechte Mathezensuren nachgesagt - falsch, denn Einstein hatte hervorragende Noten in Algebra und Physik.

Vielleicht ist es das Abstrakte, was für viele Menschen die ablehnende Haltung gegenüber der Mathematik begründet. Dabei benutzen wir sie doch täglich – berechnen Summen, die es zu bezahlen gibt, messen, ob der Schrank an die Wand passt oder ob er die Tür verstellt und vieles mehr. Ohne Zahlen kämen die wenigsten Briefe an, ohne Hausnummer fänden wir nur mühsam die richtige Adresse.

Mich hat der Titel des Buches sofort geködert: Wie die Null aus dem Nichts entstand - allein darüber nachzudenken, kann ausgesprochen faszinierend sein; eine Frage, die so einfach klingen mag und deren Antwort doch so schwer fällt. Ich habe mich also darauf eingelassen, und der Mathematikhistoriker Umberto Bottazzini versteht es diese Wissenschaft zu beleuchten und die damit verbundenen entscheidenden Schritte in der Geschichte der Menschheit herauszustellen.

Zahlen können wir nicht anfassen, nicht berühren. Sie sind abstrakt. Unser Dezimalsystem, das wir als so selbstverständlich erachten, orientiert sich an den zehn Fingern. Aber schon die Franzosen zählen die zehn Zehen dazu und sprechen bei der Zahl „achzig“ von quatre vingt, sprich vier mal zwanzig, und sie legen gleich eine Rechenart, nämlich die Multiplikation dieser Zahl, zugrunde. Die römischen Zahlen leben von Addition und Subtraktion, ein Weg, der, wie wir wissen, auch zum Ziel führt.

Schwieriger wird es, wenn sich der Autor den irrationalen Zahlen wie Phi widmet. Da gelingt auch ihm nicht, eine Leichtigkeit zu zaubern, zumal er die Kenntnis von Phi (φ) voraussetzt, einem griechischen Buchstaben, den ich zwar kenne, dessen mathematische Bedeutung mir jedoch fremd war. Und da hilft mir auch kaum die Erklärung, dass Phi den irrationalen Zahlenwert des goldenen Schnittes beschreibt. Bei solchen Zusammenhängen habe ich es mir herausgenommen, ein paar Seiten zu überblättern, um bei den ehr philosophischen Ausführungen wieder detailliert zu lesen.

Illustriert werden insbesondere die geometrischen Fragen mit kleinen handgemalten Bildern, die verständlich sind, aber auch hier Konzentration erfordern. Gern schmökere ich vor dem Einschlafen im Bett, doch dieses Buch erlaubt das nicht. So habe ich in stiller Stunde aufmerksam und bisweilen fasziniert darin gelesen und habe meine Gedanken schweifen gelassen.

„Das Wesen der Mathematik liegt gerade in ihrer Freiheit“, zitiert Bottazzini den deutschen Mathematiker Georg Cantor, einen Architekten der modernen Theorie der mathematischen Unendlichkeit aus dem 19. Jahrhundert, und fährt im Epilog selbst fort:


"Was wir darüber hinaus auf diesen Seiten zu finden versuchten, das offenbarte sich in den Geschichten der schicksalhaften Augenblicke, die vom blendenden Licht der mathematischen Schöpfung erhellt wurden, in den Augenblicken, die ein Davor und ein Danach im Verlauf der menschlichen Geschehnisse deutlich werden ließen, angefangen bei dem Augenblick, an dem die Zahl an den Fingern unseres fernen Ahnen auftauchte, der Kerben in einen Knochen ritzte. Denn von da an erklären die Zahlen uns die Welt." (S. 185)


Eine Welt ohne Zahlen ist eine unberechenbare Welt. Es fällt mir schwer mir vorzustellen, wie diese Welt aussehen würde – sicher nicht so wie das, was die Menschheit heute charakterisiert.


Ellen Norten - 26. April 2021
ID 12878
dtv-Link zu Wie die Null aus dem Nichts entstand


Post an Dr. Ellen Norten

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