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Spiel im

Schloss





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Das hundertjährige Jubiläum der Salzburger Festspiele hat Max Reinhardt neue Aufmerksamkeit beschert. Im Wiener Brandstätter Verlag ist ein prachtvoller und entsprechend teurer Band im Großformat erschienen, der wohl eher das betuchte Festspielpublikum im Visier haben dürfte als den Studenten der Theaterwissenschaft oder den am Schicksal von Exilanten Interessierten. Autorin des mit zahlreichen Bildern gespickten Textes ist Sibylle Zehle, eine erfahrene Journalistin mit Hang zum Eleganten. Ihr Kompendium Hotels zum Träumen ließ sie mit den folgenden Worten anpreisen: „Hotels zum Träumen – das sind nicht die Paläste in den Metropolen. Hotels zum Träumen – das sind die kleinen, feinen Adressen an den aufregendsten Plätzen zwischen Sylt und San Diego, Positano und Phuket. Sibylle Zehle zeichnet lebendige Portraits von Menschen, Häusern und Landschaften – vom Luxuscamp der Rockefellers bis zum Kloster in Mailand, vom Golf-Dorado in Arizona bis zur spanischen Hazienda, vom marokkanischem Landsitz bis zum Schlosshotel: Bücher, die Lust machen auf Entdeckungsreisen, in der Realität und in der Phantasie.“ Man sieht: diese Frau teilt unser aller Sorgen. Sie ist genau die Richtige, uns nach Minna Wagner Max Reinhardt ans Herz zu legen.

Und so ist denn nicht der Sommernachtstraum und nicht die Arbeit als Theaterleiter, nicht die Gründung der Festspiele und nicht die Vertreibung durch die Nationalsozialisten Ausgangspunkt von Zehles Exkursion in die Welt Max Reinhardts, sondern das Salzburger Schloss Leopoldskron, das dieser 1918 erworben und bis zum erzwungenen Exil bewohnt hat. Auch im weiteren Verlauf widmet die einstige ZEIT-Redakteurin dem Schloss weitaus mehr Raum als vielen bemerkenswerten Theaterleuten. Die Welt hinter dem „hohen Eisentor“ muss für die Dame ein Sehnsuchtsort sein. Offensichtlich beeindruckt schwärmt Sibylle Zehle von den Salzburger Festspielen rund ums Schloss: „Das Publikum dieser Jahre [1934-1937, Th.R.], die Mischung aus Gesellschaft und Boheme, Politik und Kunst, Geld und Talent war einzigartig. Mitte der Dreißigerjahre gab es in Europa keinen vergleichbaren gesellschaftlichen Sammelpunkt.“ Welch ein Triumph für den Mann, dessen Herkunft als „seinesgleichen“, so Sibylle Zehle, die „Mitglieder der jüdischen Bourgeoisie“ nahelegte.

„Eine Biographie kann und will die vorliegende Arbeit nicht sein“, warnt Sibylle Zehle. Ist sie auch nicht. Sie ist ein auf Buchformat aufgeblähtes Feuilleton, flott, lebendig, sinnlich und gut lesbar geschrieben, wohl vorwiegend für jene, die sich über Theater und Künstler eher in den Home Stories als bei der seriösen Kritik informieren. So verrät uns Zehle, dass Helene Thimig „eine große Liebende“ war, dass Eleonora von Mendelssohn eine Perlenkette trug, und von Mac, dem Scotty: „Er war störrisch, zerrte an der Leine, zeigte keinerlei Zärtlichkeit.“ Na ja, dann... Es entspricht dem Stil, dass wir ebenso viel über Frau Zehle wie über Max Reinhardt erfahren. Immerhin hat sie sich mehr Zeit genommen als die Verfasser von Klatschgeschichten im Alltagsbetrieb, Kenner der Materie aufgesucht und befragt (ein Kronzeuge ist der Theaterwissenschaftler Leonhard M. Fiedler), recherchiert, Archive durchstöbert. Die Funde exzerpiert sie in ausführlichen Zitaten. Wenn sie dann über Max Reinhardts „Oper als Musiktheater“ die folgende These zum Besten gibt, möchte man freilich doch an ihrer Kompetenz zweifeln: „Regisseure wie Walter Felsenstein, Götz Friedrich oder Giorgio Strehler haben es einfach weiterentwickelt.“

Auf der letzten Seite des Buchs führt Michael Heltau die Autorin – richtig: durch Schloss Leopoldskron. Ein würdiger Abschluss für eine Arbeit, die keine Biographie sein kann und will. Vielleicht wäre der passende Titel doch eher: Spiel im Schloss oder Einladung ins Schloss. Aber diese Titel sind schon von Molnár und Anouilh besetzt.

Man kann natürlich auch darauf verzichten, Sibylle Zehles Text zu lesen. Die hervorragend reproduzierten Fotos und Abbildungen sind den Preis des Bandes schon fast wert.


Thomas Rothschild – 26. August 2020 (2)
ID 12413
Brandstätter-Link zu Max Reinhardt - Ein Leben als Festspiel


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Salzburger Festspiele



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