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Sachbuch

Das Gehirn

bleibt ein

Rätsel





Bewertung:    



Die Niederschrift eines Sachbuchs, dass sich (auch) an Laien wendet, ist immer ein Drahtseilakt. Es darf nicht zu viel vorausgesetzt werden, trotzdem muss das Buch gleichzeitig auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament stehen. Im Bereich der Neurowissenschaften und der Psychologie ist dies besonders schwer, da manche Fragen noch völlig offen sind, insbesondere die nach dem menschlichen Bewusstsein.

Scott A. Small ist Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Columbia Universität in New York. Er hat sein Buch dem Vergessen gewidmet und der Titel [Vergessen - macht Platz für Wichtiges] macht deutlich, was er für den entscheidenden Punkt dabei hält. Vergessen ist kein Makel, sondern Notwendigkeit, denn Vergessen macht Platz für Wichtiges. Das soll zwar nicht als Entschuldigung für vergessene Termine gelten, denn denen kann ein Terminkalender abhelfen, aber Vergessen ist entscheidend für das Bewältigen von Eindrücken und Erlebnissen. Small setzt seinem Buch ein Zitat von Jorge Luis Borges voran (aus Das unerbittliche Gedächtnis)


"Tatsächlich erinnerte Funes sich nicht nur an jedes Blatt jeden Baumes in jedem Wald, sondern auch an jedes einzelne Mal, da er es gesehen oder sich vorgestellt hatte.
Ich vermute allerdings, dass er zum Denken nicht sehr begabt war. Denken heißt, Unterschiede vergessen, heißt verallgemeinern, abstrahieren."
(S. 15)



Dieses einleitende Zitat bringt den Inhalt des Buches auf den Punkt, sprich wir würden an unseren Erinnerungen ersticken, wenn wir nicht die Chance hätten sie zu vergessen. Wie dieses Vergessen von statten geht, versucht Small auf zellbiologischer Ebene zu erklären, und dazu gibt es im Buch ein paar anschauliche Bilder des Gehirns die zeigen, wo bestimmte Prozesse ablaufen. Doch die Kluft von den Zellen, den Nerven und Hirnarealen zu den gefühlten Erinnerungen wird auch von diesen Bildern nicht überbrückt. Hilfreich sind am ehesten die Beispiele, die von Small angeführt werden. Insbesondere wenn er sich selbst als „Versuchskaninchen“ hinstellt.

Small ist in Israel aufgewachsen und hat als Soldat traumatische Erlebnisse erfahren. Es scheint, als habe er diese Erlebnisse sehr gut verarbeitet, sodass sie ihn heute nicht mehr verfolgen. Die Frage ist, wie ihm dies gelungen ist, wie er diese Gräuel weitgehend vergessen konnte. Anscheinend trägt die Gemeinschaft der Soldaten, mit denen er die schrecklichen Ereignisse teilte, bedeutend dazu bei. Sofortiger, gemeinsamer satirischer Umgang mit diesen Fakten und geradezu geschmacklose Scherze haben anscheinend dazu beigetragen, dass Small und seine Kollegen relativ unbeschadet aus dieser Situation hervorgegangen sind.

Unabhängig von diesen Beispielen ist das Buch schwer zu lesen. Selbst ich als Biologin muss mich stark konzentrieren und finde dennoch nicht die Antworten, die ich mir wünschen würde. Dies liegt vermutlich daran, dass die Neurowissenschaften immer noch an grundsätzlichen Rätseln knabbern, die es zu lösen gilt.

Wer sich detailliert für das menschliche Gehirn interessiert, für den ist das Buch gut geeignet. Small versucht die Dinge, die er beschreibt, anschaulich rüberzubringen. Trotzdem bleibt die Materie als solche über weite Strecken trocken. Damit richtet sich das Buch eher an Fachkollegen und Experten, obwohl der Titel an eine andere Zielgruppe denken lässt.


Ellen Norten - 3. Dezember 2022
ID 13945
hogrefe-Link zu Vergessen - macht Platz für Wichtiges


Post an Dr. Ellen Norten

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