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Krimi

Die Hoffnung

stirbt zuletzt





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Die Liste der Bücher, die Philip Kerr schrieb, ist lang. Allein die Serie um den Privatdetektiv und ehemaligen Kriminaloberkommissar Bernhard Gunther umfasst 14 Bände, dazu kommen Jugendbücher und andere Werke. Philipp Kerr war ein echter Vielschreiber. Sein letztes Buch um Bernie Gunther erschien 2019, ein Jahr nach seinem Tod. Nun ist ein weiteres Buch von ihm herausgekommen, ein Buch, bei dem ich nicht weiß, ob der Autor es wirklich veröffentlicht sehen wollte.

Philip Kerr liefert mit diesem Roman [184.4]eine Hommage an Orwells Klassiker 1984, was schon im Titel angedeutet wird. In der schönen neuen Welt im Jahr 2034 sind alte Menschen überflüssig. Sie „stehlen“ den leistungsfähigen Bewohnern im Staat wertvolle Ressourcen, und so werden sie von einer staatlichen Einrichtung, die sich verklausuliert "Senior Service" nennt, gejagt und erschossen. Die jugendlichen Vollstrecker haben kein Unrechtsbewusstsein, denn sie sind mit der altenfeindlichen Ideologie aufgewachsen und haben darüber hinaus gelernt, dass der Gnadenschuss, intern als "Bananensplit" bezeichnet, den alten Menschen nur endloses Siechtum und Demenz erspart.

Florence, die Protagonistin, ist von dieser Ideologie überzeugt und will im Senior Service Karriere machen. Doch zufällig lernt sie Eric kennen, einen gefühlsbetonten Sohn aus besserem Hause, der in der neuen Gesellschaft mit schalen Witzen für Unterhaltung sorgen muss. In ihm schlummern Gefühle, die ihn immer wieder ins mittlerweile unpopulär gewordene Kino treiben. Dort schaut er sich den alten Weihnachtsfilm Das Wunder von Manhattan an. Doch Florence weiß kaum, was ein Spielfilm ist, und Weihnahten ist ihr völlig fremd. So muss Eric ihr den Sinn des Festes erklären.


"Am meisten von allem gefiel mir, dass es bei Weihnachten um Glauben ging, um den Glauben an Dinge, die man nicht sehen kann und für die es keinen Beweis gibt. Absolut keinen. Das hat Weihnachten zu so etwas Besonderem für all die Menschen gemacht. Sonst ist das Leben einfach hässlich, wenn es nur von Fakten und Beweisen, Zweifel und Logik und jeder Menge anderer kalter, harter Dinge bestimmt wird, die nichts mit dem zu tun haben, wie wir empfinden. Ja, das war vielleicht das schönste Geschenk, das man sich wünschen konnte. Etwas, an das man glauben konnte." (S. 180)


Schon beim ersten Treffen verlieben sich Florence und Eric unsterblich ineinander. Damit nimmt das moderne Märchen seinen Lauf. Denn obwohl Florence eine ausgebildete Todesschützin ist, nimmt sie die Gefühlswelt von Eric soweit gefangen, dass sie vom Saulus zum Paulus wird. Eine einzige Begegnung reicht aus, um in ihr eine Kaskade an Gefühlen loszutreten.

Die Liebenden bekommen ihre Chance, die jedoch winzig ist. Trotzdem plant Florence die Revolution gegen die Mächtigen, die durch Winston personalisiert ist. Bilder vom ehemaligen Premierminister hängen an allen wichtigen Orten, und der Big Brother beobachtet jeden seiner Bürger. Florence will als gut getarnte Killermaschine des Senior Service das System unterwandern und den Menschen ihre Gefühle zurückbringen.

Wenn es doch so einfach wäre. Philipp Kerr vermittelt Hoffnung für aussichtslose Situationen, doch greifen diese so weit, sind so unrealistisch, dass sie einfach nur ein schöner Traum sein können. Doch vielleicht träumt der Revolutionär tatsächlich diesen Traum, und der Umsturz beginnt bei einem einzigen mutigen Menschen.


Ellen Norten - 29. Januar 2021
ID 12719
Verlagslink zu 1984.4 von Philip Kerr


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