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Krimi

Mörderische

Clique





Bewertung:    



Sie kennen sich seit der Schulzeit, und sie eint ein Thema: die Liebe zur Literatur. So tummelt sich im Sommer 1983 eine Clique Jugendlicher um den Verlegersohn Götz Winterscheid. Dieser ist jedoch der einzige in der Runde, den das Thema nicht interessiert und der heimlich entgegen den Wünschen seines übermächtigen Vaters Medizin studiert. Auf der französischen Insel Île de Noirmoutier stirbt der abtrünnige Sohn bei einem Badeurlaub mit den Freunden. Die hinterbliebenen Jugendlichen nutzen ihre Nähe zu den trauernden Eltern für ihre eigene Karriere. Insbesondere Alex übernimmt die Stelle des Ertrunkenen und steigt im Verlag zum zweitwichtigsten Mann auf, während die anderen erfolgreiche Verlagsmitarbeiter, Literaturagenten oder Kritiker werden.

Fünfunddreißig Jahre später sterben zwei von ihnen unter ungeklärten Umständen - Unfall? Selbstmord? oder gar ein Verbrechen? In einem Krimi sollte letzteres der Fall sein, die Frage ist nur, wer steckt dahinter, und gibt es am Ende einen Zusammenhang zu dem ersten Toten auf der französischen Urlaubsinsel? So weit, so gut, davon handelt der spannende Krimiplot, der unerwartete Wendungen bereit hält und auch manch düsteres Geheimnis zu Tage fördert. Die ermittelnde Kommissarin Pia Sander hat in ihrem zehnten Fall ihren eigenen Fokus auf die Dinge entwickelt, den sie gegenüber ihrem Kollegen Oliver von Bodenstein referiert.


"Anders, als Bücher und Filme suggerierten, handelt es sich bei Mördern oder Totschlägern nur in den allerseltensten Fällen um eiskalte Psychopathen oder wahnsinnige Serienkiller, die einer inneren Stimme folgten oder im Blutrausch töteten. In der Realität waren die Täter häufig im privaten Umfeld des Opfers zu finden und ihre Motive so gut wie immer erschreckend profan: Rache, Neid, Eifersucht, Habgier oder Angst vor Strafe." (Nele Neuhaus, In ewiger Freundschaft, S. 212)


Hier kommt wohl nicht nur Pia Sander, sondern die Autorin selbst zu Wort und fädelt so geschickt ihren eigenen Handlungsverlauf ein.

*

Der Krimi In ewiger Freundschaft liefert tiefe Einblicke in die Verlags- und Literatenszene, die Nele Neuhaus als Erfolgsautorin zweifelsohne hat. Natürlich sind Ähnlichkeiten zu tatsächlich existierenden Personen nicht beabsichtigt, doch vermute ich, dass es manch lebendes Vorbild gibt und dass die Autorin vielleicht sogar manchem Widersacher einen kleinen Denkzettel verpasst. Leider bin ich auf diesem Gebiet keine Insiderin, weiß lediglich, dass es auch Kulturschaffende gibt, die ihre Hände nicht bei sich behalten können und dass die Sexismus-Debatte sicher nicht auf den Filmbereich beschränkt bleibt. Aber das sind pure Spekulationen.

Konkret erfahren wir, wie ein moderner Verleger sein Haus in unserer Zeit erfolgreich zu führen hat. Hohe Kunst verkauft sich schlecht. Nobelpreisträger schreiben keine Bestseller, sondern es ist der Mainstreamroman, der die Kassen klingeln lässt. So ändert auch der junge Verleger Henri Winterscheid, der seinen alternden Onkel beerbt, massiv das Verlagsprogramm. Statt hoher Kunst vertreibt er gut verkäufliche Krimis, statt anspruchsvoller Lyrik präsentiert er lieber ein populäres Sachbuchprogramm. Diesem Erfolgsrezept folgt die Autorin mit ihren Romanen selbst und zählt wohl zu den meistverkauften Autorinnen Deutschlands. Und damit dies auch bei dem aktuellen Buch so bleibt, gibt es zudem noch eine angedeutete Liebesgeschichte: Die arme Junglektorin und der steinreiche Verleger finden zwischen all den Verbrechen zueinander. Und um es für den Leser insgesamt noch ein wenig übersichtlicher zu gestalten, wird am Ende klar erkennbar, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Dazwischen scheint es anscheinend keine Charaktere zu geben. Das sind für mich deutliche Kritikpunkte, die mir trotzdem die Lust an der Lektüre nicht genommen haben. Es ist ein wenig wie bei jener Fastfoodkette, bei der angeblich kaum jemand isst und die doch zu den etabliertesten nicht nur in Deutschland zählt.


Ellen Norten - 27. Januar 2022
ID 13424
Ullstein-Link zu In ewiger Freundschaft von Nele Neuhaus


Post an Dr. Ellen Norten

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