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SF-Kurzgeschichten

Die Zukunft

künstlicher

Intelligenzija





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Wer erinnert sich nicht an den Teddy an seinem Kinderbett, den Plüschhasen, die Puppe oder andere lustige Wesen, denen wir unsere kleinen Geheimnisse anvertrauten, die uns bei Krankheiten zur Seite standen, um dann irgendwann in Vergessenheit zu geraten. Wir wurden älter und merkten, dass die einst so geliebten Geschöpfe nur aus toter Materie bestanden, dass ihr noch so niedliches Gesicht keine echten Emotionen ausdrückte.

Die Technologie schreitet voran, solche Kunstwesen sagen mittlerweile nicht nur „Mama“, sie können laufen und einige possierliche Bewegungen präsentieren. Doch spielen wir den Gedanken weiter. In der Zukunft könnte es Roboter geben, die ein Haustier perfekt imitierten, vielleicht sogar ein Eigenleben entwickeln und so unerwartet Emotionen in uns hervorlocken. Und wer dem possierlichen Fellknäuel den stromliefernden Schalter umlegt, darf einen qualvollen Kampf, der zum „Tod“ des Hausgenossen führt mit ansehen. Noch gibt es solche Pseudohaustiere nicht, doch das könnte sich ändern. Ein Thema, dass in der Geschichte Ein Wochenende mit Salome vom M.P. Anderfeldt in allen Konsequenzen durchgespielt wird und zu einem grausamen Ende führt. Doch es sind eben nicht nur Haustiere, denen künstliche Intelligenz, kurz KI in der Anthologie zu eigenem Bewusstsein verhilft.

"Algorithmen werden lernen, menschliche Emotionen zu lesen. Solche KI wird uns besser verstehen als die engsten Freunde, denn sie weiß mehr. Sie weiß, welche Musik gerade gut tut, welches Buch man lesen sollte, was man essen will. Sobald wir uns damit besser fühlen als vorher, geben wir uns in die Hände von KI und wollen nicht mehr darauf verzichten. So wie wir vor einigen Jahren gemerkt haben, dass wir mit Navigationssystemen besser fahren als ohne und wir uns mittlerweile darauf verlassen", bemerkt der Herausgeber im Vorwort seiner Anthologie Massaker in Robcity.

Es sind die Serviceroter, die Gehilfen, die in humanoider Verpackung den Menschen verwöhnen, doch vielleicht auch ihre eigenen Forderungen entwickeln. So wollen sie nicht länger Arbeitssklaven sein, sondern stellen in der titelgebenden Geschichte von Guido Seifert bei den Vereinten Nationen einen Antrag auf Gleichstellung, dem stattgegeben wird. In RobCity „leben“ sie nun, die Blechköppe, wie sie despektierlich von den ermittelnden menschlichen Beamten genannt werden, die ein Massaker in der Roboterstadt aufklären sollen. Doch wie sieht ein Massaker unter Robotern aus? Zukunftsvisionen und Gedankenexperimente machen die Geschichten dieser Anthologie spannend und lesenswert.

Es stellt sich die Frage, ob komplexe Programmierungen tatsächlich irgendwann dazu führen könnten, dass Roboter ein eigenes Bewusstsein entwickeln, mit Gefühlen, Selbstreflektionen und Eigenständigkeit. Wesen, die sich gegen ihre Erbauer erheben, Machtstrategien entwickeln und so vielleicht sogar einen Sieg über ihre Schöpfer davontragen könnten? Oder andersherum, könnten sie diese auch moralisch überholen und für eine „bessere“ Welt stehen?

Sechzehn Geschichten spinnen Szenarien, in denen die Gesellschaft lernen muss, mit den künstlichen Wesen umzugehen. Obwohl die Geschichten das gleiche Thema als Grundlage haben, sind sie gut aufeinander abgestimmt.

Der Herausgeber Jürgen Rink ist Redakteur der Computerzeitschrift c´t´. Alle Geschichten sind dort schon einmal erschienen, doch es stört hier nicht, dass es sich in der Anthologie um keine Erstveröffentlichungen handelt. Lediglich die regelmäßigen Leser der c´t´ stoßen bei der Lektüre auf alte Bekannte, die nun allerdings in einem attraktiven Buch gebündelt daherkommen. Für alle anderen Leser dürften die Geschichten neu sein.



Ellen Norten - 20. Juli 2019
ID 11576
Weitere Infos zur SF-Anthologie Massaker in Robcity


Post an Dr. Ellen Norten

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