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Krimi

Ruf der Heimat





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Obwohl Margareta Sommerfeld in ihrem siebten Fall zur Profiermittlerin aufgestiegen ist, kommt ihr unfreiwillig ein Mordfall „dazwischen“, der für sie kaum Honorar abwerfen wird. Ihr Bruder Gisbert steht unter Verdacht den Makler Fritz Stalewski erdrosselt zu haben. Margareta hat nicht das beste Verhältnis zu ihrem Bruder, und die Bergarbeitersiedlung mit ihren Bewohnern geht ihr gehörig auf die Nerven, doch gleichzeitig ist sie dem Milieu von Herzen verbunden. Die Menschen dort sollen aus ihren Häusern vertrieben werden, und so kann sie sich dem Ruf der Heimat nicht entziehen und steckt mittendrin in den Mordermittlungen.


"Sie parkte ihren Polo unweit des Kiosks und musste schmunzeln, während sie auf den skurrilen Sonntags-Treffpunkt zuging. So viele Personen hatten sich bisher noch nie um den roten Tisch versammelt. Im selben Moment fuhr ein dunkelblauer Daimler vor, zwängte sich in eine freie Parklücke direkt vor ihnen und fuhr dabei mit Schmackes durch eine Pfütze, die der Regen im Rinnstein gebildet hatte. Eiskaltes, schmutziges Wasser ergoss sich über Margarethas neue Boots sowie über die hellblaue Jeans. Dieses Ferkel.
Der smarte Typ im Cordanzug, Mitte 40, dunkelhaarig mit braunen Augen, stürzte auf sie zu, deutete einen albernen Handkuss an und entschuldigte sich tausendfach.
(…) Als er sich endlich vorstellte, fiel Margareta die Kinnlade herunter. Das war also Peter Zielinski, der gefürchtete Spekulant, der eigentlich nur im Dunkeln agierte, wie ihr erzählt wurde." (S. 81)


Doch das Objekt der Begierde rechtfertigt für ihn anscheinend inzwischen das persönliche Erscheinen. Die eher spartanischen, aber historischen Häuser bieten das Potential zu Luxusrenovierungen und „hippem“ Wohnstil. Und so sollen die alten Bewohner ihre Bleibe räumen, um den Repräsentanten einer neuen Zeit zu weichen. Vollstrecker dieser geplanten Umsiedlungen ist Zielinski, doch die Mordopfer sind seine Makler, denn auch Stalewskis Nachfolger überlebt seine Aufgabe nicht.

Bewohner mit Motiv für diese Morde gibt es zugenüge. Und diese Menschen lernen wir kennen. Ob es der Trinkhallenbesitzer Martin Bahlke ist oder der alternde Junggeselle von nebenan, der ehemalige Kumpel oder die spießigen Nachbarn, sie aller vertreten eine Periode, die es bald nicht mehr geben wird. Denn die Zechen starben vor vielen Jahren, und die alte Grubenmentalität erhält keinen Nachschub. Margit Kruse kann die Ruhrgebietsmenschen schildern wie kaum eine andere. Schade, dass Gelsenkirchen selbst als Stadt nicht erwähnt wird - schade, denn Gelsenkirchen steht nicht nur für Schalke 04, sondern auch für das Herz des Ruhrgebiets. Da wir beide im gleichen Stadtteil aufgewachsen sind, erkenne ich in den Charakteren das typische der Bewohner wieder. Es hätten auch meine Nachbarn sein können, in deren Wohnstuben wir gucken und so ist die Lektüre nicht nur spannend auf Grund der Morde und den damit verbundenen Ermittlungen, es ist auch ein Besuch im Ruhrgebiet an einer Stelle, wo alte Traditionen noch verhaftet sind, die Menschen ihren eigenen unaufgeregten Umgang mit einander pflegen und doch dem Umbruch in eine neue Zeit nicht entgehen können.



Ellen Norten - 14. Mai 2020
ID 12238
Verlags-Link zu Bergmannserbe von Margit Kruse


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