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nachDRUCK # 2

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Krimi

Neues von

der Bestie

Mensch





Bewertung:    



Urplötzlich stößt du, und beinahe wie von selbst, im Netz auf einen Buchtitel, der dich ganz unerklärlich "anmacht" und den du daher, obgleich du nirgendwo und nirgendwann von ihm etwas erfahren haben wirst, erwerben also lesen willst; und dein Entschluss wird Tat, und 1, 2 3 bestellst du ihn im Netz - und 1, 2, 3 wird er dir bis an deine Wohnungstür geliefert, und schon hast du ihn...

*

Menschliche Abgründe sind in dem Psychothriller Gnade Dir zuhauf erlesbar - das scheint mir geübtem oder weniger geübtem Krimileser noch kein eigentlicher Vor- bzw. Nachteil für bzw. gegen eine sich im kriminellen Abseits aufhaltende und bewegende sowie entwickelnde oder (mehr noch:) ermittelnde Geschichte, die die Vor- und Jetzt- und Nachhandlung zu einem ganz bestimmten Mord, um den es meistenfalls in Krimis geht, zu sein. Vielmehr das Was und auch das Wie erweisen sich, rein lesepraktisch, ausschlaggebend dafür, ob ich halt an der Geschichte jenes Krimis dran bleibe, ob sie mich bis zum Ende packt und ich - im Umkehrschluss - wieder ein Stückchen mehr dann auch von mir und meinen insgeheimen (kriminellen) Regungen und Fantasien neu hinzu erfahre, ob ich es vielleicht sogar für möglich halten könnte, mich mit Tätern oder Opfern - oder Opfern oder Tätern, was in dieser Reihenfolge schon dann einen Unterschied ausmacht - zu intendizifieren. Sympathie/Antipathie, Appetit/Ekel, Zu-/Abneigung, all solche merkwürdig-irrwitzigen Intuitionen stellen sich bei der Lektüre der wohl meisten Krimis ein.

Im Klappentext jenes von mir in einem wahren Leserausch (anderthalb Tage!) schier in mich hinein gefressenen Romanes von Joe Balley wird der Plot wie folgt skizziert:



"Der Psychiater Bas Jakobsen wird an den Ort seiner früheren Tätigkeit gerufen, die Psychiatrische Klinik in Aaren: Der ehemalige Kollege Arjen Barnet bittet ihn um Hilfe in einem komplizierten Fall. Derek, ein totgeglaubter Patient, taucht eines Tages auf und behauptet, den Sohn von Mareike Dekker ermordet zu haben. Der Verdächtige spricht davon, aus dem Reich der Toten zurückgekehrt zu sein"


Keine Sorge, nein, denn weder Transzendentes noch Okkultes wird in diesem raffiniert gebauten Buch (20 Kapitel, 9 erzählende Personen) groß verhandelt, also dieser Neben-Fakt von wegen "aus dem Reich der Toten zurückgekehrt" ist unserm Autor keine weitere prosaische Beschäftigung groß wert, er wirft ihn lediglich, und wie gesagt, als psychiatrisch diskussionswürdigen Neben-Fakt in die Erzähler- und Erzählerinnenrunde; viele der "Beteiligten" stammen dann übrigens, wen wundert es, aus dem illustren Arztmillieu.

Die meisten der neun handelnden sowie erzählenden Protagonisten kennen sich, und zwar schon von der Schulzeit her. Es gäbe daher, wie ich spekuliere, irgendeinen vorgeschichtlichen Zusammenhang. Der Ort der Handlung, dieses holländisch zu lesende oder empfund'ne Aaren, das dann allerdings, obwohl in Grenznähe, gewiss als kleine deutsche Universitätsstadt aufgeschrieben steht, ist fiktional; die Handlungsträger haben ebenso, wie dieses Aaren, holländische Namen. Die Ereignisse einschließlich des/der Morde(s) spielen sich in Aaren, aber auch in Köln oder in Belgien, an der Nordsee ab.

Zusammenfassend will ich - ohne dieser Kriminalgeschichte durch die Preisgabe ihrer Fall-Auflösung verräterischerweise vorzugreifen - mitteilen, dass es sich bei dem Psychothriller Balleys um ein mehr als konsequentes und nicht minder variantenreiches Vorführspiel von "Liebe, Lust & Leid" handelt. Begehren und Begehrtsein, exzessive Eifersüchte und der unbedingte Wille zur Bestrafung für gewisses Unerwidertes (sprich einseitige Liebe) lassen die Geschichte, die aus neun diversen Perspektiven vor- und nacherzählt wird, spätestens ab zweiter Hälfte dieses Buches ungeahnt und ungeordnet explodieren. Und das anfängliche Interesse an der bipolar gestörten und in permanentem Mordverdacht geratenen Persönlichkeit von Derek [s. Plot] weicht dem noch weitaus Ungeheuerlicheren, was alles so in dem geschilderten Zusammenhang passierte und passiert.

Und solche Sätze, wie ich sie mir mit dem spitzen Bleistift während der Lektüre unterstrich, weisen den Autor a priori als exorbitanten Menschenkenner und auch Philosophen aus:



"...die Liebe macht Monster aus uns." (S. 49)

"Jeder, der liebt, zerstört. Oder wird zerstört." (S. 108)

"Ich will mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlen würde, zwanzig Jahre verliebt zu sein. Hölle." (S. 133)


Ungefiltertes von Bestie Mensch zu Bestie Mensch - zum Bersten spannend, und schockierend obendrein.

Greif zu!



Andre Sokolowski - 9. November 2021
ID 13283
Jo Balley, Gnade dir
Roman
Taschenbuch: 256 Seiten
Preis: 6,61 €
Hg.: Independently published
ISBN: 979-8670532976



Link zu Gnade Dir von Jo Balley


https://www.andre-sokolowski.de

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