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Zu Beginn steht die Suche nach Solveig Fischer. Seit einem Jahr wird die Verfassungsschutzmitarbeiterin vermisst. Es scheint, als sei inzwischen nur noch Kriminalrätin Melia Adan am Auffinden der ehemaligen Kollegin interessiert. Sie schlägt mittlerweile ungewöhnliche Fahndungswege ein und macht sich sogar über die Fernsehsendung Aktenzeichen XY ungelöst auf die Suche, ohne Erfolg. Ihre Kolleginnen und Kollegen stehen ihrem Treiben eher kritisch gegenüber.

Schnell tauchen wir ein in das Umfeld der Ermittlerin, ein Geflecht aus verschiedenen Behörden und Dienststellen, von KK 1 bis KK 43. Selbst der versierte Krimileser dürfte mit dem Wust an Abteilungen und Organisationen überfordert sein, und der dem Text vorangestellte „Stammbaum“ dazu hilft auch nur mäßig weiter. Also lasse ich mich in die Handlung hineinziehen.

Eine junge Studentin wird in ihrer Wohnung erstochen: grundlos, wie es scheint.

Schnell eröffnet sich eine ganze Kette von Zusammenhängen, die in die Büros der verschiedenen Behörden und Unternehmen führen. Überraschend kommt es zu einem zweiten Toten, diesmal ist es der Lebensgefährte der Studentin. und wir kennen den Mörder, der erschreckend emotionslos die Tat begeht. Die Leichtfertigkeit, mit der dies geschieht, wirkt fast unglaubwürdig, da Täter und Opfer seit Jahren gut miteinander befreundet sind. Weitere Gewalttaten folgen. Dabei lernen wir Roland kennen, einen ehemaligen Afghanistankämpfer, heute Neonazi und im rechtsradikalen Milieu aktiv. Seine Denke wie auch seine Taten werden ausführlich geschildert.


"Ein einsamer Vermummter schlich mit einer Sprühdose umher. Als er sich zur Plakatwand hochreckte, warfen sich die Männer auf ihn und prügelten ihn windelweich, bis die Polizisten sich erbarmten und ihn wegschleiften. Das Blitzlicht des Zeitungsmanns erhellte erneut die Nacht. Dann hatte er genug für seine Story.

Zuletzt torkelte ein Obdachloser heran. Er packte sein Würstchen aus, und begann den Porsche anzupissen. Rolands Leute gaben ihm Dreck zu fressen, entkleideten ihn und pissten ihn an. Roland verteilte weitere Schnapspullen zur Belohnung.

Sie feierten den Sieg der Ordnung gegen den Antifa-Terror und Chaos. Noch ein Streifenwagen hielt. Die Flaschen kreisten. Die Party erreicht den Höhepunkt."


(Horst Eckert, Die Stunde der Wut, S. 246)



Auch Roland könnte mit dem Verschwinden der vermissten Verfassungsschutzmitarbeiterin und den Mordopfern in Verbindung stehen. Alles in allem ist die Handlung unübersichtlich und nur zum Teil plausibel.

Die politische Haltung des Autors wird bei der Lektüre deutlich. Die sympathische Ermittlerin Melia Adan ist dunkelhäutig. Die kurdische Familie des zweiten Opfers kommt trotz kriminellem Mitläufertums eindeutig sympathisch rüber. Rechtsradikale und Neonazis werden in ihrer ganzen finsteren Bandbreite gezeigt. Das ist gut so, diese Dinge gibt es, sie sind verstörend, und sie sollen nicht beschönigt werden. Im Buch häufen sie sich, sind der Handlung nicht immer zuträglich und wirken zum Teil nach Selbstzweck. Zudem werden manche Handlungen dadurch vorhersehbar. Mir ist nicht klar, inwieweit der Autor solch tiefe Einblicke in Geheimdienste, Verfassungsschutz und Kriminalämter hat. Die Stunde der Wut empfindet er sicher selbst und gibt sie an seine Leser weiter. Es ist ein aufrüttelndes Buch, vielleicht orientiert es sich an realen Figuren, doch die kann zumindest ich nicht identifizieren. Wäre es so, so wäre es ein gelungener Politthriller, und vielleicht ist er es. Vielleicht ist es aber nur ein mäßig spannender Krimi, dem die dunklen Verflechtungen mehr Farbe verleihen sollen. Damit wären sie zum Selbstzweck verkommen. Bei allen üblen Machenschaften und Beziehungen präsentiert sich uns das Ende fast zu banal. Knall und Donner, die sich ankündigen, versacken und lassen zumindest mich als unzufriedenen und enttäuschten Leser zurück.


Ellen Norten - 4. April 2021
ID 12852
Heyne-Link zum Thriller Die Stunde der Wut


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