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Buchkritik

Der harte Kampf

um Liebe und

Gerechtigkeit





Bewertung:    



Kriminaloberkommissar Max Heller ist mir bereits aus mehreren Bänden bekannt. Der knorrige Ermittler aus Dresden, der im Nachkriegsdeutschland, später in der DDR ermittelt, offenbart in diesem Buch seine Herkunft, seinen nahezu aussichtslosen Kampf um seine große Liebe und den schweren Gang auf der Suche nach Gerechtigkeit.

1917 tobt der Erste Weltkrieg. Damals waren die jungen Soldaten jubelnd in den Krieg gezogen, der schnell zum Alptraum wurde. Während die Bevölkerung stolz auf ihre Helden war, verreckten die Männer in den Schützengräben, wurden durch Granateneinschläge oder durch Giftgas zu Invaliden. Auch Heller wird schwer verwundet, keiner der umstehenden Kameraden überlebt. Vom Krieg gezeichnet und schwer hinkend kehrt er nach Dresden zu seinen Eltern heim.


"Heller holte tief Luft und machte die letzten Schritte. Er streckte seine Hand nach der Ladentür aus. Doch in diesem Moment öffnete sie sich bereits, das Glöckchen darüber läutete, und seine Mutter trat ihm entgegen, eine schmale Holzsteige mit Äpfeln unter einem Arm.
'Gehen Sie nur schon rein“, sagte sie. „Bin sogleich zurück! Zigaretten sind aber gerade aus.' Heller erstarrte. Wie eine Schaufensterpuppe drehte er sich auf der Stelle und folgte ihrer Bewegung. Er sagte nichts und rührte sich nicht.
Und auch sie erstarrte jetzt vor dem Schaufenster. Die Holzsteige fiel zu Boden, die Äpfel hüpften heraus und rollten vom Bordstein auf die gepflasterte Straße.
'Lieber Herrgott im Himmel…', stöhnte seine Mutter.
'Ich bin wieder zurück', flüsterte Max Heller so leise, dass er nicht wusste, ob seine Stimme ihre Ohren überhaupt erreichte. Er fühlte sich elend. Sie hatten ihn nicht erwartet. Sie hatten ihn für tot gehalten."


(Frank Goldammer, In Zeiten des Verbrechens, S. 19)



Das, was man sich von ganzem Herzen wünscht, die Rückkehr des Sohnes aus dem Krieg, wird zum Problem. Ein hinkender Heimkehrer könnte auch ein Drückeberger sein. Zuhause wurde nicht über die Gräuel an der Front berichtet, und so trifft der junge Heller immer wieder auf Verständnislosigkeit für seine Situation und die Erlebnisse, die er zu verarbeiten hat.

*

In diesem Buch [In Zeiten des Verbrechens von Frank Goldammer] vermischt sich der kriminelle Inhalt mit der zutiefst menschlichen Suche nach Liebe und nach einem Beruf, einer Lebensaufgabe. Noch ist Heller kein Kommissar, sondern er steht vor der Wahl für Gerechtigkeit zu kämpfen oder den vermeintlich leichteren Weg zu gehen und selbst im halblegalen Fahrwasser dieser unruhigen Zeit erfolgreich mitzuschwimmen. Heller wird Polizist.

Da kommt es in seinem Viertel zu einem Brand, und eine alte Frau, die als Hexe diffamiert wurde, stirbt. Heller wittert ein Verbrechen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, was ihm nicht zusteht. Zeitgleich begegnet er einer jungen Frau aus besserem Hause, die trotz der Standesunterschiede ernsthaft für Heller Feuer gefangen hat.

Dramatische Handlungsstränge greifen ineinander, und Heller kämpft diesmal in seiner Heimat gleich an mehreren Fronten. Gerechtigkeit scheitert dabei immer wieder an internen Machtstrukturen, die in einem Mordaufruf gegen Heller gipfeln. Heller bleibt seinen Prinzipien treu, gibt nicht auf und versucht zudem, den Stolz, der seine Eltern fast in den Ruin treibt, zu überwinden. Denn da gibt es noch einen Großvater, der als ehemaliger Kriminalrat a.D. über einige Einblicke verfügt und der wenigstens seinem Enkel die Hilfe anbieten möchte, die sein Sohn aus Stolz von ihm nicht entgegennimmt.

Es ist ein spannendes Buch, dass viel über Gefühle und Charaktere erzählt. Dabei bleibt der Krimi keineswegs auf der Strecke, sondern sorgt für Spannung und Überraschungen. So liefert dieser aktuelle Band Einblicke in das Seelenleben eines Kommissars, den ich bereits in den vorangegangenen sieben Bänden als Protagonisten sehr geschätzt habe.


Ellen Norten - 2. April 2024
ID 14683
dtv-Link zu Frank Goldammers In Zeiten des Verbrechens


Post an Dr. Ellen Norten

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