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Frank Klötgen ist ein Slammer der ersten Stunde und ein Wortkünstler von Rang, dazu ein begnadeter Performer. Man sollte ihn nicht nur lesen, man muss ihn eigentlich gehört haben. Gelegenheit gab es in München in letzter Zeit immer wieder. Klötgen ist Mitglied der neuen Formation der hochkarätigen „Lach- und Schießgesellschaft“. Außerdem wirkt der ehemalige deutsche Vizemeister im Skateborden seit 30 Jahren als Sänger und Texter der Band Marylin´s Army. Ebenso lange ist er auf allen möglichen Lesebühnen der Welt zu Hause, viele seiner Texte sind bereits ins Englische, Arabische, Italienische oder Tschechische übersetzt: Pünktlich zum Trauermonat November hat er seinen neuen Gedichtband vorgelegt: Lebhaft im Abgang – Tödliches und Tröstliches.

Trost braucht er jetzt selber, denn die meisten seiner Präsentationen in München mussten wegen Corona abgesagt werden - wie so vieles. Gefrustet floh Klötgen lt. Facebook nach Italien - und wir? Wir sind froh über die Audiolinks, die der Sammlung beigefügt sind. Da finden sich vielstrophige Kleinodien, wie Das Kleid für Frau Eleanor, der Krüss´sche Tantenmörder oder Mörike reloaded Frühling lässt sein blaues Band. Klötgen at his best.

Klötgen ist überhaupt ein Meister des Riposte-Gedichts, der Nachdichtung oder Parodie von abgenudelten Klassikern. Wer kennt nicht Gustav Schwabs Der Reiter und der Bodensee! Bei Klötgen helfen die Ertrunkenen dem Mann übers Eis: „Tief unten und in Bodennäh´/ Hart auf dem Grund vom Bodensee/ Die Reiterschar, die übers Jahr/ So durch das Eis gebrochen war“. Leider halt dann doch vergeblich: „Und nun...bitte, nein! Gott, das glaub ich jetzt nicht!,/ Na, ihr kenn ja das Ende vom andren Gedicht!“


Jetzt aber zurück auf Anfang. Das Cover ist schwarz, darauf ein zerbrochenes Glas, in dem noch ein Rest Roter stehen geblieben ist. Bilder (Illustration: Jussi Jääskeläinen) und Texte wie ein guter Wein: Die Farbe tief, dunkel, beinahe schwarz. Das Bukett reich, komplex und vielfältig. Geht es doch um so gut wie alles: Unglücksfälle, Fremdverschulden, Lebenskämpfe, Natürlicher Tod, Trauer um Geliebtes und Altern. Reife, feine Gerbstoffe verleihen den Gedichten Kraft, Körper und Gehalt, aber auch trockenen Witz („Wenn die Eisschicht dir verspricht,/ Dass sie keinesfalls zerbricht“). Die Verse im Charakter spritzig bis spielerisch („aua! jault der Kabeljau/ Als die Gabel ich genau/ Ihm in seinen Nabel hau“), sorgsam ausgebaut, wie auch von brillanter Klarheit („Es war´n in meinem Fall sowohl/ Aufprall als auch Alkohol/ Mit im Spiel/ Als ich fiel“), dabei nachhaltig und melancholisch end- bzw. paargereimt: „Du fragst dich – vor einen Spiegel gestellt/ Wolltest Du nicht etwas mehr von der Welt?“ - Im Abgang lebendig wie schon gesagt.

Klötgen befindet sich aufs Schönste im Dialog mit Hochkultur und Alltagssprache, mit Tiefsinn, Unsinn und Irrsinn. Robert Gernhardt, Erich Kästner und Heinz Erhardt lassen grüßen. Und freuen sich mit uns, wenn der Dichter wieder in seine Wahlheimatstadt München zurückkehrt mit „Binnenlichtblicken“.


Petra Herrmann - 23. November 2021
ID 13317
Satyr-Link zu Frank Klötgens Lebhaft im Abgang


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