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nachDRUCK # 2

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Sachbuch

Schwere, aber

gute Kost





Bewertung:    



Die Frage nach dem großen Ganzen hinter Welt und Kosmos, die Frage nach dem Beginn des Universums kennt viele Antworten. Schöpfung, Gott, Evolution, Naturwissenschaft oder einfach eine Idee von allem, was uns umgibt, kann die Antwort sein. Richtig oder falsch gibt es in diesem Zusammenhang nicht. Die mögliche Antwort hängt vom jeweiligen Standpunkt des Betrachters ab und ist oft - unbefriedigend. Auch ist es schwer seriöse Überlegungen von unseriösen zu trennen, und wer entscheidet in diesem Zusammenhang, was unseriös ist? Der Esoteriker hat den gleichen Anspruch auf sein Weltverständnis wie der religiös Gläubige oder der Naturwissenschaftler.

Wenn im vorliegenden Buch ein Physiker zu mehr Spiritualität ermutigt, so dürfen wir von einer naturwissenschaftlichen Grundlage ausgehen, in diesem Fall werden Philosophen und ihre Sicht der Welt mit herangezogen. Das ist keine leichte Kost, und auch wenn der Autor sich um gute Erklärungen bemüht und dies mit Fotos und Grafiken illustriert, bleibt Einsteins Relativitätstheorie und die Raumzeit immer noch eine Herausforderung für den Geist.


„In der Raumzeit legt alles eine zeitliche und/oder räumliche Distanz zurück. Wir erleben zeitliches Werden als 'Bewegen in der Zeit' (altern) und räumliches Werden als »Bewegen im Raum«. Aus meiner Perspektive gibt es nur zwei Extremtypen des Werdens: Ich selbst lege stets nur zeitliche Distanzen zurück (ich altere), aber keine räumliche Distanz (ich bewege mich nicht relativ zu mir selbst); Licht ist so schnell, dass es nur räumliche Distanzen zurücklegt, aber keine zeitliche Distanz. Daraus lässt sich der Schluss ziehen: Licht altert nie!“ (Markolf H. Niemz, Die Welt mit anderen Augen sehen, S. 30)


Wen dieses Zitat nicht abschreckt, der ist in dem Buch gut aufgehoben und wird den anderen (meist etwas leichter verständlichen Ausführungen) gerne folgen. Wer sich den Fragen (bezeichnet als Challenges) des Buches nähert, wird einige Gedankenarbeit leisten müssen, bekommt dafür aber plausible Antworten geliefert.

Im Fokus steht die Rolle des Lichts. Universal kennt es keinen Anfang und kein Ende, hat keine Materie und speichert doch alles, was um uns geschieht. Licht ist überall vorhanden, verbreitet sich mit Lichtgeschwindigkeit und überwindet sogar das Vakuum. Würden wir - das Beispiel liefert der Autor im vorliegenden Buch - auf einem Planeten, der 50 Lichtjahre von uns entfernt ist, mit einem Teleskop die Erde beobachten, so könnten wir bei entsprechender Auflösung Helmut Schmidt in seiner Zeit als Bundeskanzler beobachten. Ein faszinierendes Beispiel, dessen Beweis der Autor leider schuldig bleiben muss, da wir weder einen entsprechenden Planeten besuchen können noch über ein entsprechendes Teleskop verfügen. Außerdem hieß der Bundeskanzler vor 50 Jahren Willy Brandt.

Sechs Challenges stellt uns das Buch. Warum, so frage ich mich, werden diese Kapitel nicht einfach als Herausforderungen oder schlicht als Fragen bezeichnet? Es handelt sich nicht um ein Buch für Akademiker, obwohl die Lektüre zeitweise recht anspruchsvoll daherkommt. Die Fragen, die hier diskutiert und beantwortet werden, beschäftigen viele Menschen, auch ohne (natur-) wissenschaftlichen Hintergrund. Den Begriff „Bonuskapitel“ nach den sechs Herausforderungen finde ich irritierend, soll es doch die Belohnung für die Leser sein, die durchgehalten haben. Entweder ich lese ein Buch, weil es mich interessiert, oder ich lasse es sein. Dazu brauche ich kein Bonuskapitel. Eitel erscheint mir am Ende des Buches das Interview mit dem Autor, bei dem ich mich frage, warum er seine Antworten nicht direkt im Text des Buches untergebracht hat. Die Werbung für die Stiftung Lucys Kinder mag eine gute Sache sein, gehört für mich jedoch nicht in ein Buch, für dass ich Geld bezahle. Aber vermutlich bin ich mit dieser Äußerung schon aus dem Konzept des Autors ausgeschert, der schlussfolgert:


„Leider wird uns heute oft vermittelt, wie erstrebenswert 'lucky' sei. TV-Shows wie 'Wer wird Millionär?' und überzogene Lotto-Jackpots lassen immer mehr Menschen vom 'großen Glück' träumen. Doch dieses Glück ist lediglich das Glück, das ich haben kann oder nicht haben kann – es ist eben nicht das wahre Glück tief in meinem Herzen, das mich glücklich sein läßt. Glück-Haben geht nie in die Tiefe, weil ich all das, was ich habe, ebenso leicht auch wieder verlieren kann. Nur das, was ich hier und jetzt bin, kann mir niemand nehmen. Ich bin es – jetzt!" (S. 153)


Schade, der Autor hat einen guten Ansatz und viel Interessantes zu berichten. Er zieht interessante und bereichernde Schlussfolgerungen und versucht auch komplizierte wissenschaftliche Inhalte in ihrer Bedeutung verständlich rüberzubringen. Dies wäre eigentlich für ein Buch dieser Art befriedigend und ausreichend gewesen.


Ellen Norten - 19. September 2020
ID 12471
Verlagslink zum Sachbuch Die Welt mit anderen Augen sehen


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