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Roman

Tod am

Kreuz





Bewertung:    



Es ist zwar das Symbol des Christentums, aber das Kreuz steht dabei symbolisch für ein Hinrichtungswerkzeug. Der Tod am Kreuz ist Vergangenheit – dachte ich. Das man sich selbst kreuzigen kann und dies technisch möglich ist, beschreibt Tobias Bachmann in seinem Buch Despina Jones und die Fälle der okkulten Bibliothek.

Wir befinden uns im London der „Jetzt-Zeit“, doch die Vorgänge, die um eine der ältesten Kirchen der Stadt spielen, erinnern an Edgar Wallace und Sherlock Homes und sind unheimlich. Obwohl es einen Kommissar gibt, ermitteln für uns Despina Jones und die anderen Mitarbeiter der okkulten Bibliothek, Doc, Tori und Jean. Sie sind Inspektor Johnson immer eine Nasenspitze voraus, da dieser nicht wie sie über geheimes Wissen verfügen und zudem Despina Nekromantin ist, sprich sie kann mit den Toten und natürlich auch den Mordopfern reden. Sie erfährt quasi „aus erster Hand“, wer der Mörder ist, soweit er vom Opfer bei seiner Tat gesehen wurde, was auf die Toten im Buch allerdings nur bedingt zutrifft. Es handelt sich um Menschen, die gekreuzigt wurden oder sich selbst gekreuzigt haben:




„'Aktuell zieht sich eine Welle von Selbstkreuzigungen durch die Stadt.' (sagte Tori)
'Selbstkreuzigungen?', riefen fast alle im Chor. Für einen Moment herrschte fassungslose Stille, (…).
'Wie geht das denn allein technisch?', fragte Jean. 'Ich meine, mal vom Schmerz abgesehen, irgendwann hat man doch keine Hand mehr frei, um Hammer und Nagel halten zu können.'
'Soweit ich weiß sind die Nagelkreuze so präpariert, dass die Spitze des Nagels nach vorne zeigt – man haut also seine Hand mit Kraft dagegen und den Nagel somit durch.'
Doc verzog schmerzerfüllt das Gesicht. 'Wer macht denn sowas? Und vor allem, warum? Was ist das Motiv?'"
“ (S. 49)



Die Motive sind so unheimlich wie ausgefuchst. Grundlage sind drei okkulte Bücher und ein nebulöser George Whitehead, bei dem man vermuten darf, dass es sich bei ihm um den personifizierten Satan handelt.

Spannend ist der Blick ins Totenreich, den der Autor uns gewährt. Neben John Dee, dem Mathematiker aus der frühen Neuzeit, kommt auch Umberto Ecco zu Worte, der aus einem Aschehaufen im Keller der okkulten Bibliothek zur Klärung des Falles beiträgt. So lesen wir mystische, dunkle Geschichten und nähern uns dabei dem Mörder. Dieser holt gezielt zum Gegenschlag aus und entführt Doc, den Leiter der Bibliothek. Ein Ultimatum beginnt. Um Doc freizubekommen, soll Despina sich selbst kreuzigen, und sie beginnt tatsächlich mit der schrecklichen Prozedur, der wie in der Passion eine blutige Geißelung voran gehen muss. Wer sich dem christlichen Glauben tief verbunden fühlt, mag diese Szenen blasphemisch empfinden, für den Liebhaber von Horror- und anderer düsterer Literatur gehen sie unter die Haut, denn wer hat sich einmal vorgestellt, selbst ans Kreuz geschlagen zu werden bzw. dies selbst zu tun. So halten wir ein ungewöhnliches Buch in den Händen, welches jede Menge gruselige Details bereithält. Lediglich bei der Auflösung um die Identität des mysteriösen George Whitehead hätte ich mir mehr Einfallsreichtum und bizarres Begleitwerk gewünscht.



Ellen Norten - 28. April 2020
ID 12196
Verlagslink zu Despina Jones...


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