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nachDRUCK # 2

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Krimi

Verwöhnte

Enkelin





Bewertung:    



Die Britin Elena Standish stammt aus elitären Verhältnissen und verbringt mit ihrer Schwester glückliche Tage an der Amalfi Küste. Finanziell gut abgesichert erprobt sich die junge Frau als Fotografin, lernt einen attraktiven Journalisten kennen und verliebt sich. Spontan begleitet sie ihn nach Paris, die Stadt der Liebe.

Der Inhalt könnte bis hierhin aus einer billigen Liebesschmonzette stammen, doch wir schreiben das Jahr 1933, der schmucke Galan entpuppt sich als englischer Geheimagent und wird im Zug überfallen. Elena nimmt dem Sterbenden ein Versprechen ab, sie soll eine Nachricht an einen Vertreter der britischen Botschaft in Berlin überbringen.

Elena macht sich also auf den Weg dorthin, naiv und von Trauer erfüllt soll und will sie auf ein geplantes Attentat auf eine Nazigröße hinweisen und dies damit vereiteln. Das potenzielle Opfer ist Friedrich Scharnhorst, den es, obwohl der Nachname in der Historie durchaus geläufig, so nicht gibt. Hier werden Fiktion und Realität unglücklich miteinander vermengt. Aber auch textintern erweist sich das Buch als unglaubwürdig, denn Elena ist die Enkelin von Lucas Standish, der viele Jahre den MI6 leitete und sich in der Welt der Agenten wie in seiner Westentasche auskennt. Da es sich um den militärischen Geheimdienst handelt, unterlag seine Arbeit der strikten Geheimhaltung, und seine Familie, so auch Elena, wusste nichts über seine Tätigkeit, hielt ihn für einen langweiligen Beamten in hoher Position.

Auch der Vater von Elena ist hochrangiger Politiker, war britischer Botschafter, und Elena selbst lebte lange Zeit in Berlin. Vor diesem Hintergrund wirkt die Naivität der Protagonistin völlig abstrus. Dieses an den Haaren herangezogene Konstrukt steht im krassen Widerspruch zu den glaubwürdigen und gelungenen Beschreibungen der Machtübernahme durch die Nazis. Die aufkeimende Angst der Bürger, insbesondere der Juden, wird eindringlich beschrieben, und die Schilderung der Bücherverbrennung, die Elena in Berlin fotografiert, geht unter die Haut:


"Das Feuer hörte nicht auf zu brennen. Ein scheinbar nicht versiegender Strom an Büchern bot den Flammen stets neue Nahrung. Die Werke mussten aus Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und unzähligen Privathaushalten stammen; darunter waren gewiss auch von Generation zu Generation weitergereichte Erstausgaben (…)
Elena konnte sich von dieser Orgie der Zerstörung nicht losreißen. Um sie herum drängten sich Menschen. Ob das Männer oder Frauen waren, vermochte sie nicht zu erkennen, sie nahm nur die Bewegungen wahr und drückte einfach auf den Auslöser, bildete sie so ab, wie sie waren, Marionetten gleich, die an Fäden zappelten. Ihre Gesichter waren bleich, ihre Münder verzerrt, und in ihren Augen spiegelte sich das Inferno. Sie schienen erfüllt von einer Ektase, einem Wahn, während sie beobachteten, wie Leder, Pergament und Papier in Flammen aufgingen, wie die Leidenschaft, die geistige Errungenschaften und die Hoffnung von Generationen in einer einzigen Nacht vernichtet wurden." (Das Spiel des Verräters, S. 312)



Anne Perry kann also schreiben, sie gilt in ihrer Heimat England als anerkannte Bestsellerautorin. Umso erstaunlicher ist es daher, dass der inhaltliche Plot des Buches so unglaubwürdig daherkommt. Und wer der Verräter eigentlich ist, ist nicht allzu schwer zu erraten. Die Spannung tröpfelt also nur mäßig daher. Ein unbefriedigendes Buch, das lediglich die atmosphärischen Schilderungen der beginnenden Nazidiktatur lesenswert macht.


Ellen Norten - 24. August 2021
ID 13092
Goldmann-Link zum Krimi Das Spiel des Verräters


Post an Dr. Ellen Norten

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