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Insel-Bücherei

Magisches

Blau





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Das Meer ist ruhig oder nur sanft bewegt. Es ist weit, erhaben und tief. Und es spiegelt den Himmel über sich. Der ist noch ruhiger, glatter, milder. Möwen ziehen darüber hin, sie sind dem Maler mehrere Variationen und sogar ein veritables Porträt wert: das Rätsel des Möwenblicks. Quint Buchholz, ein Meister der Langsamkeit und der Blautöne, hat sich in diesem Büchlein seinem Leib- und Seelenthema gewidmet, dem Wasser. Stets in ein milchiges Licht getaucht ragen Inseln aus dem Meer, als wären sie Walrücken, die jeden Moment wieder in der Tiefe verschwinden könnten. Schmale Uferstreifen, einsame Strandläufer, stille Leuchttürme. Und wenn ein Mensch sich hinaus wagt, etwa in einem Boot, dann wirkt er ganz klein, inmitten eines riesigen Raumes. Wer aber im Wasser schwimmt, der muss sich an die Oberfläche halten. Wie die zwei Kinder im Wasser. Das Mädchen strampelt sich an die Luft, der Bub dagegen lässt sich bäuchlings treiben und hält das Gesicht in die Tiefe, als wolle er nachschauen, wie diese Welt da unten aussieht. Buchholz zeigt die beiden von unten, aus der Unterwasser-Perspektive. Auch dieses Bild - eine Meditation.

Zu diesen wunderschönen Blättern hat Herausgeber Matthias Reiner viele interessante Texte zur Erfahrung und zum Mythos des Meeres zusammengestellt. Cees Nooteboom fragt Poseidon, was er von den Menschen hält. Atlantis versinkt. Rose Ausländer dichtet von einer Insel, zu der ihr Delphine Grüße bringen von Freunden. Doch leider hat sie nicht schwimmen gelernt und muss alleine bleiben. Poetisches auch von Emily Dickinson, Marie Luise Kaschnitz und Paul Celan. Goethe beschreibt die Ambivalenz der Meeres-Stille und Erich Kästner die Villa Seeseite. Axel Hacke dagegen fürchtet sich in bewährter Komik vor Ferienreisen mit der Familie. Lutz Seiler erzählt vom DDR-Fluchtpunkt Hiddensee und Sindbad der Seefahrer von seinem ersten Abenteuer. Am Ende erliegt Judith Schalansky der Faszination der Abgeschiedenheit, Inseln des Nichts. Pietro Bartolo aber kann nicht anders, als vom Elend derer zu berichten, die heute übers Meer flüchten müssen.

Herausgekommen ist dabei das kluge und wunderschöne neues Insel-Büchlein Das Meerbuch. Es ist inzwischen die Nummer 1481 dieser kleinen, aber feinen Serie, die zwei Weltkriege, die Inflation und das Dritte Reich überstanden hat. Denn es gibt diese Insel-Bücherei bereits seit 1912, die Ausgaben wurden nie eingestellt, sondern kamen immer wieder pünktlich auf den Markt: stets edel ausgestattet, aufs Ästhetischste gestaltet und moderat im Preis. So versammelt sie seit mehr als 100 Jahren Hochkarätiges aus Literatur und Bildgestaltung. Ausgerechnet diese Geschenkbüchlein bilden bis heute die erfolgreichste und vielseitigste Reihe des Suhrkamp Verlages. Sie haben im Laufe ihres langen Lebens sogar manche Entdeckung hervorgebracht.



Petra Herrmann - 7. April 2020
ID 12144
Quint Buchholz ist inzwischen einer der bekanntesten deutschen Illustratoren. Den sympathischen Künstler, der bei München lebt, kann man übrigens in Kürze in einem Live-Stream hören (die Rettung in diesen Zeiten!). Das Pelkovenschlössl in Moosach veranstaltete zusammen mit der Buchhandlung Blattgold am 3. April 2020 eine Lesung mit Buchholz. Aus diesem Anlass hat er zum Lob der Langsamkeit Texte aus seinen neueren Büchern gelesen: Alles hat seine Zeit, Das Meerbuch und andere.


Link zum Meerbuch


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petra-herrmann-kunst.de

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