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Biografie

Kampf für

Gerechtigkeit





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Es ist nicht die Form von Sprache, noch die Darbietung eines Textes, die ich bei einer Biografie erwarte. Ein Epos über eine Frau, die mit über neunzig Jahren noch unter uns weilt und deren Leben so besonders ist und war, dass es mit einem Heldinnenepos ausgezeichnet wird, ist eben keine Biografie im eigentlichen Sinn.

Wer ist diese Annnette, von der ich bisher nichts gehört habe? Der Name klingt fast hausbacken, spricht sich aber ohne „e“ am Ende aus, schließlich haben wir es mit einer Französin zu tun. Annette Beaumanoir stammt aus bescheidenen Verhältnissen und wächst in der Bretagne auf.



"Im All des Zimmers, dem noch unbewohnten,
schwimmen vier und auch manchmal sechs
glänzende Gestirne oder Augen. Wie in der Dunkelkammer
langsam Konturen aus dem Nichts aufsteigen,
beginnen sich um die Gestirne
Gesichter abzuzeichnen. Mutter. Großmutter.
Vater. Das Kind. das Anne heißt und alle
Annette nennen bringt diese
Planeten zum Kreisen."
(S. 6)


So prosaisch lässt sich Kindheit beschreiben, der Text in seiner Dichte ist nicht leicht verdaulich. Schnell mal drüberlesen funktioniert nicht, und so bremst das Epos meinen Lesefluss und lässt mir bei der Lektüre Zeit über die folgenden schwierigen Situationen im Leben der Annette B. zu reflektieren.

Annette steht für Gerechtigkeit, geht mit 20 Jahren in die Resistance, um gegen die Nazi-Besatzer zu kämpfen. Doch die Arbeit im Untergrund ist weder romantisch noch abenteuerlich. Anonym bringt Annette Pakete von A nach B, ist ein Niemand, für den sich ihre Mitstreiter nicht interessieren. Nur wer seine Mitkämpfer nicht kennt, kann sie auch nicht verraten.

Endlich kommt es doch zu persönlichen Begegnungen, und Annette verliebt sich. Mit ihrem Freund rettet sie zwei jüdische Kinder vor den Nazis, obwohl die Resistance solche Aktionen missbilligt. Annette zeigt Zivilcourage, wird von Freund und Eltern unterstützt und erlebt eine persönliche Katastrophe. Ihr Geliebter wird von kollaborierenden Franzosen ermordet.

Annette gibt nicht auf im Kampf für Gerechtigkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg kämpft sie für die Unabhängigkeit Algeriens, will sich als Französin mit ihren Landsleuten nicht als Unterdrücker in Nordafrika gemein machen. Annette zahlt einen hohen Preis. Sie wird zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, kann sich nicht um ihren Mann und ihre Kinder kümmern, was man ihr vorwerfen mag. Und der Sieg der Freiheit in Algerien ist nur von kurzer Freude gekennzeichnet.



"So ist von allem Anfang an ein Wurm
oder auch eine Würgeschlange drin. Wer sich auf
die Armee stützt, ohne selbst Armee zu sein, der
sitzt nicht sicher und nicht gut. Gibt es denn
Revolutionen, Staatsgründungen, Neuanfänge
ohne Wurm? Wohl kaum. Der FLN
(Nat. Befreiungsfront), der mal eine
Bewegung war für einen freien, souveränen Staat,
wird jetzt eine Partei, und zwar die einzige, die
dieser neue Staat, den es bald geben wird, dann
hat.
(…) Die Hoffnung ist
so groß und dieser Wurm so klein, dass er zu diesem
Zeitpunkt noch in Ersterer verschwindet wie eine Obstfliege
im Wein."
(S. 170)


Algerien taucht seine Selbstständigkeit in blutige Machtkämpfe, wird zu einem Land, das bis heute als politisch unsicher und gefährlich gilt. So bleibt nach allem die Frage, ob es DIE Gerechtigkeit schlechthin überhaupt gibt. Hat Annette also verloren? Sie lebt wieder in Frankreich, ist ihren Idealen treu geblieben. Eine unbeugsame Frau, die zwei Kindern das Leben gerettet hat und uns als Vorbild dienen kann, was Aufrichtigkeit und Zivilcourage angeht.

Heldinnen und Helden, das sind die Menschen, die im Alltag für eine bessere Welt kämpfen, die ihren persönlichen Preis dafür bezahlen und die wir oftmals nicht kennen. Mit ihrem Heldinnenepos hat die Autorin Anne Weber einer von ihnen die Chance gegeben bekannt zu werden und uns als Vorbild zu dienen.



Ellen Norten - 28. September 2020
ID 12495
Matthes & Seitz-Link zu Annette, ein Heldinnenepos


Post an Dr. Ellen Norten

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