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Krimi

Von Kriegstrauma

und Mordlust





Bewertung:    



Deutschland 1920 - Kriegsgefangene kehren heim. Der Erste Weltkrieg ist beendet, doch die Wunden, körperliche wie seelische, sind längst nicht verheilt. Die überlebenden Soldaten sind traumatisiert, die Erlebnisse an der Front für sie kaum zu verarbeiten. In Basel wird ein toter deutscher Soldat aus dem Rhein gefischt. Alles deutet auf Selbstmord, doch die Identität des Mannes ist unklar, lediglich sein Zigarettenetui und sein Taschenmesser weisen auf die Stadt Leipzig hin. Hier geht Kommissar Paul Stainer dem Mord an dem Künstler Fritz Sternberg nach. Der Mann kam direkt aus Basel und fuhr zuvor in dem Zug, in dem sehr viele Rückkehrer aus Frankreich transportiert wurden.

Die Journalistin Marlene Wagner fürchtet, dass der Tote in Basel ihr Bruder sein könnte und verbindet ihre Reise in die Schweiz, nachdem sich ihr Verdacht nicht erhärtet, mit einer Recherche um die Wasserleiche. Sie will dem Toten einen Namen geben und zu diesem Zweck mit einem ausführlichen Artikel an die Leipziger Bürger gehen. Die Frau, die sich auch sonst schwierigen Themen widmet, hat sich gerade den Ärger der Konservativen, insbesondere der Mitglieder schlagender Verbindungen, zugezogen, als sie in einem mehr als kritischen Bericht über ein Duell zweier Kontrahenten in der Leipziger Volkszeitung berichtet. Dessen Sieger oder Gewinner war – Fritz Sternberg, der, obwohl durch die Mensur nur leicht verletzt, am nächsten Tag tot aufgefunden wird.

Obwohl die beiden Fälle auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben können, offenbaren sich im Verlauf des Buches immer neue Zusammenhänge, die es von Seite zu Seite spannender machen.

Dabei tauchen wir in das Leipzig der zwanziger Jahre ein, lernen die Freizügigkeit der Nachtclubs kennen, die Freikörperkultur, aber auch das Leid der Kriegerwitwen, die von den rückkehrenden Männern aus ihren Berufen wieder an den Herd gedrängt werden und damit ohne Anstellung und ohne Einkommen dastehen. Mit den Krawallen zwischen schlagenden Studentenverbindungen und der weißen Garde auf der einen Seite und der linken Arbeiterbewegung und dem Spartakusbund auf der anderen nimmt die politische Eskalation zu, die letztlich ins Nazideutschland führt.

*

Thomas Ziebula versteht es die menschlichen Schicksale, seiner Protagonisten sehr einfühlsam darzustellen. Insbesondere Paul Steiner, der ermittelnde Kommissar wird von seinen Erinnerungen an die Gefechte an der Somme immer wieder eingeholt:


"Da liegst du mit deinen Männern vor einem flämischen Dorf, drehst dich nach ihnen um, befiehlst ihnen die Bajonette aufzupflanzen und sich zum Sturm bereit zu machen. Doch als du die Rechte hebst, um den Angriff zu befehlen, schlagen Artilleriegranaten hinter dir ein, und als du dich wieder umdrehst: schwarzer Rauch über Kratern, blutige Glieder, umgepflügte Erde; und am Leben ist nur noch der einzige deiner Männer, bei dem du Spielschulden hast.
Dem Tod ist´s vollkommen egal."


(Abels Auferstehung, S. 98)



Die Arbeit lenkt Paul Steiner nur bedingt ab, er beginnt zu trinken und zittert unkontrolliert, was seine beruflichen Kontrahenten auszunutzen wissen. Das Buch beschönigt nichts - weder den Machtkampf und rechte Umtriebe noch Frauendiskriminierung und unergründliche Mordlust. Trotzdem zeigt es uns auch die schönen Seiten des Lebens, wenn Menschen zueinander stehen und im Kampf um Verbrechen doch Siege oder zumindest Teilsiege erringen.


Ellen Norten - 14. Mai 2021
ID 12908
Rowohlt-Link zu Abels Auferstehung


Post an Dr. Ellen Norten

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