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Ausstellung

Perfect World



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Plato war der erste Philosoph, der glaubte, dass alles Schöne wahrhaftig und gut sei. Da kann man sich doch auch fragen:

Muss ein Feuerlöscher schön sein? Kann man ihm einen moralischen Wert beimessen?

Lange war es verpönt, etwas „schön“ zu nennen, man nannte es an Kunsthochschulen das Fach für Ästhetik gleich Ethik. Schnell hatte man Angst, dem Kitsch zu verfallen, keinen guten Geschmack oder Stil zu haben, zu dekorativ oder kommerziell zu sein. Doch wenn wir uns diesen Begriff zurück erobern und Schönheit zulassen, kann das unser Leben verändern.

Von dem Architekten Louis Sullivan aus Chicago stammt der Ausdruck „Die Form folgt der Funktion.“ Das lernt der Designer, doch muss alles eine Funktion haben? Manche Dinge existieren einfach.

„Form follows function.“ (Louis Sullivan)

Wir sagen auch, die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Gibt es denn überhaupt so etwas wie eine universelle Schönheit? Es gibt Vorlieben, besonders bei Düften wird unser Empfinden auf einer sehr individuellen und unbewussten Ebene angesprochen. Mode wurde meist nach ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet oder auch ins Gegenteil verkehrt, um ein Statement zu setzen, wie bin ich anders. Kein Mensch möchte sich anpassen und sich ständig optimieren. Hässlichkeit bekam in der Kunst ihren Platz.

Doch es ist auffällig, dass, egal wo auf der Welt und welche Kultur, Menschen auf Harmonie und Symmetrie wie den Goldenen Schnitt positiv reagieren. Auch gibt es Lieblingsfarben wie das Blau, vielleicht durch das Blau des Himmels, welches Weite suggeriert oder Sicherheit.

Was ist Schönheit? Brauchen wir Schönheit? Werden wir von Schönheit geblendet?



Stefan Sagmeister (*1962) & Jessica Walsh (*1986), Ausstellungslogo, 2018/19, © Sagmeister & Walsh, New York


*

Die Ausstellung Sagmeister & Walsh: Beauty ist nicht nur sehr umfangreich und liebevoll zusammengestellt, sie kann auch besser als jedes andere Medium zeigen, was es mit einem macht, wenn man etwas Schönes betrachtet. Sie ist mit vielen verschnörkelten Wandtexten versehen, ist interaktiv und mit multimedialen Installationen bestückt. Es wird deutlich, Schönheit ist mehr als eine oberflächliche Strategie, sie beeinflusst unseren Alltag, stimuliert unsere Wahrnehmung.

Und Schönheit hat nicht nur eine objektive und eine subjektive Komponente, sie ist schlichtweg unergründlich, nicht zu beschreiben, nur zu erfahren. Schönheit ist Ausdruck von Liebe. Alle weiteren Erklärungsmuster sind vergeblich. Eigentlich will man immer nur das Perfekte, doch das ist tot.

Quadratisch, praktisch, gut kann aber nicht alles sein, Genuss kommt dazu, das sinnliche Empfinden. Vieles wurde hergestellt nur aus produktionstechnischen Gründen. Die Idee, dass einfache Gegenstände billiger herzustellen seien, war von Anfang an fragwürdig. Dinge, die wir schön finden, pflegen wir, das hat mit Nachhaltigkeit zu tun.

Schönheit hat das Potential die Welt zu verbessern.



Stefan Sagmeister (*1962) & Jessica Walsh (*1986), Color Room, 2018/19, in Kooperation mit Backhausen, © Aslan Kudrnofsky/MAK Wien


Auch Räume haben Einfluss auf unser Leben, wie wir uns fühlen, auch wie wir uns benehmen. Unmenschlicher Siedlungsbau der 1970er Jahre hat nicht funktioniert, wurde bereits in den Neunzigern schon wieder abgerissen. Die Umgebung macht’s; sie hat Einfluss, wie wir uns fühlen, auch wie wir uns benehmen. Wir sollten uns also nicht nur über Werte und Normen verständigen, sondern soziale Veränderungen herbeiführen. Vielleicht haben wir auch Angst vor dem Schönen, weil wir durch angebliche Schönheit betrogen werden wie in der plastischen Chirurgie. Das, was in der Ausstellung fehlt, ist, dass wir nicht nur eine individuelle Achtsamkeit brauchen, sondern auch eine gemeinsame Verantwortung, eine spirituelle Öffnung. Doch da setzt die nächste Peinlichkeit an; wir wollen doch nicht religiös oder gar esoterisch daher kommen!

Was Wunder! Das Pantheon in Rom hat 2.000 Jahre Verwendung gefunden, es ist ein unglaublich schönes und faszinierendes Gebäude, es weckt Aufmerksamkeit, die ganze Symmetrie berührt auf tiefe unergründliche Weise.

Transformierende Schönheit

Ein gutes Beispiel ist eine Unterführung in Brooklyn, als Müllplatz missbraucht hat das auch Vandalismus nach sich gezogen. Man hat für lediglich 5.000 Dollar die Wände bemalt mit einem großen kunstvollen "yes" - und auf der gegenüberliegenden Seite ein simples, graphisches "yes". Prompt ließen sich hier Hochzeitspaare fotografieren, und der Platz wurde zur Kapelle.



Stefan Sagmeister (*1962) & Jessica Walsh (*1986), Yes!, Unterführung, Brooklyn-Queens Expressway, 2016, © Maggie Winters Gaudaen for Pop! Wed Co.


Vielleicht wird man in der Ausstellung einen wunderschönen Kronleuchter bewundern. An dieser Stelle wird nicht verraten, woraus er gemacht ist oder wer ihn gemacht hat. Man kann einfach seine Schönheit bestaunen. Wie ein Kind, welches noch offen und unschuldig ist. Ebenso bei der imposanten Installation der atmenden Plastiktüten im großzügigen Treppenhaus, auch hier lässt sich Schönheit unmittelbar erfahren.

Und welches dieser Dinge ist Ihrer Meinung nach am schönsten?

Wählen Sie völlig vorbehaltlos mit einer Papiermünze von ihrem Ticket an eine der vielen Stationen, welche Farbe Sie bevorzugen, welchen Duft oder welche Verpackung Ihnen am besten gefällt.

Entdecken Sie Schönheit auf neue lustvolle Art und Weise.


Liane Kampeter - 16. Dezember 2019
ID 11886
Sagmeister & Walsh: Beauty ist eine Ausstellung des MAK, Wien, und des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main. Die Ausstellung wurde kuratiert von Kathrin Pokorny-Nagel (MAK Wien) und wird im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg von Dennis Conrad und Simon Klingler realisiert. Die Hamburger Station wird ermöglicht durch Mittel aus dem Ausstellungsfonds der Freien und Hansestadt Hamburg, der Hubertus Wald Stiftung und der Justus Brinckmann Gesellschaft.

Zu dieser Ausstellung ist eine äußerst schöne Publikation erschienen im Verlag Hermann Schmidt erhältlich.


Weitere Infos siehe auch: https://www.mkg-hamburg.de/


Post an Liane Kampeter

https://www.liane-kampeter.de

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