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Ausstellung

Ein wahres

Kabinettstück



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Das Museum für Ostasiatische Kunst (MOK) in Köln verfügt über eine reichhaltige Sammlung, aus der immer wieder wunderbare Ausstellungen hervorgehen, wie derzeit Trunken an Nüchternheit – Wein und Tee in der chinesischen Kunst, die noch bis zum 3. Mai 2020 läuft. Es sind auch ein paar Neuerwerbungen zu sehen und Exponate, die bislang im Depot verweilten. „Alkohol war ein soziales Schmiermittel“, erklärte die Kuratorin und stellvertretende Museumsdirektorin Petra H. Rösch während der Pressekonferenz. Die Geschichte des Weins in China ist älter als 5.000 Jahre, und zu Anfang war es ein Gebräu aus gegorenem Getreide und diversen Früchten. „Der Wein war ziemlich stark, eher wie Schnaps“, so Rösch, „Wein aus Trauben kam es erst später auf“. Der Wein hatte nicht nur eine gesellschaftliche und rituelle Bedeutung, der Rausch zur Inspiration bei der Erstellung von Kunst war anerkannt, ja erwünscht. Diese Geschichte sowie die spätere Popularität des Tees wird in einer dezenten Kabinettausstellung präsentiert.

Der Wein wurde zum Transport und zur Aufbewahrung nicht in Fässern sondern in teils kunstvoll verzierten Keramikgefäßen aufbewahrt. Ähnlich wie beim Weintrinken ist der Ansatz ein ganzheitlicher: Neben dem Gebrauchswert wird auch der künstlerische Ausdruck geschätzt. Der Kalligraf Wang Xizhi rief 353 n. Chr. zu einer Art Dichterwettstreit auf. Jeder, der ein auf dem Wasser eines Baches schwimmendes Weinschälchen ergatterte, musste es trinken und anschließend ein Gedicht verfassen. Wang Xizhi schrieb zu der dabei entstandenen Sammlung das Vorwort zur Zusammenkunft am Orchideenpavillion, das zu einer der bekanntesten Kalligrafien avancierte. Rösch erläuterte, dass Kunst und Rausch in China etwas Wiederkehrendes waren: „Alkohol gehörte als Stimulanz dazu.“

Die Chinesen trieben zudem einen ausgeprägten Ahnenkult, der teilweise auf Konfuzius zurückgeht. Opfergaben von Lebensmitteln haben eine sehr lange Tradition, wie auch der Wein, der in speziellen Gefäßen erhitzt wurde.

Es gab parallel zum Wein auch schon sehr lange Tee, aber der Alkohol wurde vorgezogen. Erst im 7. und 8 Jahrhundert fing der Tee als „eleganteres“ Getränk an, den Wein abzulösen, dessen schädliche Wirkung vor allem durch übermäßigen Konsum durchaus bekannt war. Tee ist eine Heilpflanze mit stimulierender Wirkung. Es entstanden Teezeremonien mit rituellen Abläufen, die in China ihren Ursprung hatten und von japanischen Mönchen nach Japan getragen wurden, die sie sich dann zu eigen machten. Den buddhistischen Mönchen war der Genuss von Alkohol verboten, die „Teetrunkenheit“ aber nicht: „Die Zubereitung des Matcha-Tees war arbeitsreich, die Ming-Kaiser erfanden dann den Tee aus losen Teeblättern“, erklärte Rösch, „das veränderte die Kunst“. Die Ästhetisierung der Gefäße sowie ihre Kunstfertigkeit und Schönheit werden bis heute fortgesetzt. Neben anderen Teeutensilien ist eine Kanne in Form eines Schneeballs aus Pflaumenblüten ausgestellt, die das MOK seit 2019 zu seinem Bestand zählen kann.

*

Eines des wertvollsten und in seiner filigranen Machart schönsten Objekte ist auf dem Plakat [s.o.] zu sehen: Teeschale mit „Hasenfell“-Glasur.

Dem MOK ist mit seiner aktuellen Ausstellung ein sehr anregendes Kabinettstück gelungen.




Der Wein wurde in China in kunstvollen Krügen aufbewahrt, und eine ganze Reihe von Gefäßen aus der Sammlung des MOK hat es vom Depot in die Ausstellung geschafft | Foto: Helga Fitzner

Helga Fitzner - 17. November 2019
ID 11823
In der Dauerausstellung sind weitere Wein- und Teegefäße zu bewundern, die auch im neuen Katalog Alles unter dem Himmel abgedruckt sind. Die gleichnamige Sonderausstellung ist war abgelaufen, aber viele Exponate sind immer noch zu bewundern. Der Katalog konnte aufgrund einer großzügigen sachbezogenen Spende entstehen. Auch die Digitalisierung der Bestände, die die Stadt Köln sich auf die Fahnen geschrieben hat, schreitet voran. Es ist ein komplizierter und langwieriger Prozess, der aber stetig fortgesetzt wird, da eine Online-Präsens der Schätze des MOK allein schon deshalb bedeutsam ist, weil es das einzige seiner Art in Deutschland ist. | h.f.

Weitere Infos siehe auch: https://museum-fuer-ostasiatische-kunst.de/


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