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Ausstellung

Porzellan und die

Anfänge des Welthandels

Mit seiner Ausstellung HANDELSGUT GLOBAL wiedereröffnet das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln am 13. März 2021

Bewertung:    



In Europa war es lange Zeit nicht bekannt, wie Porzellan hergestellt wird, aber insbesondere die Adelshäuser waren so begeistert davon, dass sie die hohen Kosten nicht scheuten. Schließlich waren die Handelswege von den Manufakturen in China in Richtung Westen weit und durchaus gefährlich. So gibt es hier viele Schlösser, die eine chinesische Porzellansammlung hatten oder noch haben. Dabei haben die Europäer das „weiße Gold“ relativ spät entdeckt, denn es breitete sich erst im restlichen Asien und in Nordafrika aus. Aus dem Irak stammte schließlich der seltene Rohstoff Kobalt, der die Grundlage für die blaue Farbe bei den Malereien war. Das unterglasurblaue Hartporzellan wurde im 14. Jahrhundert in Jingdezhen entwickelt, das während der Ming-Dynastie (1368 – 1644) zur Kaiserlichen Produktionsstätte aufstieg. Das Weiß des Porzellans und das dunkle Blau des Kobalts waren einfach unwiderstehlich, das durfte in keinem europäischen Fürstenhaus fehlen und war auch bei wohlhabenden Patriziern als Statussymbol sehr gefragt. Doch die Rezeptur war ein streng gehütetes Staatsgeheimnis.

Das Ming-Reich begann zu bröckeln. Einige der Kaiser hatten die Große Mauer bauen lassen, um sich vor den Angriffen der Mongolen zu schützen, aber es war die weitgehend unbeachtete Not der Bevölkerung, die zu Aufständen geführt hatte, die nicht mehr unter Kontrolle zu bringen waren. Während dieser Bürgerkriegsjahre und dem Niedergang der Ming-Dynastie war der Handel eingeschränkt; da die Nachfrage aber blieb, verlagerte sich die Produktion nach Japan.



Das weiße Porzellan und die kobaltblauen Malereien faszinierten auch die Europäer, die meisten der Exponate stammen aus der späten Ming- und frühen Qing-Dynastie, also dem 17. und 18. Jahrhundert | Foto: Helga Fitzner


In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die japanische Stadt Arita führend im Export und gestaltete das Porzellan sehr viel farbenfroher. Das war sehr erfolgreich und wurde meist beibehalten. Im 18. Jahrhundert begann das Goldene Zeitalter des ostasiatischen Porzellans, die Chinoiserie war der Modeschrei der Zeit, die Motive zeigten exotische Pflanzen und Landschaften, edel gekleidete Hofdamen, bärtige Gelehrte, und auch Drachen durften nicht fehlen. Korea war mit seinen Satsuma-Töpfereien ebenfalls vertreten, die ostasiatischen Motive waren sehr beliebt. Im Jahr 1708 wurde zwischenzeitlich dann das europäische Porzellan „erfunden“ und 1710 in der Albrechtsburg im sächsischen Meißen die erste Manufaktur gegründet.

Porzellan war nicht nur Kunsthandwerk, sondern eher Handelsware und auch Gebrauchsgeschirr, in dem gerne die Modegetränke der Zeit Schokolade oder Kaffee serviert wurden. Im MOK ist eine der Hühner-Kannen aus Arita [s. Foto unten] ausgestellt, die im Paris des 18. Jahrhunderts derart beliebt waren, dass kein Preis dafür zu hoch zu sein schien. Der Meißner Modelleur Johann Gottlieb Kirchner stellte im Auftrag eines Händlers Kopien her, der diese als Originale vertrieb. Der Betrug flog auf, aber die Meißner Kopien erzielten immer noch stolze Summen. Die Kanne im MOK stammt nachweislich aus Arita!!!



Kanne in Form eines Zwerghuhns, Porzellan, Arita, Überglasur-Email, Japan, Edo-Periode, frühes 18. Jahrhundert, F 72,2 | Foto: Helga Fitzner


Es dauerte, bis die Kunstgeschichte in Retrospektive erkannte, dass vielleicht durch die Anpassung an den Massengeschmack von Laien die „Kunst“ litt, aber der Güteraustausch gleichzeitig einen Kulturaustausch und eine gegenseitige Beeinflussung bewirkte, die durchaus von kunsthistorischer Bedeutung ist. So gehörte die Handelsware auch nicht zu den Sammlungsschwerpunkten der Museumsgründer des MOK, Adolf und Frieda Fischer, aber es kamen im Lauf der Jahrzehnte durch Ankäufe, Schenkungen und Dauerleihgaben so viele Exponate zusammen, dass sie nun erstmalig präsentiert werden können.

In der Japan-Galerie ist ein vollzähliger Satz von zwölf Monatstellern [s. Foto unten] ausgestellt. Sie zeigen die hohe Kunst der Porzellanmalerei. Die Motive sind den Jahreszeiten angepasst. Der März zeigt das Kirschblütenfest, auf dem letzten Teller wird geputzt, denn die Wohnungen, Gebäude und Tempel werden in der zweiten Hälfte des Dezembers traditionell gereinigt, damit die Jahresgötter sich dort wohl fühlen und für das nächste Jahr viel Glück bringen. Auf einem anderen Teller ehrt eine Familie in einem Tempel Ebisu, den Schutzpatron der Fischer und Händler. Der ist auf der abgebildeten Hängerolle an der Angel und Seebrasse erkennbar.



Zwölf sog. Monatsteller in der Ausstellung
Handelsgut Global im Museum für
Ostasiatische Kunst in Köln |
Foto: Helga Fitzner


Dies sind nur ein paar Beispiele einer beachtenswerten Ausstellung, die eine kunsthistorische Verbindung zwischen Ostasien und Europa herstellt. Am Aachener Weiher gelegen mit seinem bewässerten Innenhof, seiner japanischen Architektur und einzigartigen Atmosphäre ist ein Besuch im Museum für Ostasiatische Kunst wie ein kleiner exotischer Urlaub.


Helga Fitzner - 13. März 2021
ID 12811
MOK-Link zu Handelsgut Global. Exportporzellan aus China und Japan


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