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Kunst und Klima im Diskurs



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Dass der GROPIUS BAU einen grünen Daumen besitzt, hat die Berliner Kunstinstitution bereits mit der bunt-diversen Schau Garten der irdischen Freuden bewiesen. Nun macht das Haus als bekannter Veranstaltungsort großer temporärer Ausstellungen noch etwas für den eigenen ökologischen Fußabdruck. Klimaaktivismus ist nicht erst seit „Fridays for Futur“ angesagt, da wird es Zeit, dass auch die Kunst sich zu ihren hausgemachten Problemen bekennt. Mit dem globalisierten Kunstbetrieb und seinen Folgen für die Umwelt, z.B. Klimatisierung von Ausstellungsräumen, Reisen von KünstlerInnen und dem Transport von Kunstwerken per Flugzeug, trägt man nämlich auch nicht gerade zu einer positiven Klimabilanz bei. Um nicht als Klimakiller dazustehen, haben sich nun die Berliner Festspiele als Träger des Gropius Baus und vor allem ihr Intendant Thomas Oberender im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Immersion“ mit dem Thema auseinandergesetzt.

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Die Ausstellung Down to Earth greift auf eine gleichnamige Schrift des französischen Technik-Soziologen und Philosoph Bruno Latour zurück. Jedes Ausstellungskonzept will wissenschaftlich gerahmt sein. Die Kunst bedarf hier wohl zwingend einer entsprechenden Gebrauchsanweisung. In seiner Schrift Das terrestrisches Manifest thematisiert Latour die Folgen des Klimawandels. Im Englischen heißt der Essay Down to Earth, im französischen Original Où atterrir? Comment s'orienter en politique. Was als Frage angesichts der u.a. durch die Trump-Administration betriebenen Leugnung des Klimawandels so viel wie „Wo landen? Wie man sich in der Politik orientiert“ heißt. Oder wie es Latour in der Einführung konkret formuliert: „Um sich dem Verlust an gemeinsamer Orientierung zu widersetzen, gilt es, irgendwo zu landen.“ Und dafür gibt der Essay ein paar Richtungen vor.

Statt wie 2017 in der ersten Schau Limits of Knowing Immersion noch im klassischen Sinne mit VR-Brillen und vielen Computeranimationen zu betreiben, dreht man nun dem größten Stromfresser des Hauses, der Klimaanlage, den Saft ab. Unplugged sozusagen, wie auch der Untertitel der Ausstellung verheißt. Niemand der Beteiligten ist nach Berlin geflogen. Einer des KuratorInnenteams, der Performer Tino Sehgal, ist sogar bekennender Flugverweigerer. Sogar der Katalog besteht aus Ökopapier aus Algen. Corona-bedingt regionalisiert sich die Kunst momentan fast zwangsweise. Die Zeit der großen Ausstellungsevents mit Leihgaben aus Museen rund um den Globus ist eh allein schon aus Gründen knapper Kassen so gut wie vorbei. Und das globale Reisen vor allem per Flugzeug ist mittlerweile fast schon ein No-Go für ökologisch bewusst denkende ErdenbewohnerInnen.

Runtergedimmtes Licht, dafür offene Fenster mit Blick nach draußen. Die Temperaturen werden nicht energietreibend niedrig gehalten. Die Kunst kämpft gegen die schlechte Klima-Statistik des Hauses, auch wenn sie dabei nicht immer eine so majestätische Figur wie die Regenbogenschlange von Joulia Strauss macht. In ihrer „Akademie der Transformation“ lehrt die Aktivistin und Künstlerin vom indigenen Volk der Mari aus dem Wolga-Ural-Gebiet schamanistische Traditionen der Erdverbundenheit. Kunst ist im besten Fall immer dann politisch, wenn sich in ihr auch aktuelle gesellschaftliche Probleme widerspiegeln. Ob die im schmutzigen Wasser einer Neuköllner Pfütze zu erblicken sind, erschließt sich aber sicher nicht auf den ersten Blick. Die Berliner Künstlerin Kirsten Pieroth zeigt flankiert von großformatigen Ozeanbildern des Fotografen Andreas Gursky, dass im Kleinen wie im Großen irgendwie alles immer zusammenhängt, vor allem, was das Klima betrifft. Die Kuratorin Stefanie Hessler hat sogar eine kleine Ausstellung in der Ausstellung mit Fotografien, Installationen und Forschungsprojekten zum Thema Ozean aufgebaut.

Transformationen und Überformungen sind aber das A und O der ausgestellten Werke. So zeigen die Objekte der Bildhauerin Alicja Kwade einerseits eine exakte Kopie eines „realen“ Steins (Gegebenenfalls die Wirklichkeit), anderseits auch sogenannte TransFormen aus der Natur. Der Künstler Yngve Holen präsentiert mit seiner Installation Cake einen mit der Diamantsäge gevierteilten Porsche als Zerrbild der technologisierten Konsumwelt. Ozeanologie, Schamanismus, Renaturierung der Städte, Ökotechnologien. - Die Kunst tritt also mit dem Klima in Diskurs. Dazu gibt es neben dem Kunstparcours auch Workshops, Talkrunden, Lesungen, Konzerte und Performances. Zwei davon sind permanent in den Ausstellungsräumen zu erleben. Eher meditativ statt schweißtreibend, mal musikalisch, mal mit einem vielstimmigen „Welcome to this situation“ kann man vom objektbezogenen Kunstdiskurs Abstand nehmen. Geerdet im wahrsten Sinne des Wortes wird man dann in der Installation Absorption des Künstlers Asad Raza. Durch industrielle Einflüsse unbrauchbar gewordene Erde soll hier durch permanentes Wässern und Umgraben wieder fruchtbar gemacht werden. Etwas für Fans des Urban Gardening. Vor dem Weiterflanieren durch die klimatisch gereinigte Ausstellung muss man sich allerdings erst mal die Schuhe abputzen. Sauber.



Asad Raza, Absorption (2020) | Courtesy the artist
Die Arbeit wurde als Kaldor Public Art Projekt kreiert und 2019 in Sydney erstmals gezeigt.
Installationsansicht Down to Earth. Klima Kunst Diskurs unglugged, Gropius Bau, Berlin, 2020 | Berliner Festspiele/Immersion. Foto: Eike Walkenhorst

Stefan Bock - 29. August 2020
ID 12423
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinerfestspiele.de/de/gropiusbau/start.html


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