Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 4

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Werkbetrachtung

Blaues Pferd I von Franz Marc



1909 gründet Kandinsky mit mehreren Malern die expressionistische Künstlergruppe „Neue Künstlervereinigung München“ und übernimmt kurze Zeit sogar deren Vorsitz, bis er als zu abstrakt, zu modern abgestempelt, die N.K.V.M. wieder verlässt. Zusammen mit Franz Marc (1880-1916) organisiert er 1911 die erste „Blaue Reiter Ausstellung“, und es entsteht der Almanach gleichen Namens. Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky und andere bedeutende Künstler verlassen nach und nach die N.K.V.M. und stellen mit dem „Blauen Reiter“ aus. Auch der Komponist Arnold Schönberg gesellt sich zu ihnen. Gleichberechtigung der Kunstformen und die "Zusammenführung einer inneren und einer äußeren Erlebniswirklichkeit" sind die Maxime dieser ungleichen Künstlergruppe. Und weil Marc und Kandinsky sowohl Pferde als auch die Farbe Blau lieben, beschließen sie während eines Kaffeenachmittags in der Gartenlaube in Sindelsdorf, wo Marc gerade hingezogen war, ihre Bewegung „Der Blaue Reiter“ zu taufen: jedenfalls verrät uns das Kandinsky viele Jahre später.

Das Glanzstück der Pferde-Serie von Franz Marc, Der Turm der blauen Pferde (1913), ist bis heute verschollen. Hermann Göring hatte es und weitere 12 Exponate aus der Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 entfernen und seiner privaten Kunstsammlung hinzufügen lassen. Eines der beliebtesten Bilder aus der Blauen-Pferde-Serie ist Blaues Pferd I.



Blaues Pferd I von Franz Marc | Bildquelle: Wikipedia


Mitten in einer farbigen und kontrastreichen Landschaft im Hochformat steht das blaue Fohlen. Es nimmt fast die komplette Leinwand ein. Tollpatschig und ein wenig unsicher blickt es auf seine Beine, so als ob es gerade zum ersten Mal aufgestanden wäre und noch gar nicht ans Laufen glaubte. Es scheint dem farbig-feurigen Erdboden nicht recht zu trauen und kann mit der Schwerkraft noch nicht umgehen. Spielerisch, keck und unbekümmert neigt es seinen Kopf zur Seite, bis sein Blick auf den blauen Hufen, die auf zinnoberroten und grünen Farbflecken stehen, hängen bleibt. Das leichte Hellblau des Oberkörpers wird vorne immer mehr zu grauweiß. Die glatte Mähne ist marineblau, so wie die Hufe. Der Großteil seines Körpers ist von frischen, unbeschwerten Gelbtönen umgeben. Aus der roten Erde wachsen satte, dunkelgrüne, mit kräftigem Pinselstrich aufgetragene Kaktus-Pflanzen. Die Berglandschaft im Hintergrund geht von Karminrot und Gelb in Grün- und Blautöne über und endet oben in einem Rosa-Orange. Die Komplementärfarben sind messerscharf voneinander abgegrenzt. Marc bleibt sich auch hier treu, wenn es um die Reduzierung des Gegenständlichen auf eine schlichte und symbolträchtige Form geht.


Eine postkartengroße Bleistiftzeichnung mit dem Titel Junges Pferd in Berglandschaft war 1911 die Basis für das Gemälde Blaues Pferd I. Die Reaktion des Publikums war allerdings eher ablehnend. Heute gehört es zu den berühmtesten Pferden in der Kunstwelt. Auch Kandinsky malt 1911 blaue Rennpferde in dem Bild Romantische Landschaft, die aber nur noch aufgrund ihrer Bewegung als solche zu erkennen sind.

*

Ein Paris-Aufenthalt 1907 ist für Franz Marc wegweisend. Gauguin, Van Gogh, die grellen Farben der Fauvisten fusionieren mit kubistischen, futuristischen und geometrischen Formen und mit Besuchen von Völkerkundemuseen. Delaunays Suche nach durchscheinenden Farben, den Noten in der Musik vergleichbar, dessen fast stürzende, gotische Bauten interessieren und beeindrucken Marc, aber der Künstler bleibt bei seiner kräftigen, glatten Farbwahl, malt in ländlicher Abgeschiedenheit gelbe Kühe, grüne Rehe oder blaue Pferde und setzt sich damit über die Beliebigkeit der Farbe hinweg. Marc erklärt 1910 seine Farbgebung in einem Brief an Macke: „Blau ist das männliche Prinzip, herb und geistig. Gelb das weibliche Prinzip, sanft heiter und sinnlich. Rot die Materie, brutal und schwer und stets die Farbe, die von den anderen beiden bekämpft und überwunden werden muss..."
Christa Blenk - 19. Januar 2022
ID 13409
Das blaue Pferd ist ein Selbstbildnis und Die gelbe Kuh ein Portrait seiner zweiten Frau - wobei diese in London geschlossene Ehe nicht gültig war. Ob der Vergleich mit einer Kuh für Maria Franck schmeichelhaft war, bleibt dahin gestellt. Aber sie wird es schon verstanden haben. 1912 malt Marc den großartigen, gelben, so sehr defragmentierten Tiger, dass man die organische und anorganische Substanz im Bild kaum noch unterscheiden kann. Dafür widerlegt er mit dem Tiger seine Theorie der Farbe Gelb.

In seinen Cahiers d’Art schrieb Kandinsky 1936: „Marc hatte eine unmittelbare Beziehung zur Natur, so wie ein Bergbauer oder eigentlich wie ein Tier. Manchmal hatte ich den Eindruck, die Natur freute sich, ihn zu sehen... Was ihn anzog, war das organische Ganze, also die Natur im allgemeinen."

Die Bewegung „Der Blaue Reiter“ hat eigentlich nur ein paar Monate existiert und war eher eine intellektuelle Einrichtung. Schon zwei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg fiel die Gruppe wieder auseinander. Die Impulse hingegen, die von ihr ausgingen, schwingen nach.

Franz Marc ist 1916 bei Verdun nur 36jährig gefallen.

Blaues Pferd I entsteht 1911, misst 112 × 84,5 cm und hängt im Münchner Lenbachhaus.


Wikipedia-Link zum Blauen Pferd I von Franz Marc


Post an Christa Blenk

eborja.unblog.fr

Ausstellungen

Kulturspaziergänge

Museen

Werkbetrachtungen



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:




KUNST Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

AUSSTELLUNGEN

BIENNALEN | KUNSTMESSEN

INTERVIEWS

KULTURSPAZIERGANG

MUSEEN IM CHECK

PORTRÄTS

WERKBETRACHTUNGEN
von Christa Blenk



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2022 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)

Webdesign und -programmierung by Susanne Parth, bplanprojekt | www.bplanprojekt.de