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Werkbetrachtung

Begräbnis des Grafen von Orgaz

von El Greco



Ein griechischer Ikonenmaler aus Kreta wird um 1600 zu einem der bekanntesten Maler auf der iberischen Halbinsel. Domenikos Theotokopoulos (1541-1614), den die Spanier kurz El Greco (der Grieche) taufen, hat den Manierismus auf die Spitze getrieben und die gegenreformatorische Malerei geprägt. Augenprobleme hat man ihm nachgesagt, um seine stilisierten Köpfe und langgliedrigen Hände erklären zu können. El Greco hat in Venedig von Tizian und Tintoretto gelernt und in Rom Michelangelo entdeckt.

Im Siglo de Oro (im spanischen Goldenen Zeitalter), in der Zeit, in der sich der erzkatholische König Philipp II. den monumentalen und klosterähnlichen Palast El Escorial mit dem Gold aus der „neuen Welt“ bauen lässt, kommt El Greco in Spanien, genauer gesagt in Toledo, an. Es ist die Zeit der Großen wie Velazquez, Teresa de Avila, Quevedo oder Cervantes – für Letzteren war diese Zeit allerdings nicht „golden“ sondern „eisern“, und er beschreibt sie in den Abenteuern des „Ritters von der traurigen Gestalt“. Ob sich dieser Prunkbau mit den Vorgaben der Gegenreformation – Bedürfnislosigkeit, jesuitisch-ergebene Frömmigkeit und Erneuerung der katholischen Kirche - verträgt, bleibt dahin gestellt. Anspruchslos und karg wirkt auf den ersten Blick die in Mode gekommene Kleidung: Schwarz mit weißer Halskrause. El Greco, der fast ausschließlich religiöse Themen malt und praktisch konkurrenzlos im historischen Toledo, 70 km von der Hauptstadt entfernt, genug Aufträge für Altarbilder bekommt, verbindet pompösen Prunk mit eleganter Bescheidenheit. Über einen Mangel an Kirchen kann Toledo nicht klagen. Der Ort war ab der Eroberung durch die christlichen Truppen Ende des 11. Jahrhunderts die Hauptstadt von Spanien. Erst 1561 verlegte sie der König Philipp II. nach Madrid.



Begräbnis des Grafen von Orgaz von El Greco | Bildquelle: Wikipedia


Begräbnis des Grafen von Orgaz (Originaltitel: El entierro del conde de Orgaz) ist eines der bedeutendsten Werke von El Greco und passiert auf zwei Ebenen: einer irdischen, geordneten, und einer himmlischen, chaotischen. Blicke und Gesten sind die Verbindungsseile dieser beiden Bildebenen. Ein Wunder wollte der Auftraggeber von El Greco, ein Grablegungsbild, eine Totenmesse mit irdischen und ambrosischen Trauergästen:


Das Mirakel veranschaulicht der Künstler mit der Präsenz der beiden Heiligen Augustinus und Stephanus. Sie sind ins Bild gekommen, um den Leichnam des Grafen zu betten. Diese Szene bildet den Mittelpunkt des unteren Bildabschnittes. Links steht ein kleiner Junge, der nach eigenen Angaben des Künstlers sein Sohn Jorge Emanuel ist. Das Kind weist mit der rechten Hand auf den toten Grafen, während es mit der Linken eine lange, brennende Kerze umklammert. In seinem schwarzen Patrizierkleid mit der Spitzenkrause entspricht der Junge genau der Mode der Zeit. Auf dem weißen Taschentuch, das aus seinem schwarzen Mantel ragt, steht geschrieben „Domenikos Theotokopoulos epoie“ (= D.T. hat das gemalt) gefolgt von der Zahl 1578. Hierbei handelt es sich nicht um das Datum der Entstehung des Bildes, sondern um das Geburtsdatum seines Sohnes. In Apostelmanier stehen 15 Mitglieder der toledaner Prominenz hinter der Grablegungsszene. El Greco selber ist mit dabei, wie auch der Professor der Universität Toledo, Don Antonio Covarrubias, ein Freund des Künstlers, im Profil rechts. Sie blicken auf den toten Grafen und ignorieren eigentlich das Geschehen weiter oben. Augustinus, als Greis mit Mitra, trägt einen prächtigen, goldfarbenen Chormantel. Stephanus ist sehr viel jünger. Auf seinem aufwendigen und gar nicht bescheidenen Umhang erzählt eine Bordürenstickerei sein Martyrium. Während die beiden Heiligen also um die Wette blitzen, kommt Don Gonzalo Ruiz Graf von Orgaz, in seiner schwarzen, schimmernden, schwerelosen Rüstung, fast einfach daher. Der Priester rechts im transparenten Überhang steht mit dem Rücken zum Betrachter und blickt mit ausgebreiteten Händen nach oben. Die Messe wird von einem weiteren Geistlichen im prächtigen Chormantel gelesen. Gegenüber soll ein simpel gekleideter Franziskanermönch das Gleichgewicht herstellen. Unregelmäßig im Bild verteilte goldene Umhänge zaubern ein Mondlicht hervor.

Wallende Wolkenschleier bilden den Übergang des geometrisch geordneten irdischen Teils zu einem ekstatischen Dreiecks-Chaos, das von Christus mit seinem Grabtuch dominiert wird, obwohl er perspektivisch gesehen weiter weg als die anderen schwebt. Er ist weiß, umgeben von zaghaften, schwefeligen Goldnuancen im Hintergrund. Links von ihm hängt Petrus mit den großen Schlüsseln zwischen Wolken, vor ihm Maria in einem blau-roten Gewand. Sie streckt dem Kind, der Seele des Verstorbenen, das von einem Engel nach oben gehoben wird, ihre Hand entgegen, um es dann zum Obersten Richter weiter zu reichen. Links weiter unter befinden sich König David mit der Harfe, Moses mit den Gesetzestafeln und Noah mit seiner Arche. Diese Gruppe wird auf der rechten Seite von Lazarus, Maria Magdalena und einem Engel ausbalanciert. Johannes der Täufer im Lendenschurz hat eine Engel- und Menschenschar, darunter der König Philipp II und ganz rechts der Heilige Thomas mit einem Winkelmaß, seines Zeichens Schutzpatron der Kirche, hinter sich. El Grecos asymmetrische, barocke Diagonale, die sich von der Wolke rechts in der Mitte bis zu Christus hocharbeitet, will schon ins nächste Jahrhundert. Das Bild endet oben in einem Aureolen-Halbkreis. El Greco zitiert in seinem Werk die Italiener von Giotto bis Michelangelo oder Tintoretto aber auch die kretische Ikonenmalerei.

Christa Blenk - 21. August 2021
ID 13088
Das Gemälde Begräbnis des Grafen von Orgaz entstand um 1588, ist 480 x 360 cm groß und hängt in der Kirche Santo Tomé im spanischen Toledo. Der Graf von Orgaz hatte sich zu Lebzeiten immer um die Pfarrei gekümmert und sie später in seinem Testament bedacht. Allerdings haben sich die Erben geweigert und die zugesagten Leistungen erst nach einem sehr langwierigen Prozess unfreiwillig erbracht. Mit diesem Geld erteilte die Pfarrei El Greco den Auftrag zu dem Bild. Als es allerdings ums Bezahlen ging, musste sich der Vatikan einschalten, denn der Gemeinde schien der Preis zu hoch. Papst Sixtus V höchstpersönlich entschied, den von El Greco geforderten Preis von 1200 Dukaten zu bezahlen.

Wikipedia-Link zum Begräbnis des Grafen von Orgaz von El Greco


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