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Werkbetrachtung

Die Hochzeit der Psyche

von Edward Burne-Jones



Psyche ist die jüngste von drei Prinzessinnen. Sie ist so schön, dass kein Mann es wagt, um sie zu werben. Um sie aus dieser traurigen Einsamkeit zu erlösen, sucht der Vater das Orakel auf. Dieses befiehlt ihm, Psyche auf einen Berg bringen und sie dort in die Hände eines Ungeheuers zu geben. Auf der anderen Seite schickt die vor Eifersucht brennende Venus ihre Geheimwaffe Amor auf die Erde, um sich an Psyche zu rächen, denn Venus darf in Schönheit natürlich nicht übertroffen werden. Amor verliebt sich aber sofort in Psyche und Venus‘ Plan geht nicht auf. Der Westwind Zephyr trägt das Mädchen in ein blühendes Tal mit einem prächtigen Palast, in dem es unterkommt. Ihre Einsamkeit wird jede Nacht von einem anonymen Liebhaber, dessen Namen und Herkunft sie nicht kennen darf, durchbrochen. Psyches Schwestern, die sie irgendwann ausfindig machen, sind nun ihrerseits neidisch: auf den Palast, die Dienerschaft, den Luxus und vor allem auf den unbekannten, leidenschaftlichen Geliebten. Sie übernehmen den Schlangenpart, stacheln sie auf, wecken ihre Neugierde und überreden sie doch heimlich nachzusehen, um wen es sich bei ihrem nächtlichen Besucher handelt. Ein klarer Verstoß gegen die Abmachung. Als Psyche entdeckt, dass es sich bei ihrem Liebsten um Amor persönlich handelt, wackelt sie vor entzücktem Schrecken mit der Lampe und verschüttet ein wenig heißes Öl auf ihren Bettgenossen. Amor wird davon wach, entschwindet vor Wut und Enttäuschung sogleich in den Götterhimmel und lässt die schwangere Psyche allein zurück. Nach vielem Hin und Her gibt es aber dann doch noch ein Happy-End, und die sterbliche Psyche darf aufsteigen und unsterblich werden. Edward Burne-Jones (1833-1898) malt in dem Bild Die Hochzeit der Psyche ihren Weg auf den Berg:



Die Hochzeit der Psyche von Edward Burne-Jones | Bildquelle: Wikipedia


Der Zug, bestehend aus zehn Personen, die in drei Gruppen zusammen sind und nicht miteinander in Kommunikation stehen, geht von links nach rechts. Die erste Gruppe, angeführt von einer Fackelträgerin, besteht aus fünf Frauen, dann kommt Psyche, alleine in der Mitte und mit Abstand zu den anderen. Hinter ihr folgen drei Musikerinnen und der alte, gebrechliche Vater als einziger Mann, im Halbprofil und auf einen Stab gestützt. Der Gang fällt ihm sichtlich schwer, aber das Orakel will es so, und Vertrauen ist angesagt. Gedankenverloren, melancholisch und traurig bewegt sich diese Prozession auf eine ungewisse Zukunft zu. Hinter dem Berg wartet das Monster, und so kommt dieser Hochzeitszug eher wie ein Trauerzug daher. Verloren und in sich gekehrt geht die schönste Frau auf Erden in der Mitte der Gruppe auf ein großes Fragezeichen zu. Ihr blondes Haar ist unbedeckt, und nicht eine Blume ziert das schlichte Kleid, das zwar nicht weiß ist, aber heller als die Kleider ihrer Begleiterinnen. Eine Frau trägt einen Korb mit Rosenblüten in der linken Hand, die sie lieblos und emotionslos mit der rechten auf die Erde fallen lässt. Die anderen halten fast verschämt Lorbeerblätter in den Händen. Ihre Schwestern dürften hier auch mit von der Partie sein. Sie sehen sich sowieso alle ein wenig ähnlich mit den roten Haaren, der Lieblingshaarfarbe des Künstlers, und den idealisierten Gesichtern. Kalte, flache Blautöne dominieren ansonsten im Gemälde. Auch die drei weiblichen, freudlos musizierenden Wesen hinter Psyche lassen eine Hochzeitsstimmung nicht aufkommen. Im Hintergrund sieht man glatte Berge, aber keine Häuser oder sonstige Hinweise auf Leben.


Unweigerlich muss man bei der Betrachtung dieses Bildes an Paula Modersohn-Beckers Zug der Klagefrauen denken.

Christa Blenk - 28. August 2022
ID 13769
Edward Burne-Jones, der selber einen langen, altmodischen Bart wie der Vater in seinem Bild Die Hochzeit der Psyche trug, drückt in dieser mythologischen Episode seine Hoffnungslosigkeit und die der Präraffaeliten über den Verlust der für ihn einzig lebenswerten Welt aus, einer Welt, die weit weg von der lauten Industrialisierung, von der Moderne existiert, eine Welt, von der man sich nur in die Vergangenheit flüchten kann, hin zu Rittern, Schlössern und verwunschenen Wäldern, Mythen und Wundern, in der die Männer liebliche Frauengesichter haben und ätherische Feen elegisch-verhascht den Dampfmaschinen zu entfliehen versuchen.

Die prä-raffaelitische Bruderschaft bestand hauptsächlich aus Malern, die mit der Gegenwart nichts anfangen konnten oder wollten. Dynamik war ein Fremdwort für sie, und meist schrammten sie gerade noch einmal am Kitsch vorbei. Der Autodidakt Burne-Jones, der eigentlich Priester werden sollte, lernte sein Idol Botticelli und dessen Schönheitsideale auf mehreren Italien-Reisen kennen und lieben. Ansonsten waren Ovids Metamorphosen seine Inspirationsquelle.

Die unabhängige Geschichte von Amor und Psyche wird in Apuleius‘ Roman Der Goldene Esel von einer alten Frau erzählt. Der verzauberte Esel ist der Ich-Erzähler und hört in diesem Falle zu.

Burne-Jones malt das Bild 1895; es hängt in Brüssel und misst 680 x 371 cm.


Wikimedia-Link zur Hochzeit der Psyche


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