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Museum im Check

S.M.A.K.

Zeitgenössische Kunst in Gent


S.M.A.K - das Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent | Foto: Christa Blenk



Gent ist die Hauptstadt der Provinz Ostflandern, sie liegt 50 km von Brüssel entfernt und ist nach Antwerpen die zweitgrößte Stadt in Belgien. Ein florierender Tuchhandel hat den Ort schon im Mittelalter reich gemacht. Kaiser Karl V. wurde im Jahre 1500 dort geboren. Heute leben in Gent ca. 600.000 Menschen. Moderne und Mittelalter vereinen sich perfekt in dieser Stadt, in der typische Bürgerhäuser mit modernen Geschäften, Mode, Design, interessanter Architektur und Dynamismus fusionieren.

*

1957 gründete Karel Geirlandt die Gesellschaft für das Museum für Zeitgenössische Kunst in Gent, die mit dem Erwerb von damals aktueller Kunst den Grundstein der heute 3.000 Werke umfassenden Kollektion legte. Es handelt sich um die größte Sammlung zeitgenössischer Kunst in Belgien. Schon bis 1975 erlangte das Museum einen ausgezeichneten Ruf, und über 20 Jahre später siedelte es sich gegenüber dem Museum für Schöne Künste in einem ehemaligen Kasino an.

Das S.M.A.K. (Stedelijk Museum voor Actuele Kunst) steht am Rande des Citadel Parks in der Jan Hoetplein 1. Diese Adresse ist eine Hommage an den bedeutenden Kurator und Museumsdirektor Jan Hoet, der zwischen 1999 und 2003 das S.M.A.K. zu einem dynamischen und charismatischen Ort und zu einer attraktiven Begegnungsstätte für zeitgenössische Kunst machte. Alle paar Monate werden dort immer noch temporäre Ausstellungen organisiert, in die dann Werke aus dem Bestand des Museums integriert werden. Fester Bestandteil und immer zu besichtigen ist das Broodthaerst Kabinett [s. Foto unten]. Hier handelt es sich um eine Dauerausstellung über den belgischen, bekannten Konzeptkünstler und Surrealisten Marcel Broodthaers (1924-1976). Er schloss sich nach dem Zweiten Weltkrieg durch Initiative von René Magritte der belgischen Surrealisten-Gruppe (Groupe Surréaliste révolutionaire) an, um dann permanent die Grenzen der Malerei oder der Kunst überhaupt auszureizen. Ansonsten verfügt das S.M.A.K. über Werke der Pop-Art, des Minimalismus, der Arte Povera Bewegung und natürlich Konzeptkunst. Jackson Pollock, Joseph Beuys, Thomas Schütte, Juan Muñoz, Maria Abramovic, Christo, Carl Andre oder David Hockney oder die Künstlergruppe CoBrA, die Ende der 1940er Jahre dem Surrealismus den Kampf ansagte und sich auf Farben und Formen stürzte, sind dort vertreten. Auf dem Dach des Museums steht der Wolkenvermesser vom Belgier Jan Fabre. Es ist ein Autoportrait des Künstlers mit dem Gesicht seines Bruders. Die Messlatte zwischen den ausgestreckten Armen, steht er auf einer Trittleiter und will die vorbeiziehenden Wolken vermessen: eine Metapher für die Erreichung der absoluten Schönheit in der Kunst, obwohl er auf den ersten Blick eher bedrohlich wirkt.



Broodhaerst Kabinett im S.M.A.K. – mit Muscheltopf | Foto: Christa Blenk


Jan Hoet hat den Beinamen „Kunstpapst“ bekommen und brachte das S.M.A.K. in Gent zum Boomen. Heute scheint das Museum noch nicht wirklich aus dem Corona-Schlaf erwacht zu sein. Es kommt ein wenig desolat und verloren daher und konnte an einem Samstag im Juli nur wenige Besucher anlocken. Dieser Eindruck der Verlassenheit wird von der momentanen Hauptausstellung Silent Isolation nur noch verstärkt. Die Schau ist eine Zusammenstellung von hauptsächlich Konzeptkunst. Die beteiligten Künstler kommen aus unterschiedlichen Regionen, Kontinenten oder Generationen und setzen sich mit ihren Beiträgen mit kollektiven Quarantäne-Erfahrungen in den vergangenen zwei Corona-Jahren auseinander, aber nicht nur. Teilweise haben sie sich auch den Zwang der Isolation selber auferlegt, sei es aufgrund von Selbstreflexion, Vertreibungsängsten, Fluchtgedanken, Unterdrückung, religiöser Diskriminierung, sozialer Ungleichheit oder kulturellen Unterschieden. Die 89 farbigen Zeichnungen von Nalini Malani aus Hong Kong, Exile-Dreams-Longong (2020/2021) erzählen viele unterschiedliche, beklemmende Geschichten. Die Arbeiten verlieren sich fast in dem Raum. Über Malanis gerahmten Blättern prangt in Übergröße ein Zitat von George Orwell aus 1984. Im nächsten Raum hängen die Zandberg Drawings (2011-2018) von Danny Bergemann. Sie gehören der S.M.A.K.-Sammlung. Die expressionistisch-figurative Installation von Zehra Dogan, bestehend aus 108 Blättern und Tafeln, heißt Prison n5 (2021). Die algerische Künstlerin Lydia Ourahmane Barzakh konnte aufgrund geschlossener Grenzen nicht nach Hause reisen und hat deshalb ihr Heim ausführen lassen und die Möbel sowie das Zubehör in einem großen Saal im S.M.A.K. installiert, Klang und Geräusche inklusive. Die Schau dauert noch bis Mitte September 2022.



Silent Isolation – Nalini Malani | Courtesy of the artist and Burger Collection; Foto: Christa Blenk


Im unteren Bereich des S.M.A.K. hängen u.a. die Klassiker wie Specchio diviso (1975) von Michelangelo Pistoletto oder die Weinende Frau (1898) von Thomas Schütte sowie eine große Zeichnung von Bruce Naumann. An einem Nebengebäude oder Lagerhaus prangt eine beklemmende Installation von Torsos von Danny Matthys - Olam, 1994-1999 (…wereld, …. Mensheid).

* *

Jan Hoet war nicht nur der großartige Direktor im Genter S.M.A.K. Er ist vor allem als Kurator der documenta 9 (1992) bekannt geworden. Unter dem Motto „Vom Körper zum Körper zu den Körpern“ hat er die damaligen Weltsorgen wie AIDS, Kriege, Klimawandel, Atomkatastrophenangst nach Kassel gebracht. Geändert hat sich seitdem nicht wirklich etwas an diesen Themen, nur dass Corona und noch mehr Kriege und Gewalt hinzukamen und die Klimafrage noch akuter wurde. Kritik blieb natürlich nicht aus an dieser sehr zugänglichen Schau des umtriebigen Belgiers; man warf seiner documenta 9 Konzeptlosigkeit vor, aber Neider gibt es immer. Allerdings sprechen über 600.000 meist interessierte oder sogar begeisterte Besucher der documenta 9 für sich. 2014 ist Jan Hoet in Gent verstorben.

Christa Blenk - 12. Juli 2022
ID 13709
Stedelijk Museum voor Actuele Kunst S.M.A.K.
Jan Hoetplein 1
B-9000 Gent

Belgien
Telefon: +32 9 323 60 01
info[at]smak.be

Öffnungszeiten:
Mo | geschlossen
Di - So | 10 - 18 h

Tickets:
15 €
diverse Ermäßigungen


Weitere Infos siehe auch: https://smak.be/


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