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Museum im Check

10 Jahre

Museum

Brandhorst

FOREVER YOUNG



In diesem Jahr feiert das Museum Brandhorst die ersten 10 Jahre seines Bestehens. Es ist das jüngste der Münchner Museen, sowohl was die Errichtung als auch die Exponate (etwa ab 1950) anlangt, die das Ehepaar Brandhorst gesammelt hat. Und jung will es bleiben. Deshalb vielleicht auch das Motto der Sonderausstellung: Forever young. Womit aber nicht gemeint ist, dass nur die neuesten Werke gezeigt werden oder die wichtigsten. Vielmehr soll die Auswahl Bezugspunkte zur Gegenwart herstellen, vor allem zur gesellschaftlichen Praxis.

*

Was heißt hier alt und was jung? Ed Rusche, selbst 78, lässt es mit seinem Bild Really Old von 2016 offen. Er zeigt ein nach unten spitz zulaufendes Dreieck in bräunlichen Verlaufsfarben. Oben steht in großen schwarzen Lettern REALLY OLD, ein rötliches Feld markiert die halbe Strecke, und unten im spitzen, ebenso braunen Winkel wie oben, steht ganz klein, aber in weiß „brandnew“. Tja. Alles eine Frage der Perspektive.

Es geht um Feminismus, die Rolle von Subkulturen, das Thema Körper, die wieder zunehmende Militarisierung, den immer weitergetrieben Kommerz in allen Lebensbereichen und nicht zuletzt die fortschreitende Digitalisierung. Pop spielt dabei eine zentrale Rolle.

Andy Warhol, mit 45 Arbeiten vertreten, kann als die prägende Figur gelten. Der Künstler ist seit jeher im Brandhorst mit der weltweit größten Sammlung seiner Werke bestens beheimatet. Zu sehen ist seine überaus beliebte Camouflage von 1986. Das bekannte militärische Tarnmuster steht ursprünglich für Aggression und Krieg. Indem Warhol das olivgrün durch pink ersetzt, deutet er die Aussage um, ein postmodernes Spiel mit Zeichen. Man denke nur an die besondere Diskriminierung von Homosexualität in den Armeen. Das riesige und hochästhetische Pinkelbild Oxidation Painting von 1978 ist ein weiterer Publikumsmagnet, in dem sich abstrakte Malerei und die Ironisierung der Idee des Expressiven verbinden. Es heißt, Warhol habe es nicht über sich gebracht, zwei älteren Damen die Herstellungsweise zu erklären: er ließ bekanntlich Kupferfarbe mit Urin oxidieren. Seine weniger bekannte und keineswegs anstößige Leidenschaft für regelmäßiges Training hat die Ausstellungsplanung zu einer ungewöhnlichen Aktion inspiriert, zumindest für ein Museum. Sie konzipierte fürs Eröffnungswochenende vom 24. bis 26. Mai mehrere öffentliche Einheiten „Workout mit Warhol“ statt: Ausdauer, Koordination und Mobilisation für jede/n.

Neben Warhols Körperkult haben auch weniger fitte Figurationen Platz. Etwa Fatso (2009) von Amy Sillman, die sich in großformatigen Werken mit Körpern auseinandersetzt. Ihr überbordender, sich nahezu auflösender Fettwanst schaut reichlich unglücklich drein, das Unbehagen am eigenen Leib hat dabei – passend zu Warhol - durchaus einen Schuss Humor. Ebenso wie Nicole Eisenmans Katze, die gegen die Müllwolke über sich tapfer, doch vergeblich einen Regenschirm aufspannt.

Einen gut sichtbaren Standort hat man auch Jeff Koons eingeräumt. Amore heißt ein zuckersüßes Teddybärchen. Es gehört zur Serie Banality und machte den Großmeister des Kitsches schlagartig berühmt. Doch ist die Trivialität dieses Teddybären wirklich nur harmlos? In einer Werbeanzeige, die die Serie begleitete, steht der Satz „Beutet die Massen aus“ und die Frage „Banalität als Erlöser“?

Und dann steht wieder mal jede Menge Publikum vor Damien Hirsts 27.200 säuberlich geordneten Pillen im Glasregal. Jugendwahn und Selbstoptimierung – die pathologische Seite unserer Gegenwart.



Damien Hirsts "Pillenregal" im Museum Brandhorst in München | Foto: Petra Herrmann


Letztes Thema: die aktuellen Technologien. Wir sehen die Welt immer mehr durch den Bildschirm. Das passiert auch bei Jacqueline Humphries, und diese Erfahrung spiegelt sich in ihrer Kunst. Sie liebt zum Beispiel die vielgeschmähten Emoticons, integriert sie in ihre Werke. Ihre im Brandhorst gezeigten abstrakten Bilder malte sie in fluoreszierenden Farben, die nur unter Schwarzlicht zu sehen sind. Diese „Black Light Paintings“ gestaltet sie tatsächlich im Dunkeln. Auf die Idee kam Humphries nach einem Besuch der weltberühmten Rothko-Chapel in Houston. „Ich dachte mir: wie würden die Gemälde aussehen, wenn das hier keine Kapelle, sondern ein Nachtclub wäre… Fluoreszierende Farbe war da schon ein ziemlich guter Kniff!“

Mit über 170 Arbeiten ist der Bestand an Werken des US-amerikanischen Künstlers Cy Twombly in der Sammlung Brandhorst weltweit einmalig. Präsentiert werden Zeichnungen, Skulpturen und Gemälde. Highlights wie der Rosensaal oder der monumentale Lepanto-Zyklus, der an die gleichnamige Schlacht von Lepanto 1571 (mit dem Sieg der Christen über die Muslime) erinnert. Im Lepanto-Saal fanden denn auch drei beeindruckende Performances des Ballet of Difference statt - es tanzten Margarida Neto und Claudia Ortiz Arraiza, Percussion Njamy Sitson. Der gefeierte Choreograph Richard Siegal hatte eigens dafür das Bewegungs- und Klangduett Made Two Walking erarbeitet: Ein Höhepunkt des Festwochenendes, das viele Events und auch viel Kreatives für die ganze Familie bot, wie eine Monotypie-Werkstatt und das Bedrucken von T-shirts in der Ästhetik Andy Warhols.



"Rosensaal" von Cy Twombly im Museum Brandhorst in München
Foto: Petra Herrmann


* * *

Kurz: ein Besuch im Brandhorst-Museum lohnt sich. Auch wenn man nicht jeden Künstler und jede Künstlerin wegweisend finden muss, nicht jede Ausstellung grandios, so kann man sich doch immer wieder mit vielen interessanten Ansätzen und etlichen Meisterwerken auseinandersetzen. Auf jeden Fall bekommt man ein Gefühl dafür, was in der aktuellen Kunstszene so alles gedacht und versucht wird. Und das tut Münchens Museumslandschaft richtig gut.

Petra Herrmann - 28. Mai 2019
ID 11443
Museum Brandhorst
Theresienstr. 35a
80333 München

+49 89 238 052 286
info@pinakothek.de

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr-So | 10 - 18 h
Do | 10 - 20 h
Mo | geschlossen

Eintritt:
7 EUR | 5 EUR erm. | 1 EUR sonntags


Weitere Infos siehe auch: https://www.museum-brandhorst.de/


Post an Petra Herrmann

petra-herrmann-kunst.de

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